31 Dezember 2006

Slip

Alles Angebrachte zu Neuen Jahr.

Ich werde mehr posten, ein besserer Mensch werden und meine Kakerlake nicht mehr schlagen. Oder nur, wenn sie's wirklich verdient hat.

Cheers!
Mel

26 Dezember 2006

Wider den Schöngeist

Was nun diese Premiere betrifft.

Stellt euch vor, ein Schriftsteller. Er ist tot, aber gerade schon lange genug, um sein Ableben mit Jubiläen zu begehen. Und weil die meisten der Texte, um die es hier geht, zum ersten Mal auf der Bühne zu sehen sind, wedeln alle schon ganz aufgeregt mit dem Schwanz, inklusive Feuilleton und Öffentlichkeit.

Und dann ist da dieser Regisseur. Stellt euch was Freundliches, Intelligentes, Sechzigjähriges vor. Die weissen, langen Haare gepflegt in den Nacken gelegt. Zwei Seidentücher: Eines um den Nacken, das zweite wie zufällig über die Schultern geworfen.

Kultiviert. Lässig. Grosszügig. So müsst ihr euch das vorstellen. Nur leider ist er ein Schöngeist. Das ist bedauerlich. Bedauerlich und brandgefährlich.

Denn ein Schöngeist tut zwar niemandem weh, aber er macht sich die Hände auch sonst nicht schmutzig: Er meidet die klare Haltung, den Konflikt und den Gestank der Gosse; also all das, was ein Drama zu einem guten Drama macht. Ein Schöngeist veredelt seine Zeit damit, sich zu verneigen: Vor der Schönheit, vor den "wunderbaren" Schauspielern, vor dem "wunderbaren" Text des "wunderbaren" toten Schriftstellers.

Wir, im Schützengraben, nennen diese Arbeitshaltung normalerweise: Schwurbel. Oder, etwas präziser: Selbstmord. Im Gegenzug nennt er uns "ihr Lieben", "ihr Guten" oder ganz einfach "Kinder".

Und wenn ich Euch jetzt noch sage, dass der Mann eigentlich Filmregisseur ist und wenig Theatererfahrung hat, dann mag euch langsam dämmern, wie tief die Projektile in den letzten Wochen um unsere wunderbaren Ohren flogen.

Insgesamt ein äusserst merkwürdiges Erlebnis. Die Kritiken sind übrigens überwiegend positiv. Von "schönen Bildern" ist die Rede, von "Trouvaillen" und vom "behutsamen Umgang mit dem Text".

Schwurbel ist offensichtlich ansteckend.

21 Dezember 2006

Schleichwerbung: Scrivener

Zunächst mal was ganz anderes.

Was das Entwickeln von Stories betrifft, bieten dem entnervten Schreiber dutzende von Software-Lösungen ihre zittrige digitale Hand, um ein Minimum an Organisation und Übersicht in diesen blutigen Amoklauf zu bringen.

Nichts davon hat mich überzeugt. Bis jetzt.

Obwohl noch in der Beta-Phase, ist Scrivener so sorgfältig durchdacht und ausgeführt, dass man spontan auf die Knie geht und den Boden küsst.

Die Beta-Version B5 könnt ihr hier runterladen. Arbeitet euch durch das Tutorial, das geht schnell und macht Spass.

Könnte eine Freundschaft für's Leben werden.

PS: OS X only.

17 Dezember 2006

Huhu

Gestern Premiere.

Ich denke, ja, ich komm mal wieder zurück. Jetzt gleich Vorstellung, deshalb: Alles andere später.

Kuss!
Mel

17 November 2006

Melancholie: Setzen, Sechs!

Nichts gegen Melancholiker. Im Gegenteil.

Aber ihre Blogs?

Die Gedichte über treibende Gedanken und faule Äste, die Fotos von leeren Strassen und gepiercten Lippen, die assoziativ verknotete Prosa voll feuchter Landschaften, verwaisten Spielplätzen, dräuender Selbstverstümmelung und nekrophiler Wortsymbolik? Fluss, Schlaf, Erde, Blut?

Vielleicht ist Melancholie nicht die ideale Schreibunterlage. Zu schwer zieht die Scholle an der blutleeren Hand.

Denn, jetzt mal ehrlich: Wozu schreiben, wenn man auch sterben könnte?

So hat sich der Melville das gedacht, bis er heute Abend unvermittelt selbst von akuter Melancholie ergriffen wird. Hey, einfach so. Ihm geht's gut. Und, vor allem: Fräulein N. auch.

Trotzdem ist er traurig. Schwer wie ein Bordeaux, den Robespierre selbst noch eigenhändig im lehmigen Keller versteckt hat, bevor man ihm den Kopf vom blutenden… - Aber, ich schweife ab.

Also, denkt sich der Melville, ein Selbstversuch könnte nicht schaden. Mal den ganzen professionellen Heulsusen zeigen, wie man auf Schwermut so richtig die Tasten zum Singen bringt.

Was dabei herauskommt, ist:

Ich kann nicht zaubern. Ich kann nur gehen, bis meine Knie brechen. - Ich kann nicht gut sein. Aber ich kann meine Arme ausbreiten, bis sie zu Staub zerfallen.

Das unterbietet wirklich alles. Eine Katastrophe. Jetzt weiss ich, warum die Melancholiker andauernd an Selbstmord denken.

Ich dachte einfach, ich legs mal auf den Tisch. Was für einen Quatsch der Melville manchmal fabriziert. Unredigiert. Um mich zu bestrafen.

Ich geh mich mal in die Ecke stellen. Vielleicht auch sterben. Jedenfalls, wenn der gütige dunkle Fluss aus Blut ein Einsehen hat und mir den erlösenden Schlaf schenkt, den ich nach so einem Text mit Sicherheit verdiene.

Schalom!

Bye, bye, Ferenc Puskás

Er war ein grosser Fussballer, jetzt hat er die letzte rote Karte gesehen und das Spielfeld für immer verlassen. Ihm zu Ehren hier ein Text, der ursprünglich im Rahmen der WM bei Fooligan erschien.

Cheers, Mister Puskás!


Der Galoppierende Major
"Kleines Geld, kleiner Fußball, großes Geld, großer Fußball."   Ferenc Puskás

Das ist, ich sag’s euch gleich, kein gewöhnlicher Fussballspieler. Untertrainiert und übergewichtig. Das ist er. Und jetzt, 1961, nachdem er den Zenit seiner Karriere bereits überschritten hat, ist das mit dem übergewichtig eigentlich noch untertrieben.

Jedenfalls, was sollen wir noch lange um den heissen Brei herumreden, wie eine Presswurst, so sieht er aus im Real Madrid-Leibchen, schön ist das nicht, sowas zu sagen, aber wahr ist es trotzdem. Und was tut er gerade? Er tritt einen Freistoss im eigenen Stadion gegen Atletico, das sind die, die Anfang der Sechziger gerade ganz oben auf schwimmen, in Spanien.

Er also mit dem linken Fuss, wie immer, und der Ball segelt über die Mauer, und dort die Atletico-Spieler natürlich hochgesprungen, aber nix war, denn der Ferenc, der kann diese Bananen so sauber ballern wie auf dem Reissbrett gezogen. Und in die lange Ecke, und der Torhüter springt und streckt sich wie wenn er aus Gummi wär, aber er kommt nicht mal mit den Fingern dran, nicht mal mit den Fingerspitzen, und drin ist der Ball und im Netz und da kann keiner mehr was machen.

