14 Juli 2006

Teilrasiert

Der da war wieder mal gut in Form und hat mir - auf der Rückfahrt von München - in einer rasanten Kakophonie mäandrierender Monolog-Blasen dargelegt, dass heute die meisten Frauen rasiert seien, zumindest teilweise.

Dieser Tage, so führte er an, wisse man wesentlich mehr über Hygiene, und überhaupt, so etwas nenne man 'Lifestyle', oder, wenn mir das lieber wäre, 'Zeitgeist'.

Ist es nicht. Lieber, meine ich. München - Zürich, das ist eine lange Fahrt. Könnt ihr mir glauben.

12 Juli 2006

Faschistische Stofftiere

Gestern: Endlich wieder mal Zeit, Farben in die Hand zu nehmen. Dabei entstand ohne nennenswertes Zutun meinerseits ein Bild, das Hannah und die Nazi-Teddybären heisst. Es zeigt eine junge Frau, die von ihren eigenen Stofftieren massakriert wird.

Dazu kommt: Ich finde es richtig amüsant. Wenn ich es ansehe, fühle ich mich frei. Hm.

11 Juli 2006

Meine Art Euch zu lieben

Hach, Mädels.
Ich weiss ja: Ich hab Euch nicht gerade verwöhnt, in letzter Zeit, und es tut mir ja schrecklich leid, aber

1: WM!
2: Arbeit!
3: Kopf leer!

Ich werde mich bessern und ab sofort wieder täglich publizieren. Auch wenn's ganz klein ist. Oder winzig. Vielleicht kaum zu sehen.

Das ist meine Art, Euch zu lieben. Einverstanden?

26 Juni 2006

Memo (dringend)

Ich werde mich nicht wie ein Stück Vieh durch mein eigenes Leben treiben lassen.

Und Ihr auch nicht. Ok?

23 Juni 2006

Asimov meets Kafka

Statt eines ehrgeizigen Textbeitrags: Vortefflicher Kurzfilm über einen dauernswerten Androiden und seine verzweifelte Suche nach Freiheit. Klicken und gucken.

14 Juni 2006

Hip Hip!

Gerade unter Einsatz a) meines Talents b) meines Charmes und c) meines Killerinstinkts sehr tollen Job für den Herbst an Land gezogen.

Öffnet die Flaschen! Zündet das Feuerwerk! Lasst die Mädels aus dem Gehege!

11 Juni 2006

die letzte wahrheit

ist das wetter nicht viel zu schön zum bloggen?

ps: ich grüsse meinen bruder, der jetzt gerade in ecuador eidechsen fängt und wahrscheinlich mit den irren südamerikanern den sieg gegen die polen feiert. dafür verpasst er das schweiz-froschfresser-spiel, weil er mit seiner freundin an einer dreitägigen dschungelexpedition teilnimmt, die arme sau. mein beileid.

08 Juni 2006

Tack-Tacka-Tack!

Viel zu tun ++STOP++ Aber plötzlich auch: Mädel ++STOP++ Und ab morgen: Fussball ++STOP++ Und endlich: Sonne ++STOP++

31 Mai 2006

Missglückter Haiku

Wenn Tische sprechen könnten,
wären Restaurant-Besuche unterhaltsamer.
Aber die Konzentration auf die Arbeit schwer.

28 Mai 2006

Melville Ist Doof



Wenn man mit Sekundenkleber hantiert, dann achtet man peinlich genau darauf, dass die Finger nicht zusammenkleben. Weil man die dann nämlich nicht mehr auseinanderbringt. - Weiss jedes Kind.

Auch Melville weiss das. - Aber Melville ist doof.

25 Mai 2006

Film Ist Krieg

Fassung zu Ende geschrieben. Sieht ganz so aus, als würden wir dieses Ding doch noch stemmen. Das Projekt mit dem Irren da. Inzwischen haben wir unsere testosteronen Differenzen zugunsten der Arbeit im Alkohol ertränkt und würden wieder unser Leben füreinander geben.

Jetzt noch waschen-schneiden-legen. Nicht zu unterschätzen, aber das war's dann vorerst. Oder auch nicht. Film ist Krieg. N'est-ce pas?

24 Mai 2006

Obszöne Praktiken

Jetzt passt mal auf. Das hat nichts mit obszönen Praktiken zu tun oder so, sondern ganz im Gegenteil. Aber Immer, wenn ich diese kleinen orangen Strassenputzer-Wagen sehe, ich wisst schon, die so wie kleine aufgeregte Frühaufsteher-Elefanten die Strasse rauf und runter bürsten. Also, immer wenn ich die mal wieder sehe, dann denke ich an die Nacht mit Kaa.


Der Galoppierende Major

“Kleines Geld, kleiner Fußball, großes Geld, großer Fußball.” Ferenc Puskas

Von Melville exklusiv für Fooligan: Der Galoppierende Major.

22 Mai 2006

Die Unfassbar Gemeinen Dinger (4)

Endlich: Das Grauen findet seinen Höhepunkt. Werden die beiden unschuldigen Kinder den Dingern entkommen? Oder werden sie von ihnen vereinnahmt und zu willenlosen Sklaven gemacht werden?

Hier ist sie: Die langerwartete letzte Episode der nervenzerfetzenden Sequel DIE UNFASSBAR GEMEINEN DINGER. Wer die ersten drei Folgen versäumt hat, sollte sich unbedingt und zuallerst auf den Stand der Dinge(r) bringen. Sonst kommt er in die Hölle.
lies mich

FADE IN:

EXT. STRASSE - TAG

Der Junge und das Mädchen sitzen auf der Mauer und bieten - immer noch - einen seltsamen Anblick: Der Junge hat eine schwarze Wollmütze über den Kopf gezogen, in die er zwei Löcher geschnitten hat. Er sieht aus wie ein Miniatur-Terrorist. Das Mädchen trägt nach wie vor den Hut bis zum Kinn. Auch sie hat zwei Löcher hineingeschnitten.

Das Mädchen stubst den Jungen an.

MÄDCHEN: (zischt) Da kommt wieder einer.

Der Junge folgt ihrem Blick.

JUNGE: Aber das ist ein Hund!
MÄDCHEN: Du musst die Augen zusammenkneifen!

Beide kneifen die Augen zusammen. Sie folgen mit dem Blick etwas, was offensichtlich unter der Mauer hindurchgeht. Es klingt nicht wie ein Hund: Wir hören schleimige, schmatzende und unheimliche GERÄUSCHE, als würde sich etwas Grosses, unsäglich Widerliches vorbeiwälzen. Gleichzeitig schiebt sich ein dunkler Schatten vor die Sonne.

Die Kinder erschaudern und warten, bis das Ding vorbei ist.

MÄDCHEN: Hast du gesehen?
JUNGE: (flüstert) Ja.
MÄDCHEN: Sie sind überall.
JUNGE: (den Tränen nahe) Aber was machen wir denn jetzt?
MÄDCHEN: Nichts. Hüte tragen. - Mich kriegen die nicht.

Eine unnatürliche Stille legt sich über die Kinder. Plötzlich…

…rollt der Junge seine Mütze bis über die Augen hoch und sieht das Mädchen an. Er beginnt zu grinsen; irgendwie irr, irgendwie unheimlich. Er grinst so lange, bis das Mädchen…

…seinen Blick spürt und ihn irritiert ansieht. Sie erschauert.

Stille.

Plötzlich spricht der Junge mit einer tiefen, kehligen, FLÜSTERNDEN STIMME.

JUNGE: Du denkst, du bist schlau, was?

Das Mädchen starrt den offensichtlich besessenen Jungen an.

JUNGE: Seit wann weisst du von uns?

Das Mädchen, starr vor Angst, rückt so gut es geht vom Jungen weg.

JUNGE: Jetzt hast du Angst, was?
MÄDCHEN: Ich hab keine Angst.
JUNGE: Hast du doch.

Das Mädchen antwortet nicht. Der Junge grinst sie an. Eine lange Spur aus grünem Schleim rinnt aus seiner Nase.

