28 April 2006

Seepferdchen-Garn

Schreiben. Schreiben. Schreiben.

Und das Wetter ist wie eine riesige See aus grauem Schaum. Manchmal fasst dich eine Welle und trägt dich hoch, und alles, was du siehst, sind mehr Wellen, und mehr Schaum. Ich müsste nur aufhören, mit den Beinen zu strampeln, und schon würde ich sinken, tiefer, weiter hinab sinken, in die Dunkelheit.

Irgendwo dort unten, tief unten, ist es warm. Und hell. Und blau.

Das hat mir ein Seepferdchen erzählt.

21 April 2006

Die Todeself

“Die Wehrmacht war seinerzeit in Kiew und Umgebung blutigen Attacken völkerrechtswidrig vorgehender Partisanen ausgesetzt.” National Zeitung

Von Melville exklusiv für Fooligan: Die Todeself.

19 April 2006

Courtroom Quotations

Niemand weiss, was in den Köpfen der Menschen wirklich vorgeht. Aber eines ist sicher: Es ist kein Zuckerschlecken.
lies mich


LAWYER: Date of birth?
WITNESS: July 15th.
LAWYER: What year?
WITNESS: Every year.

Lesebefehl: Die besten COURTROOM QUOTATIONS gibt es hier. Schon ganz besonders freu ich mich drauf, was wohl Kollege Gräte dazu sagt.

18 April 2006

Pogonophobia

Die Furcht vor Bärten.
Vollständige Phobien-Liste: hier.
(Und vielleicht wissen wir jetzt auch, was den da gestochen hat.)

17 April 2006

Melvilles Bruder

Grenzgeil II: Kann gar nicht genug davon kriegen: Melvilles Bruder.

Grenzgeil

Das ist mal eine wirklich hübsche Flash-Site. Man kriegt nicht nur exzellente Acryl-Farbe und gute Pinsel zum Malen, man kann auch anderen dabei zugucken. Toxisch!

14 April 2006

In Eigener Sache

Der SVP-Frontschreihals und Zürcher Kantonsrat mit dem seltsam vertraut klingenden Namen ALFRED HEER hat sich kürzlich bereits durch scharfes Schiessen gegen ein Lehrmittel hervorgetan, das sich kritisch mit der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg auseinandersetzt.

Jetzt will er Minarette in der Schweiz verbieten lassen und provoziert Melville zu einem seiner seltenen Tänze auf politischem Parkett.

lies mich

Alfred Heer:

Sie wollen den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten lassen und haben eine dementsprechende Parlamentarische Initiative eingereicht.

Sie begründen Ihren Vorstoss wie folgt : 1) Unser Orts- und Landschaftsbild müsse vor störenden religiösen Bauten geschützt werden. 2) Der Bau von Kirchen sei ja in einigen muslimischen Ländern auch verboten.

1) Wenn es Ihnen um störende religiöse Bauten geht, dann haben Sie uns im Unklaren gelassen, weshalb Sie nur von Minaretten sprechen. Sonst müssten Sie ja nach einer entsprechenden kritischen Bestandsaufnahme die Entfernung aller störenden religiösen Bauten in der Schweiz befürworten. Wenn es Ihnen allerdings nur um Minarette geht, sind Sie uns eine stichhaltige Darlegung Ihrer Motive schuldig geblieben.

2) Dieses Argument ist durch und durch unschweizerisch: Sie argumentieren mit Gesetzgebung und Sitten anderer Länder. Die Schweiz hat ihre eigene Gesetzgebung und ihre eigene Verfassung, die unter anderem auch gleiches Recht für alle garantiert. So ist es beispielsweise auch müssig, darüber zu diskutieren, ob in anderen Ländern die Folter erlaubt ist. Wir wollen sie hier trotzdem nicht. Sollte Ihnen die Schweizer Verfassung allerdings nicht mehr zusagen, wird Sie niemand daran hindern können, der Eidgenossenschaft den Rücken zu kehren und sich zukünftig in denjenigen Ländern zu engagieren, die besser zu Ihrem politischen Profil passen.

Fazit: Ihre Argumentation entbehrt jeglicher Relevanz. Ein Zweitklässler hätte es besser gemacht. Sitzen, eins.

Nick Melville



So. Und jetzt, Genossen, woher ihr auch immer kommt, jetzt lasst uns seinen Postkasten so richtig fett zuhauen:
heer@cande.ch

12 April 2006

Faschos, Neonazis, Arschgeigen

Wir schützen die Gelbbauch-Unke, den Ost-Igel und die Haselmaus. Die Neonazis fallen leider immer noch durch das Raster der schützenswerten Tierarten und sind in der Folge gezwungen, ein Schattenleben am Rande der Gesellschaft zu fristen. Umdenken tut Not.
guck mich…

Goal!

“Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist.” Bill Shankley, Coach

Von Melville exklusiv für Fooligan: Goal!.

Gute Gene

Zeit, radikaler zu werden.
Melvilles Vater, heute Morgen.

09 April 2006

Individuum™

Es gibt Glück. Mit Mädchen das Konzept zu einem - glaubt es mir - unglaublich guten Theaterstück geschrieben. Wettbewerb, Winner takes all. Ende Monat kommts raus, hier aber - exklusiv für Ausgeschlafene - bereits ein Auszug aus dem Positions-Papier…
lies mich…

THEMA & AKTUALITÄT

„Wer sind Sie?“ – „Gute Frage.“
Barbara Stanwych und Keith Andes in CLASH BY NIGHT

Wer sich seiner Vergangenheit nicht stellt, für den gibt es keine Gegenwart: Er baut auf Sand.

Aber die Furcht vor der Vergangenheit ist gross; die Beunruhigung, die sie bei uns auslösen kann, tief. Denn wer zurückblickt, sieht, dass das Vergangene keineswegs ein solides und unveränderliches, weil bereits gelebtes Gebilde ist. Sondern ein sich ständig veränderndes Wesen, das, je mehr man sich ihm hingibt, desto stärker in unsere Gegenwart eingreift.

Der Retro-Hype entspricht nichts anderem als dem - aus oben genannter Furcht geborenen - Wunsch, Vergangenheit zu verbrämen, um sie so zu versiegeln und unschädlich zu machen. So bewegt sich der Fortschritt im Paradoxon einer sich immer weiter öffnenden Schere: Je zukünftiger unsere Mittel werden, desto effektiver scheinen wir sie dazu einzusetzen, das Vergangene in unserem Sinne zu bändigen und so das solide Fundament für eine künstlich erzeugte, befriedete Gegenwart zu schaffen.

Die bereits zahllosen Formen virtueller Realität, die uns umgeben, sind ein Beispiel dafür.

Virtual Reality ist der Höhepunkt eines radikalen Wandels unseres eigenen Selbstverständnisses: Wir erklären unser intimstes, direktestes Erleben zu einem Produkt, das man herstellen, kaufen und konsumieren kann.

Die Folge davon ist, dass sich der Mensch selbst immer mehr als Produkt begreift. Wer das tut, liefert sich den Gesetzen von Angebot und Nachfrage schutzlos aus und sehnt sich umso verzweifelter nach einer besseren Gegenwart.

Der Vorgang, auf Kosten einer lebendigen Vergangenheit eine künstliche, befriedete Gegenwart zu erwerben, vollzieht sich im Allgemeinen still und leise.

Deshalb ist das Drama, das sich hinter ihm verbirgt, so leicht zu übersehen.

Und mehr gibt's dazu auch nicht zu sagen, oder?
©2006



05 April 2006