Und die Menge tobt. Und der Ferenc, so kurz seine Arme auch sind, er reisst sie hoch. Und alle anderen ihre Arme auch.

Aber der Schiedsrichter schüttelt den Kopf.

Fast peinlich ist es ihm, fast rot wird der Mann im schwarzen Trikot, und er geht zum Ferenc und entschuldigt sich und sagt, tut mir leid, aber ich habe noch nicht gepfiffen, und pfeifen muss ich schliesslich, denn wo kämen wir sonst hin?

Und das versteht der Ferenc. Denn jetzt mal Frage: Habt ihr das gewusst? Dass wir hier vom gleichen Ferenc sprechen, der Kapitän von der ungarischen Mannschaft gewesen war, der goldenen Manschaft, die vier Jahre lang – und das sagt sich so leicht, aber denkt doch mal: vier Jahre - einfach niemand schlagen konnte, und die erst die Deutschen in Bern mit einem Wunder zur Strecke geackert haben?

Und weil er so dick war und trotzdem so schnell, haben sie ihn den galoppierenden Major genannt.

Genau dieser Ferenc ist das nämlich, und kein anderer. Sieht aus wie Presswurst, ist aber Fussballgott. Und spielt immer mit linkem Fuss. Jetzt, passt auf, wollt ihr die Legende hören, warum immer mit linkem? Weil eigentlich der rechte Fuss der starke ist. Aber zu stark. Mit dem hat er mal so hart geschossen, dass dann der Torhüter mit gebrochenen Rippen direkt ab auf den OP-Tisch. Dann haben die da oben vom Fifa-Zimmer ihm den rechten Fuss verboten. So die Legende. Stimmt sie? Wer weiss. Aber in jeder Legende ist ein kleiner Grashalm Wahrheit.

Also, dieser Ferenc, der steht jetzt auf dem Rasen, und muss den Freistoss nochmal schiessen, und diesmal wartet er, bis der Schiedsrichter pfeift, denn nur weil er dick ist, ist er noch lange nicht doof.

Er also mit dem linken Fuss, wie vorher, und der Ball segelt über die Mauer, wie vorher, und dort die Atletico-Spieler natürlich hochgesprungen, wie vorher, aber nix war, denn der Ferenc, der kann diese Bananen so sauber ballern wie auf dem Reissbrett gezogen. Und in die lange Ecke, wie vorher, und der Torhüter springt und streckt sich wie wenn er aus Gummi wär, wie vorher, aber er kommt nicht mal mit den Fingern dran, nicht mal mit den Fingerspitzen, und drin ist der Ball und im Netz und da kann keiner mehr was machen, wie vorher.

Und da hat der Ferenc das Tor genau noch mal ganz gleich geschossen. Nur diesmal mit Pfiff. Und wenn die Menge vorher getobt hat, dann ist es jetzt ein Glück, dass kein Dezibel-Messer im Stadion, weil der würde nämlich zerspringen in lauter kleine Messerchen, so laut haben jetzt alle gebrüllt. Und das - nur damit ihr jetzt nichts Falsches denkt - das ist keine Legende, weil direkt in die Annalen von Real Madrid eingegangen, natürlich zu recht.

Und das alles gegen Atletico, das sind die, die Anfang der Sechziger gerade ganz oben auf schwimmen, in Spanien. Bis sie den Ferenc nach Madrid geholt haben.

Dann war’s erst mal aus mit Atletico.

10 November 2006

Gott ist ein DJ

Gott ist ein DJ, davon haben wir's hier ja schon mal gehabt.

Dieses Dings ist allerdings auch nicht übel:



Budget: 500 Dollar.

08 November 2006

FRANK & FEE - Die Soap! (V)

"Ich liebe dich!"   Redewendung

Und hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt.

EPISODE FÜNF
SPRING!

FADE IN:

EXT. BAHNÜBERFÜHRUNG - ABEND
FRANK und FEE stehen im Abendlicht auf einer Bahn-Überführung, halten sich an der Hand und blicken hinunter auf die Gleise.

FRANK: Gleich kommt der Güterzug.
FEE: Jep.
FRANK: Und du bist dir wirklich sicher?
FEE: Ja! Wenn er langsamer wird, springen wir auf den Zug!
FRANK: Und dann fahren wir, wohin auch immer er uns bringt.
FEE: Wohin auch immer! Das ist nicht wichtig. Wir haben ja uns!
FRANK: Ich liebe dich!
FEE: Da kommt der Zug!

In der Ferne erscheint tatsächlich, PFEIFEND und PUFFEND, der Zug. Frank und Fee setzen sich auf das Geländer. Der Zug fährt unter ihnen durch und wird langsamer.

FRANK: Jetzt!
FEE: Ja!

Frank springt. Er landet auf dem Dach eines Güterwaggons und rollt ab. Er LACHT und sieht sich um. Fee ist nicht gesprungen. Sie sitzt immer noch auf auf dem Geländer der Überführung.

FRANK: Fee! Was tust du? Spring!

Fee winkt und wirft ihm eine Kusshand zu.

FEE: Geh schon mal vor. Ich komm dann nach.
FRANK: Was?!
FEE: (ruft) Ich muss noch Freunde treffen. E-Mails schreiben und all das.
FRANK: (ruft) Was?!
FEE: (ruft) Ich vermiss dich jetzt schon. Ich liebe dich!

Sie verschwindet in der Ferne. Frank steht perplex auf dem Dach des Waggons.

FRANK: Was?

Der Zug wird immer schneller.

FADE TO BLACK.


Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006

06 November 2006

B-Shit & Pop Corn

Mhm. Viel los in Melvilles Leben dieser Tage. Das sieht man daran, dass sein Blog langweilig wird und verkümmert wie ein Blutegel auf einem Käsekuchen.

Umgekehrt ist es vermutlich auch richtig, dass, wenn das Blog rockt, Melvilles Leben gerade verkümmert und so langweilig ist wie, jetzt wollen wir mal mit Vergleichen nicht geizen, Thomas Gottschalk auf einem Käsekuchen. Die Eckpfeiler meines Lebens sind somit gesteckt.

Habe die schauspielerische Pflichtrunde mit der angemessenen Konzentration absolviert. Die Kür folgt jetzt, im nächsten Stück. Das macht richtig Freude, weil: kann alle Register ziehen. Gleichzeitig habe ich heimlich (Produzenten und Regisseure sind sowas von eifersüchtig) einen Kurzfilm und 70 Seiten eines Kinofilms geschrieben.

Ich kann meine Rechnungen zahlen und mit gutem Gewissen meinen enormen Kaffee- und Nikotinkonsum kultivieren.

Fantasie habe ich im Moment keine, weil sich immer noch vollständig drehend um Fräulein N.. Die übrigens genauso beziehungsgestört ist wie ich. Was sich einerseits gut trifft, andererseits meine Geduld auf eine harte Probe stellt: Sie legt Grillen an den Tag, die bisher eigentlich immer für mich reserviert waren. Ich werde sie auf mein Copyright verweisen und nötigenfalls verklagen.

Sie zergeht mir auf der Zunge. Ich war doch immer der Lonely Wulf von nebenan. Plötzlich fühle ich mich einsam, wenn sie nicht da ist. Als hätte mir jemand mein Herz aus der Brust gerissen und davongetragen.