MÄDCHEN: (flüstert) Wie bist du in ihn rein gekommen?
JUNGE: (tippt auf die Mütze) Kunstfasern. Kein Problem für uns.

Das Mädchen zieht sich den Hut noch fester auf den Kopf.

MÄDCHEN: Mich kriegt ihr nicht.
JUNGE: Das denkst du.
MÄDCHEN: Ich hab den Hut.
JUNGE: Irgendwann musst du ihn ausziehen. - Beim Duschen. Beim Schlafen.
MÄDCHEN: Nie! Nie zieh ich ihn aus!

Sie schweigen. Der Junge grinst das Mädchen immer noch irr und unverwandt an, ohne auch nur zu blinzeln. In seinen Augen funkelt das Böse.

MÄDCHEN: Ich überleg mir was. Und dann mach ich euch fertig.
JUNGE: Wir werden ja sehen.
MÄDCHEN: Ja, das werden wir.
JUNGE: Stimmt. Werden wir.

Er LACHT. Röchelnd, heiser, böse. Dann…

…verschwindet sehr, sehr langsam das Grinsen aus seinem Gesicht. Das Böse zieht sich in das Innere des Jungen zurück. Er sieht sich um, als wüsste er nicht, was gerade passiert ist, und wischt sich den Schleim von der Nase.

JUNGE: (mit normaler Stimme) Willst du jetzt mein Meerschweinchen sehen?

Das Mädchen sieht ihn starr an. Sie antwortet nicht. Beide sitzen da wie gehabt.

Der Junge zuckt mit den Schultern und beginnt, selbstvergessen vor sich HINZUSUMMEN und mit den Beinen zu baumeln.

FADE OUT.

Ende der letzten Episode.
© 2006

17 Mai 2006

Mister Gomas Mieser Morgen

Eigentlich wollte die BBC den IT-Experten Guy Kewney zu den neuesten Entwicklungen im Fall Apple Computer vs. Apple Music befragen. In der allgemeinen Aufregung zogen sie allerdings den falschen Mann vor die Kamera: Guy Goma, Hochschulabsolvent aus dem Kongo, der sich eigentlich nur um einen Job bei der Datenverarbeitung bewerben wollte.

Als die Moderatorin bemerkt, dass irgendetwas fürchterlich falsch läuft, ist das Interview schon längst über den Äther.

11 Mai 2006

His Masters Voice

Napoleon represented for him the worldly genius that at the same time failed.
Produzent Jan Harlan über Stanley Kubrick


1969 beendete Kubrick das Drehbuch zu seinem mit langer Hand vorbereiteten Projekt Napoleon. Wer seine Arbeit kennt, wünscht sich, er hätte den Film gemacht. Und fast hätte es auch geklappt: Die Dreharbeiten waren schon in greifbare Nähe gerückt, und Kubrick hatte bereits Vereinbarungen mit der rumänischen Armee zwecks Abkommandierung von Komparsen getroffen.

Dann erschien Sergej Bondartschuks Napoleon-Film Waterloo. Der Streifen war ein Flop. MGM und United Artists zogen sich in letzter Sekunde aus der Finanzierung zurück.

Kubrick legte seinen Traum auf Eis und machte stattdessen A Clockwork Orange.

Sein Drehbuch zu Napoleon verstaubt seither in der Schublade. Die Leute, die es gelesen haben, sprechen von einem Meisterwerk. Ein Wort, das allzu oft inflationär benutzt wird, um dem Mittelmässigen einen Hauch von Glamour zu verleihen.

Es wäre doch eine ganz vortreffliche Sache, wenn man sich selber ein Bild machen könnte.

Man kann: Ladies and Gentlemen, geschliffen, zeitlos und 35 Karat: Das Drehbuch des Meisters.

09 Mai 2006

Sternchen

Sternchen hat geheiratet, am Samstag, und ich war dabei. Wer Sternchen kennt, wundert sich nicht, dass sie sowas in einem Meer von blühenden Apfelbäumen feiert. Bräutimann kenne ich kaum. Aber wenn Sternchen heiratet, dann hat sie ihre Gründe.

lies mich

Wir haben uns vor sechs Jahren kennengelernt. Beruflich. Ich mochte sie sofort. Das lag an ihrem schmutzigen Humor und ihrem klaren Verstand. Sie konnte mich auch gut leiden. Sie sagt, aus den gleichen Gründen.

Damals war sie schon mit Bräutimann zusammen. Der war aber weit weg.

Manchmal entscheidet sich das Leben auf einer dünnen Türschwelle. Auf der standen wir nämlich, als wir uns küssten. Sie spricht wie ein Bauarbeiter, aber sie schmeckt wie eine Erdbeere. Das habe ich damals gedacht. Wenn ich dann den einen Schritt getan hätte, über die Schwelle, oder wenn sie mich einfach gepackt und darüber gezogen hätte: Dann hätte sich das Leben umgestülpt und wäre jetzt ganz anders.

Das sagt sie. Und das sage ich.

Am Samstag hat Sternchen geheiratet. Es war ein guter Tag.

I Wish I Was Special

Heidegger nannte es das "Geworfen sein". Radiohead haben den ultimativen Song dazu geschrieben, die Leute von MonkeeHub haben jetzt ihren eigenen Clip dazu gezeichnet. Umwerfend.

08 Mai 2006

Camouflage

Gebt's zu: Ihr habt mich vermisst.

Und Ihr glaubt gar nicht, was mir passiert ist. Ich war nämlich gerade für eine, sagen wir, eine Art Behörde im Ausland. In einer Sache, die nichts mit meinen Fähigkeiten, sondern lediglich etwas mit meinem Gesichtsschnitt zu tun hat.

Jedenfalls könnte es so gewesen sein, oder?

Sachen gibt's. In dreissig Jahren schreib ich nen Film drüber. Versprochen.

28 April 2006

Seepferdchen-Garn

Schreiben. Schreiben. Schreiben.

Und das Wetter ist wie eine riesige See aus grauem Schaum. Manchmal fasst dich eine Welle und trägt dich hoch, und alles, was du siehst, sind mehr Wellen, und mehr Schaum. Ich müsste nur aufhören, mit den Beinen zu strampeln, und schon würde ich sinken, tiefer, weiter hinab sinken, in die Dunkelheit.

Irgendwo dort unten, tief unten, ist es warm. Und hell. Und blau.

Das hat mir ein Seepferdchen erzählt.

21 April 2006

Die Todeself

“Die Wehrmacht war seinerzeit in Kiew und Umgebung blutigen Attacken völkerrechtswidrig vorgehender Partisanen ausgesetzt.” National Zeitung

Von Melville exklusiv für Fooligan: Die Todeself.

19 April 2006

Courtroom Quotations

Niemand weiss, was in den Köpfen der Menschen wirklich vorgeht. Aber eines ist sicher: Es ist kein Zuckerschlecken.
lies mich


LAWYER: Date of birth?
WITNESS: July 15th.
LAWYER: What year?
WITNESS: Every year.

Lesebefehl: Die besten COURTROOM QUOTATIONS gibt es hier. Schon ganz besonders freu ich mich drauf, was wohl Kollege Gräte dazu sagt.

18 April 2006

Pogonophobia

Die Furcht vor Bärten.
Vollständige Phobien-Liste: hier.
(Und vielleicht wissen wir jetzt auch, was den da gestochen hat.)

17 April 2006

Melvilles Bruder

Grenzgeil II: Kann gar nicht genug davon kriegen: Melvilles Bruder.

Grenzgeil

Das ist mal eine wirklich hübsche Flash-Site. Man kriegt nicht nur exzellente Acryl-Farbe und gute Pinsel zum Malen, man kann auch anderen dabei zugucken. Toxisch!

14 April 2006

In Eigener Sache

Der SVP-Frontschreihals und Zürcher Kantonsrat mit dem seltsam vertraut klingenden Namen ALFRED HEER hat sich kürzlich bereits durch scharfes Schiessen gegen ein Lehrmittel hervorgetan, das sich kritisch mit der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg auseinandersetzt.