Wenn ich sie dagegen sehe, scheint mir, als wäre der Endzweck meines Daseins erreicht. Als wäre mein Leben über Nacht von einem getrockneten Mais-Samen zu einem federleichten Popcorn geflufft. - Ist das nicht schön? Und auch doof? Aber eben schön doof?

Ich bin glücklich. Ich leide. Ich bin glücklich.

31 Oktober 2006

Goldene Weisheit

Morgen Premiere.

Vor nervösem Gejuffel bewahrt mich die goldene Weisheit des folgenden Witzes:

Vater Stier und Sohn Stier stehen auf einem Hügel. Tief unter ihnen tummelt sich eine riesige Kuhherde. Und weil die Stiere aus Texas kommen, reden sie Englisch.

SOHN STIER: Dad, Dad, you know what we gonna do?
VATER STIER: Yeah?
SOHN STIER: Yeah, ok, yeah! We gonna run down the hill and each of us fucks a cow!
VATER STIER: (verdreht die Augen) No, Son, no. That's not what we gonna do.
SOHN STIER: No?
VATER STIER: No.

Vater Stier kaut gemächlich einige Büschel Gras wieder.

VATER STIER: We'll walk down. And fuck'em all.

23 Oktober 2006

Über die Schönheit

Die Schönheit würde die Welt retten. F. M. Dostojewkji

Verliebte Menschen können sowas von nerven. Genauso wie frischgebackene Eltern: Sabberkloss hier, Sabberkloss da. Das ist gesundheitsschädigend und langweilig. Frischgebackene Eltern sind die Pest.

Verliebte auch. Ich zum Beispiel. Prompt werden meine Texte irgendwie schwurbelig.

Ich werde mich also nun zurückhalten und nicht mehr dauernd nur von Fräulein N. reden. Zum Beispiel, wie gut sie riecht. Oder, wie sie so ernst guckt und gleich darauf lacht und dann dieses eine Grübchen auf ihrer Backe auftaucht, nur auf einer Seite. Ich werde nicht davon sprechen, wie wir zusammen über das dünne Eis gehen und uns dabei mit grossen Augen ansehen, weil es irgendwie längst egal geworden ist, ob es bricht.

Ich werde von etwas ganz Anderem sprechen.

Ich werde von Schönheit sprechen. Da ist jetzt dummerweise Fräulein N. gerade ein gutes Beispiel. Fräulein N. ist nicht schön, weil sie diese hübsche Nase hat oder die leckeren Ohren oder diese aufmüpfige Haarsträhne, die dauernd vor ihrem Gesicht rumwedelt.

Nein, Fräulein N. ist schön, weil sie aussieht wie Fräulein N. und nicht wie Kate Moss. Nichts gegen Kate, altes Haus. Vielleicht ist Fräulein Moss ja schön. Aber nur, weil sie aussieht wie Kate Moss. Und nicht wie, sagen wir, bah, Fräulein Aguillera.

Mit anderen Worten: Fräulein N. versucht nicht anders auszusehen, als dass sie aussieht. Ich finde das unwiderstehlich. Sie könnte sich ja schminken. Oder ihre Fingernägel anmalen. Tut sie aber nicht. Und ich bin so dankbar dafür, dass ich auf die Knie gehe und Gott dafür ein nettes Blinzeln durch die Wolken schicke.

Auch wenn ich in die Hölle komme. Bei mir hat der alte Mann einen Stein im Brett.

Denn, wisst ihr, hört mal her, Frauen: Ich habe noch nie in meinem Leben. Nie! Habe ich eine Frau kennengelernt, die geschminkt hübscher gewesen wäre als einfach so, ohne was.

Weil Frauen dann am hübschesten sind, wenn sie aussehen, wie sie aussehen.

So, jetzt ist es raus.

22 Oktober 2006

Die Hölle

Du wirst in die Hölle kommen.

Wieso hört man diesen Satz ausgerechnet dann, wenn man sich verliebt?

Wenn man liebt, ist man verloren. So ist das. Weil man sein Herz verschenkt. Man kann nicht wissen, was damit geschieht. Vielleicht landet es im Dreck. Vielleicht bricht es. So ist das.

Wer ein Schiff hat, der fahre heute noch hinaus. Wer Flügel hat, der springe. Wer einen Stern hat, der folge ihm, bis seine Beine brechen.

Ich glaube nicht an die Hölle.

15 Oktober 2006

Schneeflocke

Wir haben uns geküsst, auf Gleis 18, bevor sie fuhr.

Nichts daran war erfahren oder entschlossen oder routiniert. Es war wie eine Schneeflocke, die man mit den Lippen fängt, im Winter. Vorsichtig, damit sie nicht gleich schmilzt. Ich glaube, wir haben uns kaum berührt.

Als ich zurücklief, dem abfahrenden Zug entlang, explodierte der Bahnhof zu einer Welle aus Licht. Es wurde so hell, dass meine Netzhaut verdampfte und die Zugfenster Funken sprühten.

Dann teilte sich die Welt und streute glitzerndes Konfetti.

Bleicht die Taschentücher. Stellt die Kerzen ans Fenster. Vergebt Euren Feinden.

Denn Melville ist verliebt.

05 Oktober 2006

Von Astronauten

Seltsam: Gerade tut sich so viel, in meinem Melville-Universum, und trotzdem habe ich das Gefühl, ich hätte nichts zu erzählen.

Mal testen?

1. Angst: Manchmal habe ich die Hose sowas von gestrichen voll. Ich habe dann Angst davor, die Menschen mit dem, was ich bin, nicht mehr zu erreichen. Dass das, was mich bewegt und erfreut, die Menschen plötzlich nur noch befremdet. Dann wäre ich ein Astronaut, der den Funkkontakt zur Erde verloren hat. Ich wäre immer noch - davon bin ich überzeugt - ein guter Astronaut. Aber was ist ein guter Astronaut ohne Welt?

2. Sex: Seit eingen Wochen stelle ich ein interessantes Phänomen an mir fest. Wenn ich die Wahl habe zwischen wildem Sex und einsamem Schreiben, entscheide ich mich für Letzteres. Meine Affaire mit Bazooka-Girl habe ich bewusst einschlafen lassen. Fräulein N. ist ein anderer Fall. Das ist die Entdeckung der Langsamkeit beim Flirten. Eiskunstlauf in Zeitlupe. Inzwischen hat sie mir ihr Geheimnis erzählt. Jede Frau hat so eins. Ich kenne ihres. Meines kennt sie nicht. Meines kennt niemand. Nicht mal ich selbst.

3. Jetzt: Gerade fällt die Sonne durch's Fenster, an meinem Labtop vorbei, und wärmt meinen linken Arm. Links qualmt die Zigarette, rechts steht die Kaffeetasse und schafft es irgendwie, vorwurfsvoll leer zu gucken. Draussen, vor dem Bullauge, schwebt Welt vorbei. Jetzt ist gut.

4. Glück: Glück ist, den eigenen Weg zu gehen. Ende der Diskussion. Alles andere ist Mumpitz. Vergesst es nicht.

Ich mein's ernst. Vergesst es nicht. Und was ist ein guter Astronaut ohne Angst?

24 September 2006

Von orangen Katzen

Da ist zum Beispiel das junge Fräulein N., mit der ich gerade häufig zu tun habe, und die so schrecklich viel über sich nachdenkt. Über sich und den Rest der Welt.

Alles ist schwierig. Jeder Schritt führt auf dünnes Eis. Jeder Ast kann brechen. - So ist das Herz von Fräulein N. stets in Aufruhr, ihre Stirn stets in Falten, ihre Neugier stets durchzogen.

Und sie erinnert mich an eine Katze, die ich in Griechenland kennengelernt habe. Die Katze, müsst ihr wissen, war orange und wild. Einmal am Tag zeigte sie sich auf der Terasse und wurde von mir gefüttert. Danach schnurrte sie und wollte gestreichelt werden. Wenn ich aber die Hand nach ihr austreckte, sprang sie panisch auf eine Mauer und sah mich entsetzt an.

"Die orange Katze ist doof", dachte ich zuerst. Und es verletzte mich, dass sie mir nicht vertraute.

Denn, Kollegen, ich kenne andere Katzen, und ihr auch. Solche, die's voll drauf haben. Auch dort, auf der Terasse, gab's die. Katzen, mit denen der reibungslose Umgang voll gewährleistet ist.

Aber jetzt, wisst ihr was: Von allen Katzen war mir am Ende die orange am nächsten. Weil, ja: Warum eigentlich? Alles war schwierig. Jeder Schritt führte auf dünnes Eis.

Womit wir jetzt wieder bei Fräulein N. wären.

21 September 2006

Potemkins süssestes Versprechen

Als ich ein kleiner Junge war, stand ich oft in meinem orangen Pyjama am Fenster, und mein Herz platzte vor Sehnsucht und Abenteuerlust. Ich sah über das Dorf hinweg zum Wald und fragte mich, was wohl dahinter sein könnte.

In Frage kam Folgendes:

1. der Wilde Westen
2. Ein Königreich mit Rittern, Drachen und Blumenwiesen.
3. Ein verschlungenes, tiefes Höhlensystem, das von gefährlichen, aber auch interessanten Wesen bewohnt wurde.
4. der Weltraum (inklusive Ufos, Astraunauten und Sternenkrieg)
5. die Bevölkerungsexplosion, von der ich damals schon gehört hatte und die ich mir als eine riesige Welle aus Menschen vorstellte, die auf mich zurollt.

Aber auf die Idee, dass hinter dem Wald das Nachbardorf liegen könnte, kam ich nicht.

Und soll ich euch mal was sagen, Matrosen? Ich hab mich nicht geändert.

11 September 2006

Faszination und Erleichterung: Nine Eleven

9. 11. 2001

Zürich, Theater, Probebühne 1

Stand der Dinge: Francis Fukuyamas Ende der Geschichte beherrscht die Bestsellerlisten und beschreibt das globale Lebensgefühl des Stillstands. Kaum im neuen Jahrtausend, ist es bereits unerträglich stickig geworden.

Plötzlich steht eine Frau mit tellergrossen Augen in der Tür und stottert.

Dann werde auch ich - wie der Rest der Welt - Zeuge des digitalen Loops: Flugzeuge, Feuer, Türme, fallende Menschen. Und nocheinmal. Für alle, die es immer noch nicht fassen wollen.

Aber, in mir - neben den handelsüblichen Gefühlen - auch noch das: Faszination. Für die unwiderstehliche Macht eines Vorgangs, der mit einem Mal, innerhalb weniger Minuten, alles für immer ändert.

Und ja, Erleichterung. Jene seltsame Art der Erleichterung, die mit dem Untergang des Grossen und Unzerstörbaren immer einhergeht und die zu leugnen reine Heuchelei wäre.

Endlich hat jemand das Fenster aufgemacht, denke ich.

Von Francis Fukuyama spricht heute niemand mehr.

08 September 2006

Dein Kitzler in meinem Mund

Also was, sagst du, Melville, du Fotze, wo bleiben die Texte?

Wo bleiben die Texte, die sind wie grosse, geheimnissvolle Landschaften; die Texte, die sind wie Pfeile aus Gift und Sperma, die die Mitte meines Herzens zielsicherer treffen als amerikanische Lenkwaffen eine Schar unschuldiger Kinder?


Tja, sage ich, küss dich selbst, Bruderherz, ich schreibe ja, ich arbeite ja! Nur, Pech gehabt, Sweetheart, zuviel, um es gerade dir auch noch so galaktisch besorgen zu können, wie du's verdienst.

Denn wenn ich deinen Kitzler schon in den Mund nehme, dann verdammt: Tu ich's auch richtig. N'est-ce pas?

30 August 2006

Blutrache

Ein Typ in der Bar: klein, weisshaarig, besorgte Augen, Werbetexter. Wir sprechen zuerst über Bücher, dann über Frauen.

ER: Meine längste Beziehung habe ich zu meiner Ex-Frau. (lacht) Wir sind seit 32 Jahren geschieden.
ICH: Siehst du sie noch ab und zu?
ER: Wir wohnen zusammen.
ICH: Aha? Und… wie ist das so?
ER: Etwa so wie mit Palästina und Israel. Aber Haifa steht noch.

28 August 2006

25 August 2006

365 Tage Melville

Seit heute vor einem Jahr gibt's Melville auf diesem Kanal. Zur Feier des Tages hier das offizielle Fisch-Im-Ohr-Wallpaper als Bravo-Schnitt zum runterladen. Cheers.

22 August 2006

Wünsch mir Glück, Hurensohn!

ELENI lernte ich im Rahmen des Theatetreffens in Berlin kennen. Sie war jung, humorvoll, hatte eine Vorliebe für Converse und sprach mit dem gleichen Akzent Englisch wie Joe Pesci in Good Fellas:

Aez, Maelville, where da fuck da za tink za going?

Ich amüsierte mich grossartig mit ihr. Sie war Regisseurin in Athen, und wir beschlossen, im Rahmen eines internationalen Theaterprojekts zusammenzuarbeiten.

20 August 2006

Günther GraSS: Hängt ihn auf!

Grass ist mir schon immer auf die Nerven gegangen.
Hellmuth Karasek


Er war also kein Luftwaffen-Nazi, der niemanden erschossen hat, er war ein SS-Nazi, der niemanden erschossen hat. Kapiert.

Aber wenden wir doch unseren Blick für einen Moment ab von ihm und hin zu all den Fassungslosen, die sich gerade so prägnant und zahlreich zu Wort melden. "Schockiert" sind sie, "bestürzt" und (naja) "sprachlos" - mit einem Wort: "empört".

Nun ist es wichtig zu verstehen, welche Mühlen hinter dem Vorgang der Empörung mahlen.
lies mich…

Die Empörung ist seit jeher das Werkzeug des Heuchlers. Sie ermöglicht ihm, opportune Moralvorstellungen zu instrumentalisieren, um sein persönliches Streben nach Macht und Bedeutung zu verwirklichen - und im gleichen Atemzug zu verschleiern, indem er seine mörderische Aggression als Aufruhr des Herzens tarnt. Vordergründig auf Seiten des Richtigen, ist der Empörte seinem Wesen nach nichts anderes als ein Volksverhetzer, der im Namen der Menschlichkeit und guten Sitten zur Lynchjustitz aufruft.