Jetzt will er Minarette in der Schweiz verbieten lassen und provoziert Melville zu einem seiner seltenen Tänze auf politischem Parkett.

lies mich

Alfred Heer:

Sie wollen den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten lassen und haben eine dementsprechende Parlamentarische Initiative eingereicht.

Sie begründen Ihren Vorstoss wie folgt : 1) Unser Orts- und Landschaftsbild müsse vor störenden religiösen Bauten geschützt werden. 2) Der Bau von Kirchen sei ja in einigen muslimischen Ländern auch verboten.

1) Wenn es Ihnen um störende religiöse Bauten geht, dann haben Sie uns im Unklaren gelassen, weshalb Sie nur von Minaretten sprechen. Sonst müssten Sie ja nach einer entsprechenden kritischen Bestandsaufnahme die Entfernung aller störenden religiösen Bauten in der Schweiz befürworten. Wenn es Ihnen allerdings nur um Minarette geht, sind Sie uns eine stichhaltige Darlegung Ihrer Motive schuldig geblieben.

2) Dieses Argument ist durch und durch unschweizerisch: Sie argumentieren mit Gesetzgebung und Sitten anderer Länder. Die Schweiz hat ihre eigene Gesetzgebung und ihre eigene Verfassung, die unter anderem auch gleiches Recht für alle garantiert. So ist es beispielsweise auch müssig, darüber zu diskutieren, ob in anderen Ländern die Folter erlaubt ist. Wir wollen sie hier trotzdem nicht. Sollte Ihnen die Schweizer Verfassung allerdings nicht mehr zusagen, wird Sie niemand daran hindern können, der Eidgenossenschaft den Rücken zu kehren und sich zukünftig in denjenigen Ländern zu engagieren, die besser zu Ihrem politischen Profil passen.

Fazit: Ihre Argumentation entbehrt jeglicher Relevanz. Ein Zweitklässler hätte es besser gemacht. Sitzen, eins.

Nick Melville



So. Und jetzt, Genossen, woher ihr auch immer kommt, jetzt lasst uns seinen Postkasten so richtig fett zuhauen:
heer@cande.ch

12 April 2006

Faschos, Neonazis, Arschgeigen

Wir schützen die Gelbbauch-Unke, den Ost-Igel und die Haselmaus. Die Neonazis fallen leider immer noch durch das Raster der schützenswerten Tierarten und sind in der Folge gezwungen, ein Schattenleben am Rande der Gesellschaft zu fristen. Umdenken tut Not.
guck mich…

Goal!

“Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist.” Bill Shankley, Coach

Von Melville exklusiv für Fooligan: Goal!.

Gute Gene

Zeit, radikaler zu werden.
Melvilles Vater, heute Morgen.

09 April 2006

Individuum™

Es gibt Glück. Mit Mädchen das Konzept zu einem - glaubt es mir - unglaublich guten Theaterstück geschrieben. Wettbewerb, Winner takes all. Ende Monat kommts raus, hier aber - exklusiv für Ausgeschlafene - bereits ein Auszug aus dem Positions-Papier…
lies mich…

THEMA & AKTUALITÄT

„Wer sind Sie?“ – „Gute Frage.“
Barbara Stanwych und Keith Andes in CLASH BY NIGHT

Wer sich seiner Vergangenheit nicht stellt, für den gibt es keine Gegenwart: Er baut auf Sand.

Aber die Furcht vor der Vergangenheit ist gross; die Beunruhigung, die sie bei uns auslösen kann, tief. Denn wer zurückblickt, sieht, dass das Vergangene keineswegs ein solides und unveränderliches, weil bereits gelebtes Gebilde ist. Sondern ein sich ständig veränderndes Wesen, das, je mehr man sich ihm hingibt, desto stärker in unsere Gegenwart eingreift.

Der Retro-Hype entspricht nichts anderem als dem - aus oben genannter Furcht geborenen - Wunsch, Vergangenheit zu verbrämen, um sie so zu versiegeln und unschädlich zu machen. So bewegt sich der Fortschritt im Paradoxon einer sich immer weiter öffnenden Schere: Je zukünftiger unsere Mittel werden, desto effektiver scheinen wir sie dazu einzusetzen, das Vergangene in unserem Sinne zu bändigen und so das solide Fundament für eine künstlich erzeugte, befriedete Gegenwart zu schaffen.

Die bereits zahllosen Formen virtueller Realität, die uns umgeben, sind ein Beispiel dafür.

Virtual Reality ist der Höhepunkt eines radikalen Wandels unseres eigenen Selbstverständnisses: Wir erklären unser intimstes, direktestes Erleben zu einem Produkt, das man herstellen, kaufen und konsumieren kann.

Die Folge davon ist, dass sich der Mensch selbst immer mehr als Produkt begreift. Wer das tut, liefert sich den Gesetzen von Angebot und Nachfrage schutzlos aus und sehnt sich umso verzweifelter nach einer besseren Gegenwart.

Der Vorgang, auf Kosten einer lebendigen Vergangenheit eine künstliche, befriedete Gegenwart zu erwerben, vollzieht sich im Allgemeinen still und leise.

Deshalb ist das Drama, das sich hinter ihm verbirgt, so leicht zu übersehen.

Und mehr gibt's dazu auch nicht zu sagen, oder?
©2006



05 April 2006

Schneesturm In München

"Der Schnee ist warm." Hexe in Akira Kurosawas DREAMS.

Von Melville exklusiv für Fooligan: Schneesturm In München.

31 März 2006

Google: Melville Zu Sexy!


Hallo Melville,

wir bedanken uns für Ihr Interesse an Google AdSense. Bei der Überprüfung Ihrer Bewerbung haben unsere Experten festgestellt, dass sie die Richtlinien für unser Programm nicht erfüllt. Aus diesem Grund können wir Sie derzeit nicht bei Google AdSense aufnehmen.

Wir haben Ihre Bewerbung aus den nachfolgend genannten Gründen nicht akzeptiert:
lies mich…

- Nicht-jugendfreier Content


Yeeeee-Haaaaaaaa!

30 März 2006

Die Unfassbar Gemeinen Dinger (3)

Und das Grauen geht weiter. Denn hier ist sie: Die dritte Episode der nervenzerfetzenden Sequel DIE UNFASSBAR GEMEINEN DINGER. Wer die ersten beiden Folgen versäumt hat, sollte sich unbedingt und zuallerst auf den Stand der Dinge bringen.
lies mich

FADE IN:

EXT. STRASSE - TAG

Das Mädchen sitzt wie gehabt auf der Mauer. Jetzt aber wieder allein. Auf der Strasse geht ein PASSANT vorbei. Die Mauer ist so hoch, dass wir gerade noch seinen Kopf sehen. Das Mädchen beobachtet ihn misstrauisch durch die Löcher in ihrem Hut und lässt ihn nicht aus den Augen.

Der Junge kommt. Er hat eine Schere und etwas Schwarzes, Stoffiges dabei. Er setzt sich neben das Mädchen und schnibbelt konzentriert an dem schwarzen Stoff herum. Dann legt er die Schere beiseite. Das Schwarze entpuppt sich als Wollmütze, die er sich bis zum Kinn über den Kopf zieht. Für Augen und Mund hat er Löcher herausgeschnitten.

jetzt sieht er aus wie ein Miniatur-Terrorist.

Die beiden sitzen da, aber dem Jungen wird es schnell langweilig.

JUNGE: (enttäuscht) Aber ich sehe gar keine Dinger!
MÄDCHEN: Sei froh.
JUNGE: Wie sehen die denn aus?
MÄDCHEN: Man kann sie nicht sehen. - Sie sind unsichtbar.
JUNGE: (beeindruckt) Woah!

Wieder sitzen sie da. Der Junge beginnt, mit den Beinen zu baumeln und vor sich hin zu SUMMEN. Das Mädchen verdreht die Augen.

Unter der Mauer läuft ein POLIZIST durch. Auch von ihm sehen wir nur den Kopf. Er wirft einen erstaunten Blick auf die maskierten Kinder.

POLIZIST: Na!

Das Mädchen sieht ihn nur an und antwortet nicht.