Der Heuchler erfährt im Moment der Empörung ein Gefühl der Reinheit, die ihm die Illusion von Überlegenheit und Stärke vermittelt und so ermöglicht, die Verachtung zu verdrängen, die er insgeheim für sich und seine Bedeutungslosigkeit empfindet. Da die Moral das Werkzeug der Macht ist und der Heuchler auf die Moral - als Basis seiner Entrüstung - unbedingt angewiesen ist, ist er ein ergebener Diener der Repression und ihren Gesetzmässigkeiten vollkommen unterworfen.

Er ist ein Sklave der Macht. Er denunziert, um sich unter dem Tisch seiner Herrin einen besseren Platz zu ergattern.

Wir brauchen also nur einen Blick unter den Tisch zu werfen: Journalisten, Chef-Redakteure, Feuilletonisten, Literatur-Kritiker, Künstler und Autoren. Allesamt Humanisten, alle per Definiton dem freien Geist, der unabhängigen Meinungsbildung und somit der Methode des schwebenden Urteils verpflichtet, die, immerhin laut Bertrand Russel, die grösste Entdeckung des 20. Jahrhunderts war. Seht genau hin. Ihren Eifer. Ihr Kopfschütteln. Ihr erschüttertes moralisches Grundempfinden.

Das wirklich Erhellende an der Affaire ist nicht, dass Grass in der SS war. Das wirklich Erhellende an der Affaire balgt sich jetzt gerade unter dem Tisch um den grössten Happen.

12 August 2006

FRANK & FEE - Die Soap! (IV)

"Manchmal muss man schweigen, um hinter dem Geräusch des Regens die Musik zu hören."  Marcello Mastroianni

Und hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt.

EPISODE VIER
GERÄUSCH DES REGENS

FADE IN:

EXT. BUSHALTESTELLE - NACHT

Es regnet stark. FRANK und FEE stehen klitschnass an einer Bushaltestelle und warten. Frank legt den Kopf schief und sieht Fee merkwürdig an.

FEE: Was?
lies mich…
Frank nimmt sie in den Arm und drückt seinen Mund auf ihren. Sie küssen sich lange. Der Regen PLADDERT auf sie hinab.

FEE: Ich glaube, jetzt ist gerade sehr viel Zeit vegangen.

FRANK: Ja. Wenn wir Kinder hätten, wären sie jetzt sicher schon gross.

FEE: Sie würden studieren, und wir würden uns Sorgen machen, ob sie safen Sex haben.

FRANK: Du hättest schon graue Haare.

FEE: Und du eine junge Geliebte, die Renée heisst und Filmwissenschaft studiert.

FRANK: Sie würde darauf bestehen, dass ich mich scheiden lasse. Ich würde sie dann jeweils auf die nahe Zukunft vertrösten.

FEE: Und ich würde mich mit Piet aus den Fitness-Studio rächen. Er würde lächeln und keine Fragen stellen.

FRANK: Und ich würde dahinter kommen und ihn verprügeln.

FEE: Aber er wäre stärker als du und würde dich verprügeln.

FRANK: Aber ich hätte eine Pistole dabei und würde keinen Moment zögern, sie zu benutzen.

FEE: Aber du würdest danebenschiessen, und Piet würde dich fürchterlich zurichten. Mit einer Hantel.

FRANK: Und ich läge halbtot im Krankenhaus, und dir würde es jetzt leid tun, aber es wäre zu spät. Sogar unsere Kinder hätten nur noch Verachtung für dich übrig.

FEE: Und ich würde Alkoholikerin, und obdachlos.

FRANK: Und ich läge jahrelang im Koma. Aber eines Tages, nach meiner Heilung, würde ich mich auf die Suche nach dir machen. Weil ich dich immer noch liebte.

FEE: Und du würdest mich finden, wie ich draussen an der Bushaltestation schliefe, nur mit ein paar Zeitungen. Es wäre Winter, und der Schnee würde mir ins Gesicht wehen.

FRANK: Und ich würde vor dich hinknien und sagen: „Komm, wir gehen nach Hause.“

FEE: Und ich würde weinen.

FRANK: Und ich auch.

FEE: Und der Busfahrer, der alles beobachtet hätte, auch.

FRANK: Genau.

FEE: Genau.

Sie sehen sich an und schweigen.

Der BUS schiebt sich vor Frank und Fee und entzieht sie unserem Blick. Das PAFFEN von sich öffnenden- und wieder schliessenden Bustüren. Der Bus fährt weg.

Frank und Fee stehen immer noch da und sehen sich an.

FEE: Küss mich noch mal!

FADE TO BLACK.


Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006

11 August 2006

Mission: Mettwurst

Umpf. Auf den Wecker geht es mir, dieses Wetter. Und die vielen kleinen Erledigungen, die ich morgen machen muss. Wie fieselige schwarze Insekten zischen die durch den Samstag. Dann könnt ihr den Melville sehen, wie er sich durch die Raver-Massen in Zürich-City zwängt und von Laden zu Laden tingelt.

Warum? Schon besser. Weil ich am Montag auf die Insel fliege. Jawoll. Zu meinem Vater. Und der will so lauter kleinen Schnickschnack, den er dort nicht kriegt. Gekauft. Bekommt er. Ist schliesslich mein Lieblings-Vanille-Sahneschnittchen-Vater. Wenn der ne Mettwurst will, soll er sie haben, und wer was dagegen hat, kriegt eins auf die Nase.

Der lebt da nämlich, auf der Insel. Dort malt er und hat auch sonst viel zu tun. Aber Ihr könntet den Mann auch in eine Keksschachtel sperren. Der hätte immer noch viel zu tun. Irgendwie würde er das schon hinkriegen.

Ausserdem riecht er gut. Fand ich schon immer. Was soll ich lange reden: Die Lieben meines Lebens kann ich an fünf Fingern abzählen.

Mit ihm fange ich an.

10 August 2006

Krieg ist schön

Libanon-Konflikt: Erstaunlich. Der alte WILLIAM TURNER hätte seine helle Freude daran gehabt.
guck mich…

Von oben: Fischer auf See (Turner), Panzer auf Vormarsch (dpa), Llanberris (Turner), Kiryat Schmona (ap)

09 August 2006

Was ist ein Haiku?

Zuerst fünf Silben
dann sieben Silben, gefolgt
von nocheinmal fünf.
lies mich

Zwischen den Zahlen
lässt du die Kammern flimmern
und Bilder zimmern.

Einen Augenblick.
Nur einen. Nur diesen. Jetzt.
Dein Herz schlägt: Bumm - Bahh!

Wie ich sie küsste,
am Eingang, wie ich sie nahm,
als sie ging, heut früh.

06 August 2006

Böse Ahnung

FADE IN:

Sie: Ich hab ihm gesagt, da ist ein Anderer. Dann habe ich gelacht.
Ich: Wie bitte?
Sie: Irgendwie war's halt komisch. Sein Gesicht.
Ich: Manchmal sprichst du von ihm wie von einer Laborratte.
Sie: Ist mir auch schon aufgefallen.
Ich: Tauschen will ich jedenfalls nicht mit ihm.

Stille.

Sie: Tust du doch gerade.

FADE OUT.


Die besten Gespräche sind die, über die man noch lange nachdenkt.

05 August 2006

Fuckin' Friedman

Der hier bereits mehrfach erwähnte Josh Friedman hat wieder zugeschlagen. Diesmal für Brian De Palma. Den Trailer zu BLACK DAHLIA gibt's hier.