JUNGE: Hallo.
POLIZIST: Passt bloss auf, dass ich euch nicht verhafte!
JUNGE: Was? Wir schützen uns doch nur vor den Ding--

Das Mädchen gibt dem Jungen einen Knuff. Der Junge verstummt. Der Polizist grinst und geht weiter.

JUNGE: (vorwurfsvoll) Au!
MÄDCHEN: (verächtlich) Memme!
JUNGE: Du hast mich gehauen!
MÄDCHEN: Ich hab dir ja gesagt, du machst sie auf uns aufmerksam.
JUNGE: (leidenschaftlich) Aber das war doch kein Ding!
MÄDCHEN: Ach nein? Was war das denn?
JUNGE: Das war ein… Polizist!

Das Mädchen LACHT unheimlich.

MÄDCHEN: Das denkst du. Das war ein Polizist mit einem Ding drin.

Der Junge reisst die Augen auf und sieht das Mädchen mit offenem Mund an.

MÄDCHEN: Kannst du die Wahrheit ertragen?

Der Junge nickt.

MÄDCHEN: Mach den Mund zu.

Der Junge macht den Mund zu.

MÄDCHEN: In vielen Menschen sind schon Dinger drin. - Wahrscheinlich in den meisten.
JUNGE: Woher weisst du das?
MÄDCHEN: Weil die meisten Menschen keine Hüte tragen.

Das scheint dem Jungen einzuleuchten.

MÄDCHEN: (flüstert) Ausserdem kann man es fühlen. Und wenn du die Augen zusammenkneifst, kannst du es auch sehen. Sie haben dann so einen verfransten Rand.

Der Junge kneift die Augen zusammen.

MÄDCHEN: Das ist, weil die Dinger nicht ganz in die Menschen reinpassen. - Hast du jetzt Angst?
JUNGE: Gar nicht.
MÄDCHEN: Hast du wohl.
JUNGE: Aber nur ein bisschen!
MÄDCHEN: Geh doch, wenn du Angst hast.

Der Junge schüttelt tapfer den Kopf.

JUNGE: Wenn du da bleibst, dann bleib ich bei dir.

Das Mädchen sieht ihn an. Wieder scheint ein Schatten über die Kinder hinwegzufliegen. Diesmal etwas grösser. Und näher.

FADE TO BLACK.
FADE OUT.

Ende dritte Episode. Zur vierten und letzten Episode geht es hier.
© 2006

28 März 2006

Viva México!

"Alles, was ich über Solidarität weiß, habe ich beim Fußball gelernt." Albert Camus

Von Melville exklusiv für Fooligan: Viva México!.

Transparency Deutschland

NPO (Non Profit Organisation) will lieber BGK (böses geiles Krokodil) sein und Bloggerin ficken. Bloggerin entpuppt sich aber als MNH (mutige Netz-Heldin) und LSNF (lässt sich nicht ficken).

Zusammenfassung hier.

27 März 2006

El Condor

"Zeige mir einen Helden, und ich zeige dir eine Tragödie." Scott Fitzgerald

Von Melville exklusiv für Fooligan: El Condor.

25 März 2006

Der Fussballkrieg

"Fussball ist Krieg ohne Schiessen." George Orwell.
"Streichen Sie das 'ohne'." Nick Melville.

Von Melville exklusiv für Fooligan: Der Fussballkrieg.

23 März 2006

Die Unfassbar Gemeinen Dinger (2)

Und hier ist sie, die zweite Episode der schockierenden Sequel DIE UNFASSBAR GEMEINEN DINGER. Wer die erste Folge versäumt hat, sollte sich unbedingt und zuallerst auf den Stand der Dinge bringen.
lies mich

FADE IN:

EXT. STRASSE - TAG


Der JUNGE und das MÄDCHEN mit dem Hut über den Augen sitzen immer noch auf der Mauer. Der Junge ist von den unheilvollen Anspielungen des Mädchens sichtlich beeindruckt.

JUNGE: (krächzt) Was?! Was denn für Dinger?

Das Mädchen legt sich ihre Antwort genau zurecht.

MÄDCHEN: Fällt dir was an mir auf?

Der Junge mustert sie. Das Mädchen starrt ihn durch die Löcher, die sie in den Hut geschnitten hat, düster an.

JUNGE: Nein.

Stille.

JUNGE: Du hast einen Hut auf dem Kopf.
MÄDCHEN: Na endlich.
JUNGE: (trotzig) Das ist doch was Normales. Mein Vater hat auch einen Hut.

Das Mädchen STÖHNT. Der Junge sieht sie ernst an.

MÄDCHEN: (verächtlich) Das ist kein normaler Hut.
JUNGE: Wieso? (neugierig) Was ist das denn für ein Hut?
MÄDCHEN: Der ist gegen die Dinger.

Unheilvolle MUSIK. Der Junge reisst die Augen auf.

MÄDCHEN: Jetzt kuckst du, was?
JUNGE: Gar nicht.
MÄDCHEN: Das würde ich an deiner Stelle nämlich nicht tun. Nicht mal blinzeln würde ich.

Dem Jungen wird es unheimlich.

JUNGE: Aber… Was machen denn die Dinger?
MÄDCHEN: Sie besetzen dich.
JUNGE: (ängstlich) Was ist das?
MÄDCHEN: Sie kriechen in deinen Körper rein.
JUNGE: (schockiert) Sie kriechen in meinen Körper rein?!
MÄDCHEN: Nicht so laut!!

Der Junge hält die Hand vor den Mund und starrt das Mädchen an. Aber plötzlich…

…wird er misstrauisch. Er gibt dem Mädchen einen "Klein-Aber-Oho"-Blick und tippt sich bedeutsam mit dem Finger an die Stirn.

JUNGE: Du lügst doch.
MÄDCHEN: Das glaubst auch nur du.
JUNGE: Nur weil ich klein bin glaub ich nämlich nicht alles!

Das Mädchen zuckt nur mit den Schultern. Der Junge stemmt die Arme in die Hüften und sieht sie erwartungsvoll an.

MÄDCHEN: Sie gehen oben rein, bei den Haaren.

Der Junge legt reflexartig die Hände auf den Kopf.

JUNGE: Bei den Haaren?
MÄDCHEN: Ja. - Sie brauchen unsere Körper, um zu überleben. Und dann (flüstert) musst du alles machen, was sie dir sagen.

Der Junge schluckt leer. Für einen kurzen, schrecklichen Moment schwebt ein RIESENHAFTER SCHATTEN über die Beiden hinweg. Dann pfeifen die Vögel wieder, als wäre die Welt in Ordnung.

FADE TO BLACK.

Ende der zweiten Episode. Zur dritten geht es hier.
© 2006

19 März 2006

Feel The Freakin' Force: Das Filmchen Zum Wochenende

Du bist Star Wars: Ihren eigenen Lichtschwerter-Kampf haben die Kids gebastelt. Und was diese zwei Milchbärte da hingestellt haben, das ist wirklich sehr, sehr gut. Überzeugende Effekte, brilliant choreographiert, astreine Kameraführung, professionell geschnitten, teuflisch gutes Ende: Das solltet Ihr Euch wirklich, wirklich ansehen.
lies mich




Und wem's gefallen hat, von der gleichen Gang gibt's noch ein anderes süsses Filmchen: Ricky Gets Killed.

Cheers.

Bisherige Filmchen Zum Wochenende: * * *

17 März 2006

Die Unfassbar Gemeinen Dinger (1)

FADE IN:

EXT. STRASSE - TAG
Ein milder Frühlingstag. Ein MÄDCHEN sitzt auf einer Mauer. Sie trägt einen weichen Männerfilzhut, den sie bis über die Nase gezogen hat. In die Vorderseite des Huts hat sie…

…zwei Löcher geschnitten, durch die sie düster, aber entschlossen hindurchstarrt.

Ein kleiner JUNGE nähert sich ihr, auf der Mauer balancierend und selbstvergessen vor sich HINSUMMEND. Das Mädchen schenkt ihm keinerlei Beachtung. Als der Junge das MÄDCHEN erreicht, hört er auf zu summen, bleibt unschlüssig stehen und blickt sich um.
lies mich

JUNGE: Hallo.