02 August 2006

Sie hat was




Sie hat Witz.
Sie hat blonde Haare.
Sie hat Cowboystiefel.
Sie hat eine Piloten-Sonnenbrille.
Sie hat ein Buch mit Hentai-Lolitas.
Sie hat's mit Waffen (Glock 26).
Sie hat einen Sado-Maso-Spleen.
Sie hat einen Freund.
Sie hat mich geküsst.

Sie hat was.

29 Juli 2006

Fang an zu schreiben!

Sie sah mich an und lachte.

"Wie heisst du eigentlich?", fragte ich.

Sie riss mein Hemd auf und krallte ihre Hand in meine Brust. Als sie das Klebeband bemerkte, zog sie eine Augenbraue in die Höhe. Nur eine.
lies mich…

"Zeichnet meinen Herzschlag auf. 24 Stunden", sagte ich.
"Kunst?"
"Medizin."

Sie presste ihre Hand fester auf die Elektroden über meinem Herz.

"Bumm, bumm, ups, bummbumm, bumm, upsbumm" flüsterte sie.
"Ich muss Tagebuch führen."
"Du musst aufschreiben, was du tust?"
"Und wann. Auf die Minute. Einen Tag lang."

Sie überlegte. Dann kriegte sie diesen Blick.

"Wieviel Uhr ist jetzt?"
"18 Uhr 32."

Ihre Hand glitt tiefer.

"O-kay", sagte sie. "Fang an zu schreiben."

Mini-Drama: Weniger Ist Mehr

SIE: Hörst du mir zu?
ER: Jaja.
SIE: Sag nicht 'jaja'. Sag einfach 'ja'.

19 Juli 2006

Zugeständnisse an den schönen Klang

"Zugeständnisse an den schönen Klang dürfen nicht auf Kosten der Verständlichkeit gehen. Man darf alles, nur nicht unklar schreiben. Nichts spricht gegen Klarheit, und gegen Einfachheit nur, dass sie eventuell trocken wirkt. Dieses Risiko kann man aber getrost eingehen, wenn man bedenkt, wieviel besser es ist, glatzköpfig als mit einer Lockenperücke herumzulaufen."

W. Somerset Maugham in Die halbe Wahrheit

17 Juli 2006

Schlaf gut!



Nacht. Das Zimmer ist dunkel. MELVILLE starrt müde in den Bildschirm. Er zögert, dann zieht er sich einen kleinen Fisch aus dem Ohr und lässt ihn vorsichtig in ein Wasserglas gleiten. Er lehnt sich zurück, zündet sich eine Zigarette an und…


…zuckt zusammen: In der Ecke, auf dem Stuhl, sitzt JEMAND!

Melvilles Blut flockt auf und zischt wie kochende Säure durch seinen Körper. Die Person auf dem Stuhl ist ziemlich klein. Das Gesicht kann Melville nicht erkennen, wohl aber ein Augenpaar, dass sich weiss in die Dunkelheit brennt.

16 Juli 2006

Katastrophen-Tourismus

Gespräch mit meiner Mutter. Thema: Bruder, der nach zwei Monaten Südamerika am Dienstag wieder zurückkommt.

SIE: Ich bin froh, wenn er wieder da ist. Irgendwie mache ich mir Sorgen. Ich meine: Südamerika.
ICH: Naja. Hier kann ihm genauso gut ein Ziegelstein auf den Kopf fallen.
SIE: Ja. Aber dann sind wir wenigstens dabei.

14 Juli 2006

Teilrasiert

Der da war wieder mal gut in Form und hat mir - auf der Rückfahrt von München - in einer rasanten Kakophonie mäandrierender Monolog-Blasen dargelegt, dass heute die meisten Frauen rasiert seien, zumindest teilweise.

Dieser Tage, so führte er an, wisse man wesentlich mehr über Hygiene, und überhaupt, so etwas nenne man 'Lifestyle', oder, wenn mir das lieber wäre, 'Zeitgeist'.

Ist es nicht. Lieber, meine ich. München - Zürich, das ist eine lange Fahrt. Könnt ihr mir glauben.

12 Juli 2006

Faschistische Stofftiere

Gestern: Endlich wieder mal Zeit, Farben in die Hand zu nehmen. Dabei entstand ohne nennenswertes Zutun meinerseits ein Bild, das Hannah und die Nazi-Teddybären heisst. Es zeigt eine junge Frau, die von ihren eigenen Stofftieren massakriert wird.

Dazu kommt: Ich finde es richtig amüsant. Wenn ich es ansehe, fühle ich mich frei. Hm.

11 Juli 2006

Meine Art Euch zu lieben

Hach, Mädels.
Ich weiss ja: Ich hab Euch nicht gerade verwöhnt, in letzter Zeit, und es tut mir ja schrecklich leid, aber

1: WM!
2: Arbeit!
3: Kopf leer!

Ich werde mich bessern und ab sofort wieder täglich publizieren. Auch wenn's ganz klein ist. Oder winzig. Vielleicht kaum zu sehen.

Das ist meine Art, Euch zu lieben. Einverstanden?

26 Juni 2006

Memo (dringend)

Ich werde mich nicht wie ein Stück Vieh durch mein eigenes Leben treiben lassen.

Und Ihr auch nicht. Ok?

23 Juni 2006

Asimov meets Kafka

Statt eines ehrgeizigen Textbeitrags: Vortefflicher Kurzfilm über einen dauernswerten Androiden und seine verzweifelte Suche nach Freiheit. Klicken und gucken.

14 Juni 2006

Hip Hip!

Gerade unter Einsatz a) meines Talents b) meines Charmes und c) meines Killerinstinkts sehr tollen Job für den Herbst an Land gezogen.

Öffnet die Flaschen! Zündet das Feuerwerk! Lasst die Mädels aus dem Gehege!

11 Juni 2006

die letzte wahrheit

ist das wetter nicht viel zu schön zum bloggen?

ps: ich grüsse meinen bruder, der jetzt gerade in ecuador eidechsen fängt und wahrscheinlich mit den irren südamerikanern den sieg gegen die polen feiert. dafür verpasst er das schweiz-froschfresser-spiel, weil er mit seiner freundin an einer dreitägigen dschungelexpedition teilnimmt, die arme sau. mein beileid.

08 Juni 2006

Tack-Tacka-Tack!

Viel zu tun ++STOP++ Aber plötzlich auch: Mädel ++STOP++ Und ab morgen: Fussball ++STOP++ Und endlich: Sonne ++STOP++

31 Mai 2006

Missglückter Haiku

Wenn Tische sprechen könnten,
wären Restaurant-Besuche unterhaltsamer.
Aber die Konzentration auf die Arbeit schwer.

28 Mai 2006

Melville Ist Doof



Wenn man mit Sekundenkleber hantiert, dann achtet man peinlich genau darauf, dass die Finger nicht zusammenkleben. Weil man die dann nämlich nicht mehr auseinanderbringt. - Weiss jedes Kind.

Auch Melville weiss das. - Aber Melville ist doof.

25 Mai 2006

Film Ist Krieg

Fassung zu Ende geschrieben. Sieht ganz so aus, als würden wir dieses Ding doch noch stemmen. Das Projekt mit dem Irren da. Inzwischen haben wir unsere testosteronen Differenzen zugunsten der Arbeit im Alkohol ertränkt und würden wieder unser Leben füreinander geben.