Das Mädchen sieht ihn kurz an, antwortet aber nicht. Der Junge runzelt die Stirn und kratzt sich am Kopf.

JUNGE: Was machst du?

Keine Antwort. Der Junge überlegt und verlagert unsicher das Gewicht von einem Bein aufs andere.

JUNGE: Spielst du mit mir?
MÄDCHEN: Pff.

Der Junge kratzt sich erneut am Kopf, schaut in den Himmel, dann fällt ihm etwas ein.

JUNGE: (begeistert) Ich hab ein Meerschweinchen.

Keine Antwort. Das Mädchen starrt weiterhin durch die Löcher in ihrem Hut.

JUNGE: Es ist ganz weiss. - Willst du es sehen?
MÄDCHEN: Hab zu tun.

Der Junge runzelt die Stirn und stemmt die Arme in die Hüften.

JUNGE: Was denn zu tun?
MÄDCHEN: Hier sitzen.

Der Junge zögert. Dann bläst er flatternd die Luft durch die Lippen und setzt sich neben das Mädchen auf die Mauer. Er nimmt die gleiche stoische Haltung wie das Mädchen ein und probiert zu sitzen, aber irgendwie kriegt er den Dreh nicht raus.

Er beginnt, Steinchen aus der Mauer zu puhlen und nach unten zu werfen.

MÄDCHEN: Das würde ich nicht tun.
JUNGE: Was denn?
MÄDCHEN: Was du da tust.
JUNGE: Was tu ich denn?
MÄDCHEN: Du puhlst Steinchen aus der Mauer und schmeisst sie auf die Strasse.

Der Junge hört auf, Steinchen zu werfen.

JUNGE: Tu ich gar nicht.
MÄDCHEN: Tust du doch.

Stille.

JUNGE: Warum soll ich das denn nicht tun?

Das Mädchen LACHT düster und unheilvoll.

JUNGE: (ängstlich) Was, warum soll ich es denn nicht tun?

Stille.

MÄDCHEN: (düster) Du machst sie auf dich aufmerksam.
JUNGE: Wen?
MÄDCHEN: Die Dinger.

Unheilvolle MUSIK.
FADE OUT.

Ende erste Episode. Zur zweiten Folge geht es hier.
© 2006

15 März 2006

Das Herz ist ein kräftig gebauter Schließmuskel

Wie wahr.

Diese und andere Stilblüten aus Kinderaufsätzen findet Ihr hier. Lesebefehl!

via: Sprachblog

13 März 2006

Champagner!

FADE IN:

INT. MELVILLES BLOG - TAG

Melvilles Blog: Eng, übelriechend, finster. Wo man auch hinsieht, zerknülltes Papier, Pizza-Schachteln, Erbrochenes.

Auf einem von Grüntee und altem Menstruationsblut befleckten Bett sitzt eine riesige RATTE. Sie hat eine sich heftig wehrende, bereits halb verdaute KAKERLAKE im Mund und durchforstet den Blog mit ihren roten Glutaugen bereits nach dem nächsten Opfer.

KRACHEND wird die Tür aufgetreten, und MELVILLE stürzt in den Raum. Sein nackter, schmutziger Körper ist von oben bis unten mit Notitzen bedeckt.

Er ist sichtlich betrunken, schwenkt eine Champagnerflasche und, in der linken Faust, einen furchterregenden Krummsäbel.

MELVILLE: (begeistert) Hurra!

Die Ratte zuckt zusammen und lässt vor lauter Schreck die Kakerlake fahren, die sich - halbverdaut - sofort unter dem Bett in Sicherheit bringt.

Die Ratte verdreht die Augen.

RATTE: Himmel. Geht's vielleicht auch etwas zivilisierter?

MELVILLE: Ach was, vergiss die Kakerlake. (schreit) Heute feiern wir!

RATTE: Was ist los? Hast du endlich den Aids-Test gemacht?

MELVILLE: Besser! Ich habe die zweite Fassung geschrieben! - Und sie ist gut! Die erste war schon gut, aber die zweite ist eine Sensation!

Die Augen der Ratte verengen sich zu engen Schlitzen.

RATTE: Und der Produzent… hat sie natürlich auch schon gelesen?

MELVILLE: Naja, so gut wie, jedenfalls. Also direkt gelesen hat er sie noch nicht.

Die Ratte starrt Melville einen Moment ausdruckslos an, dann schüttelt sie die Kopf.

RATTE: Sag bitte nicht, dass mir deswegen meine Kakerlake durch die Lappen ist.

MELVILLE: Ratte. Ein Rat im Guten: Überspann den Bogen nicht. - (schreit) Lass uns feiern!

RATTE: Und was zum Beispiel gibt es zu feiern, wenn der Produzent die zweite Fassung scheisse findet?

Melville SCHREIT AUF. Mit einem wütendenden, entschlossenen Schlag seines Krummsäbles teilt er die Ratte in zwei Hälften.

MELVILLE: (schreit) Ich habe dich gewarnt!

Stille. Die zwei Hälften des toten Nagers hören auf zu zucken und liegen jetzt regungslos und beinahe friedlich in einer Pfütze aus dunkelviolettem Blut, die schnell grösser wird.

MELVILLE: (schreit) Scheisse, Ratte, ich habe dich doch gewarnt!

Melville stolpert orientierungslos durch den Blog, stürzt trotzig den restlichen Champagner und SCHMETTERT die Flasche in eine Ecke.

Stille.

MELVILLE: (leise) Kakerlake?

Stille.

KAKERLAKE: (leise) Ja?

MELVILLE: Komm unter dem Bett vor. (schreit) Lass uns feiern!

Stille.

KAKERLAKE: Ich bin aber schon halb verdaut.

MELVILLE: Macht nichts, ich doch auch: Ich bin Autor!

FADE OUT.

11 März 2006

Das Filmchen zum Wochenende

Diesmal, liebe Brüder und Schwestern, gleich eine ganze Ladung Filmchen. Die netten Leute von Ehrensenf machen nämlich täglich ein neues. Die Dinger drehen sich hauptsächlich um allerlei Skurriles aus dem digitalen Zirkus, domptiert und in Schach gehalten von der süssen Moderatorin Katrin mit dem De-Niro-Muttermal. Von der kann man noch ganz schön was lernen.

Zum Beispiel, was den Würge-Wecker angeht. Oder dass es die Eröffnungs-Sequenz von den Simpsons jetzt auch mit echten Schauspielern gibt.

10 März 2006

Sweet Dreams


Ich kenne einen Millionär, der verbringt freiwillig seine Zeit am schrecklichsten Ort dieser Welt.

Der schrecklichste Ort dieser Welt ist eine Kneipe. Die Kneipe hat einen Spitznamen: 'Friedhof'. Das sagt alles.

Der Millionär ist blitzgescheit. Er hat Physik studiert. Dann hat er geerbt, und seither sitzt er im Friedhof und trinkt.

Morgens um neun kommt er. Er bestellt ein Bier und sieht den Arbeitern beim Kaffeetrinken zu.

Es macht Spass, mit ihm zu reden. Sein Lieblingsthema ist: Ameisen.

"Wenn du den Ameisen erzählst, was du so treibst, die würden sich kringeln vor Lachen", sagt er. Und: "Ameisen sind klug. Es gibt einen Ameisenstamm, der zieht sich von Gibraltar bis St. Petersburg. Oder umgekehrt, das weiss niemand so genau."

Wenn der Friedhof schliesst, wankt er nach Hause und lacht immer noch. Wahrscheinlich über die Ameisen.

In der Nacht kann er nicht schlafen. Dann repariert er alte Uhren. Aber morgens um neun sitzt er wieder im Friedhof. Pünktlich.

Er könnte in einer Villa am Meer wohnen. Er könnte auf einem Schiff über das Meer fahren. Schliesslich ist er Millionär. Er könnte seine Ameisen besuchen und von Gibraltar nach St. Petersburg wandern. Oder umgekehrt.