Jetzt noch waschen-schneiden-legen. Nicht zu unterschätzen, aber das war's dann vorerst. Oder auch nicht. Film ist Krieg. N'est-ce pas?

24 Mai 2006

Obszöne Praktiken

Jetzt passt mal auf. Das hat nichts mit obszönen Praktiken zu tun oder so, sondern ganz im Gegenteil. Aber Immer, wenn ich diese kleinen orangen Strassenputzer-Wagen sehe, ich wisst schon, die so wie kleine aufgeregte Frühaufsteher-Elefanten die Strasse rauf und runter bürsten. Also, immer wenn ich die mal wieder sehe, dann denke ich an die Nacht mit Kaa.


Der Galoppierende Major

“Kleines Geld, kleiner Fußball, großes Geld, großer Fußball.” Ferenc Puskas

Von Melville exklusiv für Fooligan: Der Galoppierende Major.

22 Mai 2006

Die Unfassbar Gemeinen Dinger (4)

Endlich: Das Grauen findet seinen Höhepunkt. Werden die beiden unschuldigen Kinder den Dingern entkommen? Oder werden sie von ihnen vereinnahmt und zu willenlosen Sklaven gemacht werden?

Hier ist sie: Die langerwartete letzte Episode der nervenzerfetzenden Sequel DIE UNFASSBAR GEMEINEN DINGER. Wer die ersten drei Folgen versäumt hat, sollte sich unbedingt und zuallerst auf den Stand der Dinge(r) bringen. Sonst kommt er in die Hölle.
lies mich

FADE IN:

EXT. STRASSE - TAG

Der Junge und das Mädchen sitzen auf der Mauer und bieten - immer noch - einen seltsamen Anblick: Der Junge hat eine schwarze Wollmütze über den Kopf gezogen, in die er zwei Löcher geschnitten hat. Er sieht aus wie ein Miniatur-Terrorist. Das Mädchen trägt nach wie vor den Hut bis zum Kinn. Auch sie hat zwei Löcher hineingeschnitten.

Das Mädchen stubst den Jungen an.

MÄDCHEN: (zischt) Da kommt wieder einer.

Der Junge folgt ihrem Blick.

JUNGE: Aber das ist ein Hund!
MÄDCHEN: Du musst die Augen zusammenkneifen!

Beide kneifen die Augen zusammen. Sie folgen mit dem Blick etwas, was offensichtlich unter der Mauer hindurchgeht. Es klingt nicht wie ein Hund: Wir hören schleimige, schmatzende und unheimliche GERÄUSCHE, als würde sich etwas Grosses, unsäglich Widerliches vorbeiwälzen. Gleichzeitig schiebt sich ein dunkler Schatten vor die Sonne.

Die Kinder erschaudern und warten, bis das Ding vorbei ist.

MÄDCHEN: Hast du gesehen?
JUNGE: (flüstert) Ja.
MÄDCHEN: Sie sind überall.
JUNGE: (den Tränen nahe) Aber was machen wir denn jetzt?
MÄDCHEN: Nichts. Hüte tragen. - Mich kriegen die nicht.

Eine unnatürliche Stille legt sich über die Kinder. Plötzlich…

…rollt der Junge seine Mütze bis über die Augen hoch und sieht das Mädchen an. Er beginnt zu grinsen; irgendwie irr, irgendwie unheimlich. Er grinst so lange, bis das Mädchen…

…seinen Blick spürt und ihn irritiert ansieht. Sie erschauert.

Stille.

Plötzlich spricht der Junge mit einer tiefen, kehligen, FLÜSTERNDEN STIMME.

JUNGE: Du denkst, du bist schlau, was?

Das Mädchen starrt den offensichtlich besessenen Jungen an.

JUNGE: Seit wann weisst du von uns?

Das Mädchen, starr vor Angst, rückt so gut es geht vom Jungen weg.

JUNGE: Jetzt hast du Angst, was?
MÄDCHEN: Ich hab keine Angst.
JUNGE: Hast du doch.

Das Mädchen antwortet nicht. Der Junge grinst sie an. Eine lange Spur aus grünem Schleim rinnt aus seiner Nase.

MÄDCHEN: (flüstert) Wie bist du in ihn rein gekommen?
JUNGE: (tippt auf die Mütze) Kunstfasern. Kein Problem für uns.

Das Mädchen zieht sich den Hut noch fester auf den Kopf.

MÄDCHEN: Mich kriegt ihr nicht.
JUNGE: Das denkst du.
MÄDCHEN: Ich hab den Hut.
JUNGE: Irgendwann musst du ihn ausziehen. - Beim Duschen. Beim Schlafen.
MÄDCHEN: Nie! Nie zieh ich ihn aus!

Sie schweigen. Der Junge grinst das Mädchen immer noch irr und unverwandt an, ohne auch nur zu blinzeln. In seinen Augen funkelt das Böse.

MÄDCHEN: Ich überleg mir was. Und dann mach ich euch fertig.
JUNGE: Wir werden ja sehen.
MÄDCHEN: Ja, das werden wir.
JUNGE: Stimmt. Werden wir.

Er LACHT. Röchelnd, heiser, böse. Dann…

…verschwindet sehr, sehr langsam das Grinsen aus seinem Gesicht. Das Böse zieht sich in das Innere des Jungen zurück. Er sieht sich um, als wüsste er nicht, was gerade passiert ist, und wischt sich den Schleim von der Nase.

JUNGE: (mit normaler Stimme) Willst du jetzt mein Meerschweinchen sehen?

Das Mädchen sieht ihn starr an. Sie antwortet nicht. Beide sitzen da wie gehabt.

Der Junge zuckt mit den Schultern und beginnt, selbstvergessen vor sich HINZUSUMMEN und mit den Beinen zu baumeln.

FADE OUT.

Ende der letzten Episode.
© 2006

17 Mai 2006

Mister Gomas Mieser Morgen

Eigentlich wollte die BBC den IT-Experten Guy Kewney zu den neuesten Entwicklungen im Fall Apple Computer vs. Apple Music befragen. In der allgemeinen Aufregung zogen sie allerdings den falschen Mann vor die Kamera: Guy Goma, Hochschulabsolvent aus dem Kongo, der sich eigentlich nur um einen Job bei der Datenverarbeitung bewerben wollte.

Als die Moderatorin bemerkt, dass irgendetwas fürchterlich falsch läuft, ist das Interview schon längst über den Äther.

11 Mai 2006

His Masters Voice

Napoleon represented for him the worldly genius that at the same time failed.
Produzent Jan Harlan über Stanley Kubrick


1969 beendete Kubrick das Drehbuch zu seinem mit langer Hand vorbereiteten Projekt Napoleon. Wer seine Arbeit kennt, wünscht sich, er hätte den Film gemacht. Und fast hätte es auch geklappt: Die Dreharbeiten waren schon in greifbare Nähe gerückt, und Kubrick hatte bereits Vereinbarungen mit der rumänischen Armee zwecks Abkommandierung von Komparsen getroffen.

Dann erschien Sergej Bondartschuks Napoleon-Film Waterloo. Der Streifen war ein Flop. MGM und United Artists zogen sich in letzter Sekunde aus der Finanzierung zurück.

Kubrick legte seinen Traum auf Eis und machte stattdessen A Clockwork Orange.