Aber er sitzt lieber morgens um neun im Friedhof.

Ich habe ihn fünfzehn Jahre nicht gesehen. Heute habe ich an ihn gedacht. Keine Ahnung, warum.

Das letzte Mal, als ich ihn sah, habe ich ihn nach Hause gebracht. Weil er nicht mehr gehen konnte, ohne sich die Nase zu brechen. Er war leicht wie eine Strohpuppe. Vor seiner Haustüre setzte ich ihn ab.

"Süsse Träume", sagte ich.

"Wenn ich träumen könnte", lacht er, "wozu sollte ich dann noch saufen?"

Ich weiss nicht, ob er noch lebt. Wahrscheinlich ist er schon tot. Gut möglich. Aber heute habe ich an ihn gedacht.

Ich hatte ihn gern.

08 März 2006

Welt Frauen Tag

Development Hell

Regisseur-der-sich-wie-kleines-Kind-aufführt nippt hastig an seiner Latte Macchiato.

Er hat, passt auf, gerade zwei Stunden ununterbrochen geredet. Pausenlos. Ohne Unterbrechung. In dieser Zeit habe ich zwei Dinge gesagt:

1) "Much Ado about Nothing", weil ihm der Titel dieses Stücks nicht mehr einfiel, und
2) "Kenne ich nicht", was sich auf einen Film mit Kurt Russel bezog.

Damit das klar ist, Mädels. Das ist keine Übertreibung, oder ein Bild oder sowas wie eine symbolische Überhöhung.

120 Minuten. Solange hat er gerade geredet. Am Stück. Ich hab auf die Uhr gesehen.

Das Ziel seiner Ansprache war, mir zu beweisen, dass ich a) egozentrisch bin; zu egozentrisch, um zu begreifen, dass Bescheidenheit das einzige Tuch wäre, dass mich angemessen kleidet. Und dass ich b) nichts Besseres tun kann, als seiner "Vision" zu folgen, mich also "von ihm an der Hand nehmen zu lassen".

Jetzt nippt Regisseur-der-sich-wie-kleines-Kind-aufführt an seiner Latte. Ein kleiner Milchbart bleibt auf seiner Oberlippe zurück. Er wirft ein Geldstück auf den Tisch, zwinkert mir zu, grüsst nach allen Seiten und verlässt das Lokal.

Seine Rassel hat er auf dem Tisch liegenlassen. Kein Grund zur Sorge. Er wird sicher gleich zurückkommen und sie holen.

02 März 2006

Wie Man Einen Hund Fickt II

Der Fragebogen ist der Tod der Demokratie. N. A. Valderon

Ich habe zwei Fragebögen Schulden. Wenn ich nichts unternehme, muss ich das nächste Stöckchen mit den Zähnen fangen. Und der Zeitpunkt ist gut: Die Frau, mit der ich heute Abend verabredet war (Charmante Ausführende Produzentin einer nicht im Ansatz so charmanten Produktionsfirma) liegt mit Grippe im Bett, und das äusserst hinreissende Drehbuch, an dem ich gerade arbeite, ist einmal handschriftlich vor vorne bis hinten durchmassiert und muss dringend eine Nacht liegen.

Das erste Stöckchen hat mir Frau Ringelsocke an den Kopf gedonnert. Ich nehme an, sie tat es mit Absicht, um mich zu ärgern. Oder, vielleicht auch, um mich anzumachen. Die Zeit wird, wie immer, auch diese Frage beantworten. Mal sehen.

Vier Jobs in meinem Leben:
1) Kellner. Mein erster Job. Oh, waren meine Wangen noch rosig. Oh, war meine Stimme noch zart. ALDO, echter Italiener, wusste das zu ändern. Dafür hat er mir die Dinge beigebracht, die im Leben wirklich wichtig sind. Zum Beispiel: Cappucino machen, dass der Löffel drin steht.
2) Fotomodell. Ja, Brüder und Schwestern, es ist wahr. Die Assistenten eines Fotografen hat mich sinnigerweise in dem Lokal entdeckt, in dem mir bereits erwähnter Aldo die Lektionen für's Leben erteilte. Wohlgemerkt, sie war auf der Suche nach interssanten Gesichtern. Weil ihr die hübschen zum Hals raus hingen. - Damals wäre ich allerdings lieber hübsch gewesen.
3) Aktmodell. Leicht verdiente Kohle. Anfänglich machte ich allerdings einen entscheidenden Fehler. Da ich selbst viel Akt gezeichnet hatte, schlug ich vor, dynamische Posen zu stehen. Au weia. Knochenhart. Versucht mal, nur drei Minuten einen Boxer zu stehen, ohne euch zu rühren. Schafft ihr nicht ohne Heulen und Zähneklappern. Wetten?
4) Kofferwagen-Zusammensammler am Flughafen. Geiler Männerjob. Hab mir meine Ausbildung damit verdient. Tausende von Kofferwagen wollen in Stangen zu je 10 Stück und einer halben Tonne Eigengewicht durch hysterische Massen von Reisenden geschoben werden. Am Abend roch ich wie ein Darkroom an Ostern.

Vier Filme, die ich immer wieder sehen kann:
1) To Be Or Not To Be: Komödie. Ein Must. Lubitchs Meisterwerk.
2) Playing By Heart: Drama. Total unterschätzt. Wer sehen will, was Angelina Jolie und all die anderen Zampanos wirklich können: Kaufen!
3) Heavens Gate: Western. M. Ciminos Meisterwerk, das United Artist in den Ruin getrieben hat. Irrsinnig gut, irrsinnig klug. Deshalb ein Flop in den USA.
4) Opening Night: Drama von Cassavetes. Ein Film wie ein bester Freund.

Vier TV-Serien, die ich gerne gesehen habe:
1) Twin Peaks
2) The Sopranos
3) Twenty Four
4) Six Feet Under

Vier PC-Spiele, die ich gerne spiele:
1) Nieder mit PC.
2) Nieder mit Microschrott.
3) Castle Wolfenstein
4) Final Draft

Vier Orte, an denen ich Urlaub gemacht habe:
1) Marrakesh
2) Paros
3) Georgien
4) The Hun

Vier meiner Lieblingsgerichte:
1) Kekse
2) Sandwich
3) Steak
4) Fleisch mit Handtasche

Vier Webseiten, die ich täglich besuche:
1) Wordplayer: Kolumnen lesen und lernen.
2) Perlentaucher: Damit die Säue die Perlen auch finden.
3) Telepolis: Gute Ergänzung zum Fast-Food-Print.
4) Hucksblog: Der Meister.

Vier Orte, wo ich jetzt lieber wäre:
1) Ich wär gern am Meer. Wegen des Rauschens. Und des Horizonts.
2) Ich wär gern bei meinem Vater. Passt ja. Der wohnt am Meer.
3) Ich wär gern im Bett. Stattdessen fange ich Stöckchen. Na warte, Schmitzchen.
4) Ich wär gern in einem warmen, duftenden Garten mit vierzig nackten Jungfrauen. Und jede küsst anders.

Vier Blogger, die das mitmachen können, wenn sie Lust haben und diesen Eintrag entdecken:
1) Opa
2) Phonebitch
3) Wondergirl
4) Waschsalon

So. Braver Hund. Platz! *PÄNG!!!*

25 Februar 2006

Das Filmchen Zum Wochenende

FADE IN: Holland. Vor 17 Jahren.

Es gibt Dinge, die wünscht man niemanden.

Zum Beispiel das, was diesem Fernsehmoderator geschieht. Er ist prominent und erfolgreich. Seine Live-Sendung "Boemerang" befasst sich ausschliesslich mit provokanten und gesellschaftlich brisanten Inhalten und entzündet in der holländischen Öffentlichkeit regelmässig heftige Debatten.

Seine heutigen Studiogäste: Ein Mann und eine Frau. Beide sind Opfer ärztlicher Kunstfehler.

Also, hier ist er: Der unfassbar bittere Kampf eines Menschen um seine in langen, mühevollen Jahren aufgebaute Reputation. Der Film ist unterschnitten mit einer späteren Stellungnahme des Moderators.

Möge Gott uns allen vergeben.

24 Februar 2006

Lesben: Blödes Genetisches Programm

Sie: Warum zum bescheuerten Teufel haben alle Männer--
Mel (seufzt): …die Lesben. Es geht um die Lesben.
Sie: Schön blöd. Gerade Lesben. Die wollen nicht mit Männern ins Bett. Darum heissen sie ja Lesben.
Mel: Bah. Auf den Mond haben wir's ja schliesslich auch geschafft. Und der heisst auch nicht 'Erde'.

Die Antwort befriedigt sie nicht. Sie hat eine ganz spezielle Art, ihre Stirn in Falten zu legen. Eine Querfalte, gestützt von zwei Vertikalen. Wie das chinesische Schriftzeichen für 'Regen'. Mit einer einzigen unwilligen Bewegung vernichtet sie ihren Wodka-Tonic.

Sie: Was ist das? Irgend ein komisches genetisches Programm oder was?
Mel: Vielleicht. Ein Ur-Instinkt. Wenn sich zwei Frauen ficken, sollte man dazwischen gehen.
Sie: Du meinst: 'Teile und herrsche'.
Mel: Kannst du bitte mal deine Stirnfalten wieder in den Halfter stecken?

Sie überlegt. Das lässt nichts Gutes ahnen. Mel steckt sich vorsichtshalber eine neue Lucky an.

Sie: Du solltest es rausfinden.
Mel: Ich knall dir gleich eine.
Sie: Ich will's einfach wissen. Was das mit dir macht. Wenn du's tust.
Mel: Du willst, dass ich mit zwei Frauen ins Bett gehe. Damit du dann weisst, was für ein blödes genetisches Programm das ist?
Sie: Ja.
Mel: Wie soll ich denn zu zwei Lesben kommen. Oder hast du zufällig gerade welche zur Hand?
Sie: Schreib's doch in deinen blöden Blog.

Klar. Gute Idee. Warum bin ich nicht schon längst darauf gekommen? Also, Lesben! Das ist Eure Chance! Wenn ihr Lust habt, mit einem Drehbuchautoren ins Bett zu gehen, der ein bisschen wie der junge Yves Montand aussieht - und im Worst Blowjob Ever Contest das Buch She Comes First gewonnen hat -, jedenfalls: Mit Melville ins Bett zu gehen, damit er der Frau mit dem chinesischen Zeichen im Schulterhalfter nachher sagen kann, was das für ein blödes genetisches Programm ist, dann meldet euch einfach. Sagt mir wo, und wann, ich komm dann vorbei.

Wird lustig. Versprochen.

Rechtsweg natürlich wie immer ausgeschlossen.

23 Februar 2006

Drehbuchschreiberlinge: Raus aus den Ritzen!

Drehbuchautoren haben nur wenige Schwächen, die in Blogs öffentlich abgehandelt werden sollten. Zu furchterrengend sind die Abgründe. Zu unerhört die Geschehnisse, die sich in jener namenlosen Dunkelheit abspielen, in der Autoren ihre Synapsen unter Folter dazu zwingen, aus Kindheits-Traumata gute Geschichten zu machen.

Einige davon ragen immerhin so weit aus dem übelriechenden Morast, dass man es wagen darf, einen Blick darauf zu werfen. So zum Beispiel die ständige, ach was, manische, nein: hysterische Suche nach der neuesten, irgendwie noch besserern, weil irgendwie intuitiveren Drehbuch-Software. Dahinter: Natürlich nichts Anders als die verstohlene Hoffnung, dass ein aussergewöhnliches Programm auch aussergewöhnliche Ideen nach sich zieht.

Also, klickt Euch ins Glück, Kameraden, Montage heisst das Ding, und auf dem Foto sieht man auch gleich, wie selbstbewusst und markant man aussieht, wenn man das Ding benutzt. Montage importiert Final-Draft-Files, ist im Moment Beta und am Ende der Site kann man sich per e-Mail als Tester bewerben. Dafür kriegt man die Beta-Version kostenlos.

Und das Beste: Mac only. - Ist das Leben nicht schön? Muahahahaha!

18 Februar 2006

DAS FILMCHEN ZUM WOCHENENDE

Für einmal kein ehrgeiziger Texteintrag. Zurücklehnen und geniessen:
Das Filmchen zum Wochenende.
Cheers.

15 Februar 2006

DAS SÜSSE SCHWEBENDER GEFAHR

Also, ich sag Euch mal was. Erstens gute Kritiken. Das ist schon gut. Aber es kommt noch besser. Zweitens volles Haus. Das ist toll, wirklich toll. Aber es kommt noch viel besser. Denn: Drittens eine Aufführung, nach der alle vor lauter Zauber völlig verdattert von einem Bein auf das andere hüpfen und gar nicht richtig wissen, wohin mit ihren Händen, und die Biergläser vor lauter beseelter Tapsigkeit massenhaft am Boden zersplittern.

So viel Glück ist gefährlich. Weil, so eine Vorstellung ist wie eine erfüllte Sehnsucht, oder ein Traum, ein heftiger. Und dann macht irgend etwas *zoff* und jetzt sitz ich hier, nach all der Aufregung, plötzlich zu Hause und fühle mich ein bisschen wie, so, Prinz Eisenherz, der nach all seinen Abenteuern und besiegten Riesen nach Hause zurückkehrt und dann halt, was, den Müll trennt und allein in seiner Küche sitzt und Kartoffeln schält.

Allein? Nicht ganz. Da ist ja noch meine Labtop-Töle, die treue, und wedelt glücklich mit dem Internetkabel. Also kraule ich nur so zum Spass ein bisschen über die Tastatur und spiele mit diesem Rasterbator rum, via, Mist, hab ich vergessen. Jedenfalls, da kann man ganz faszinierende Sachen mit machen, und also, nur so, zeig ich Euch jetzt ein bisschen von dem, wie das aussieht, wenn ich die Masern habe.

Und irgendwie, passt auf: Bin ich gerade sehr erstaunt darüber, wie wenig Punkte es doch braucht, um sich ein Bild machen zu können.

Erstaunt? Ach, Quatsch. Glücklich!

12 Februar 2006

OPENING NIGHT & COMING OUT

Samstag Abend.
20 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Ein enger, ziemlich kühler Vorraum. Wer will, kann durch ein rundes Fensterchen vereinzelte Schneeflocken durch die Tinte der Nacht irren sehen. Aber die drei Personen, die stumm und konzentriert in der Dunkelheit stehen, interessieren sich gerade nicht sonderlich für das Wetter. Die BLONDE mit dem gelben Schal starrt beharrlich auf die Spitzen ihrer Schlittschuhe. Die BRÜNETTE mit dem blauen Mantel spricht leise und tonlos die immer gleichen Sätze vor sich hin. Der MANN hat sich in die Ecke gedrückt und beschliesst, die Zigarette, die er extra noch in die Manteltasche gesteckt hat, doch nicht zu rauchen.

Wie die beiden Frauen lauscht auch er stumm dem Wirrwarr aus Gesprächsfetzen, Lachern und rückenden Stühlen, das durch die schweren Metalltüren zu ihnen in die Dunkelheit quillt. Die typischen Geräusche eines Publikums, das in ein restlos ausverkauftes Theater strömt. Und die jetzt endlich immer mehr verebben.

Die Einlassmusik schlägt einen letzten Haken und verstummt. Stille.

Die Frauen sehen sich an. "Scheisse", flüstert die mit dem Schal. "Scheisse", flüstert die mit dem Mantel.

Dann stossen sie die Türen auf. Das grelle Licht der Scheinwerfer rast auf sie zu wie ein wildes Tier. Der Mann in der Ecke schliesst geblendet die Augen. Er hört, wie die Frauen lachend und schwatzend auf der Bühne verschwinden. Ein metallisches Klacken sagt ihm endlich, dass sich die Türen wieder geschlossen haben müssen. Er öffnet die Augen. Dunkelheit schwappt kühl und angenehm auf seine Netzhaut.