Sein Drehbuch zu Napoleon verstaubt seither in der Schublade. Die Leute, die es gelesen haben, sprechen von einem Meisterwerk. Ein Wort, das allzu oft inflationär benutzt wird, um dem Mittelmässigen einen Hauch von Glamour zu verleihen.

Es wäre doch eine ganz vortreffliche Sache, wenn man sich selber ein Bild machen könnte.

Man kann: Ladies and Gentlemen, geschliffen, zeitlos und 35 Karat: Das Drehbuch des Meisters.

09 Mai 2006

Sternchen

Sternchen hat geheiratet, am Samstag, und ich war dabei. Wer Sternchen kennt, wundert sich nicht, dass sie sowas in einem Meer von blühenden Apfelbäumen feiert. Bräutimann kenne ich kaum. Aber wenn Sternchen heiratet, dann hat sie ihre Gründe.

lies mich

Wir haben uns vor sechs Jahren kennengelernt. Beruflich. Ich mochte sie sofort. Das lag an ihrem schmutzigen Humor und ihrem klaren Verstand. Sie konnte mich auch gut leiden. Sie sagt, aus den gleichen Gründen.

Damals war sie schon mit Bräutimann zusammen. Der war aber weit weg.

Manchmal entscheidet sich das Leben auf einer dünnen Türschwelle. Auf der standen wir nämlich, als wir uns küssten. Sie spricht wie ein Bauarbeiter, aber sie schmeckt wie eine Erdbeere. Das habe ich damals gedacht. Wenn ich dann den einen Schritt getan hätte, über die Schwelle, oder wenn sie mich einfach gepackt und darüber gezogen hätte: Dann hätte sich das Leben umgestülpt und wäre jetzt ganz anders.

Das sagt sie. Und das sage ich.

Am Samstag hat Sternchen geheiratet. Es war ein guter Tag.

I Wish I Was Special

Heidegger nannte es das "Geworfen sein". Radiohead haben den ultimativen Song dazu geschrieben, die Leute von MonkeeHub haben jetzt ihren eigenen Clip dazu gezeichnet. Umwerfend.

08 Mai 2006

Camouflage

Gebt's zu: Ihr habt mich vermisst.

Und Ihr glaubt gar nicht, was mir passiert ist. Ich war nämlich gerade für eine, sagen wir, eine Art Behörde im Ausland. In einer Sache, die nichts mit meinen Fähigkeiten, sondern lediglich etwas mit meinem Gesichtsschnitt zu tun hat.

Jedenfalls könnte es so gewesen sein, oder?

Sachen gibt's. In dreissig Jahren schreib ich nen Film drüber. Versprochen.

28 April 2006

Seepferdchen-Garn

Schreiben. Schreiben. Schreiben.

Und das Wetter ist wie eine riesige See aus grauem Schaum. Manchmal fasst dich eine Welle und trägt dich hoch, und alles, was du siehst, sind mehr Wellen, und mehr Schaum. Ich müsste nur aufhören, mit den Beinen zu strampeln, und schon würde ich sinken, tiefer, weiter hinab sinken, in die Dunkelheit.

Irgendwo dort unten, tief unten, ist es warm. Und hell. Und blau.

Das hat mir ein Seepferdchen erzählt.

21 April 2006

Die Todeself

“Die Wehrmacht war seinerzeit in Kiew und Umgebung blutigen Attacken völkerrechtswidrig vorgehender Partisanen ausgesetzt.” National Zeitung

Von Melville exklusiv für Fooligan: Die Todeself.

19 April 2006

Courtroom Quotations

Niemand weiss, was in den Köpfen der Menschen wirklich vorgeht. Aber eines ist sicher: Es ist kein Zuckerschlecken.
lies mich


LAWYER: Date of birth?
WITNESS: July 15th.
LAWYER: What year?
WITNESS: Every year.

Lesebefehl: Die besten COURTROOM QUOTATIONS gibt es hier. Schon ganz besonders freu ich mich drauf, was wohl Kollege Gräte dazu sagt.

18 April 2006

Pogonophobia

Die Furcht vor Bärten.
Vollständige Phobien-Liste: hier.
(Und vielleicht wissen wir jetzt auch, was den da gestochen hat.)

17 April 2006

Melvilles Bruder

Grenzgeil II: Kann gar nicht genug davon kriegen: Melvilles Bruder.

Grenzgeil

Das ist mal eine wirklich hübsche Flash-Site. Man kriegt nicht nur exzellente Acryl-Farbe und gute Pinsel zum Malen, man kann auch anderen dabei zugucken. Toxisch!

14 April 2006

In Eigener Sache

Der SVP-Frontschreihals und Zürcher Kantonsrat mit dem seltsam vertraut klingenden Namen ALFRED HEER hat sich kürzlich bereits durch scharfes Schiessen gegen ein Lehrmittel hervorgetan, das sich kritisch mit der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg auseinandersetzt.

Jetzt will er Minarette in der Schweiz verbieten lassen und provoziert Melville zu einem seiner seltenen Tänze auf politischem Parkett.

lies mich

Alfred Heer:

Sie wollen den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten lassen und haben eine dementsprechende Parlamentarische Initiative eingereicht.

Sie begründen Ihren Vorstoss wie folgt : 1) Unser Orts- und Landschaftsbild müsse vor störenden religiösen Bauten geschützt werden. 2) Der Bau von Kirchen sei ja in einigen muslimischen Ländern auch verboten.

1) Wenn es Ihnen um störende religiöse Bauten geht, dann haben Sie uns im Unklaren gelassen, weshalb Sie nur von Minaretten sprechen. Sonst müssten Sie ja nach einer entsprechenden kritischen Bestandsaufnahme die Entfernung aller störenden religiösen Bauten in der Schweiz befürworten. Wenn es Ihnen allerdings nur um Minarette geht, sind Sie uns eine stichhaltige Darlegung Ihrer Motive schuldig geblieben.

2) Dieses Argument ist durch und durch unschweizerisch: Sie argumentieren mit Gesetzgebung und Sitten anderer Länder. Die Schweiz hat ihre eigene Gesetzgebung und ihre eigene Verfassung, die unter anderem auch gleiches Recht für alle garantiert. So ist es beispielsweise auch müssig, darüber zu diskutieren, ob in anderen Ländern die Folter erlaubt ist. Wir wollen sie hier trotzdem nicht. Sollte Ihnen die Schweizer Verfassung allerdings nicht mehr zusagen, wird Sie niemand daran hindern können, der Eidgenossenschaft den Rücken zu kehren und sich zukünftig in denjenigen Ländern zu engagieren, die besser zu Ihrem politischen Profil passen.

Fazit: Ihre Argumentation entbehrt jeglicher Relevanz. Ein Zweitklässler hätte es besser gemacht. Sitzen, eins.

Nick Melville



So. Und jetzt, Genossen, woher ihr auch immer kommt, jetzt lasst uns seinen Postkasten so richtig fett zuhauen:
heer@cande.ch

12 April 2006

Faschos, Neonazis, Arschgeigen

Wir schützen die Gelbbauch-Unke, den Ost-Igel und die Haselmaus. Die Neonazis fallen leider immer noch durch das Raster der schützenswerten Tierarten und sind in der Folge gezwungen, ein Schattenleben am Rande der Gesellschaft zu fristen. Umdenken tut Not.
guck mich…