Zwei Minuten. Etwa. Dann wird er da hinausgehen und, wenn es nach ihm geht, die Vorstellung seines Lebens spielen. Wie immer, wenn er durch eine dieser Türen auf eine dieser Bühnen geht. Er zögert, greift in seinen Mantel, holt die Zigarette hervor und steckt sie an. Er denkt an sein Mädchen. Das jetzt nicht mehr sein Mädchen ist. Das jetzt auf der Tribüne sitzt. Oben links. Und die Luft anhält. Und wahrscheinlich tausend Tode stirbt. Mit der ganzen Verantwortung auf ihren schmalen Schultern. Unwillkürlich muss er lächeln.

Er fragt sich, wie die Liebe das macht. Dass sie ihn ständig an der Nase herumführt und er es ihr trotzdem nicht übelnehmen kann.

Gelächter. Musik. Zehn Sekunden. Er drückt die Zigarette aus und stellt sich ganz nahe an die Türe. Wartet auf den einen Akkord. Noch nicht. Noch nicht.

Jetzt.

Kein Problem. Hat er schon oft getan. Er weiss gar nicht mehr, wie oft.

Melville stösst die Tür auf und geht ins Licht.

02 Februar 2006

Nachrichten von der Front III

Hier die neuesten Nachrichten von der Front:

Proben. Neue Szene funktioniert. Stürmische See, aber Matrosen auf Zack, und bei Frau Kapitän wundert mich eigentlich nur, dass sie nicht ab und zu einen dicken Klecks Kautabak-Sosse auf den Regietisch spuckt. Passt auf: Ich liebe das Theater.

Das waren die neuesten Nachrichten von der Front.

Bis zum elften Februar wird's hier nicht gerade wie in der Russendisko zugehen. Ich freu mich natürlich, wenn Ihr ab und zu mal vorbeischaut und die Pflanzen giesst.

Weitermachen.
Mel

23 Januar 2006

Nachrichten von der Front II

Und hier die neuesten Nachrichten von der Front:
Viel Arbeit.
Das waren die Nachrichten von der Front.

Damit Euch aber nicht komplett das Gesicht einschläft, poste ich hier den Flyer, den ich für die Theaterproduktion von der da gebastelt habe. Anonymisiert, versteht sich.


Bleibt vertikal!
Mel

PS: Was das Fussindiewandrammen angeht: Sie hat es wieder gatan. Während einer Probe. Jetzt inszeniert sie mit Krücken. Ha, ha!

08 Januar 2006

Nachrichten von der Front

Nein: Ich bin nicht tot. Ich bin noch nicht einmal annähernd unter der Erde. Weder hat mich eine führerlose Dampfwalze überfahren, noch der Grippevirus verfrüht und ungestüm aus dem blühenden Leben gerissen. Es ist vielmehr so:

Eigentlich sind wieder mal die Frauen schuld. Genauer gesagt: die da, wie könnte es auch anders sein. Mit ihr, dieser treulosen Tomate, dieser launischen Grossstadt-Göre, dieser unerträglich talentierten Zicke schreibe ich nämlich gerade an einem Theaterstück, und natürlich geht's um, na? Liebe, Sex und den ganzen Krempel. Und die Proben laufen schon. Und alles muss natürlich ganz schnell gehen. Und naja, was eigentlich also?

Passt auf: Also erliege ich der Versuchung und lass das Blog einfach mal so im digitalen Kühlschrank liegen und hoffe heimlich, dass es sich von selbst schreibt. Jetzt, lacht nicht, ich sag Euch mal was. Denkt ja nicht, ich hätte Euch vergessen oder im Stich gelassen oder würde mich einfach mal so mit 40 Jungfrauen im Hammam rumtreiben.

Dafür oute ich mich jetzt, quasi als Friedensangebot: Ich gehöre zu den Kondomhassern. Jawohl, Kondomhassern. Jetzt stellt nicht gleich die Lauscher auf. Jetzt denkt nicht gleich, ich würde mich hier irgendwie seuchenfördernd verhalten. Nein. Trotzdem gibt es viele Gründe, Kondome zu hassen, die da hauptsächlich sind:

1. Der Geruch. Penetrant bis zum Abwinken. Kriecht in alle Poren, bleibt da und begleitet alles Folgende als stummer, missgünstiger Zeuge.

2. Gefühlsecht? Das ich nicht lache. Ha, Ha! - Ha! - Ha, ha, ha! Gefühlsecht aber kreuzweise. Mein lieber Scholli.

Jetzt aber gerade: Affaire angefangen mit Frau. Und wisst ihr was? Sie hasst die Dinger so, da bin ich ein Waisenknabe gegen, ein grüner. Jetzt höre ich Euch rufen: 'Pah! Was bleibt Euch übrig? Keine Wahl! Geruch hin, gefühlsecht her!' Aber da habt ihr Euch geschnitten. Nichts steht geschrieben. Wir machen den beschissenen Test. Und wenn's für eine einzige Nacht ist. Und dann, meine Lieben: Kommt das Latex dahin, wo es hin gehört. In die Hölle. Yes, Sir!

Das spinnt doch, das Virus.

Ach ja, und: Frohes Neues. Bleibt vertikal. Seid glücklich. Be safe!

22 Dezember 2005

FRANK & FEE - Die Soap! (3)

Hallo, herzlich willkommen und hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt. Aber bringen wir uns doch zunächst in Erinnerung, was bisher geschah:

In
Episode Eins: Der Wurstmensch lernen wir Frank & Fee kennen. Sie ermorden den Wurstmenschen und werden sich wieder ihrer gegenseitigen Liebe bewusst. In Episode Zwei: Der Ufo-Kongress erfahren wir einiges über Fees ambivalentes Gefühlsleben.

Warum also werfen wir heute nicht einen genaueren Blick auf Frank, der gerade, wie so oft, noch spät nachts in seinem Büro sitzt und arbeitet. Arbeitet?


EPISODE DREI
MAGIC HOUR

FADE IN:

INT. FRANKS BÜRO - NACHT

Das Büro ist dunkel. Nur eine kleine Tischlampe erhellt FRANKS Gesicht, der am Schreibtisch sitzt. Im Aschenbecher qualmt eine Zigarette verwahrlost vor sich hin. Frank hat den linken Ärmel seines Hemds hochgekrempelt und ein aufgeklapptes Taschenmesser in der Hand, mit dem er sich…

…eine fingerlange Wunde in den Oberarm schneidet. Er beisst auf die Zähne. Blut fliesst seinen Arm entlang und tropft auf den Linoleumboden.

Er wischt das Messer ab und verstaut es in der Schublade. Er zieht an seiner Zigarette, atmet tief durch und schliesst die Augen.

                                                  FRANK
                                    Das Problem ist: Äpfel aus dem
                                    Treibhaus. - Sie sehen aus wie
                                    Äpfel, aber sie schmecken wie
                                    Papier. - Ich meine: Fee, zum
                                    Beispiel. Sie liebt mich. -
                                    Wunderbar, werden Sie jetzt
                                    sagen. - Nix wunderbar. Fucking
                                    Zeitbombe, sage ich. - Denn: Sie
                                    irrt sich. Sie weiss es nur noch
                                    nicht. Ich weiss es besser. Ich
                                    kenne mich. - Das Problem ist…

Er schweigt und starrt an die Decke.

                                                  FRANK
                                    Das Problem ist: Alles an mir
                                    ist… blüäch! - Meine Gefühle.
                                    Meine… Sehnsüchte. - Durchschnitt!
                                    
Er zieht nachdenklich an seiner Zigarette, schüttelt den Kopf und blickt uns direkt an.

                                                  FRANK
                                    Sogar meine Abgründe sind
                                    Durchschnitt. Und das ist
                                    wirklich… schlimm.
                                    Unverzeihlich. - Das Problem
                                    ist: Sie liebt mich, weil sie mich
                                    nicht kennt. Nicht gut genug. -
                                    Irgendwann kriegt sie’s raus.
                                    Irgendwann wird sie mich
                                    wirklich kennen - so, wie ich
                                    mich kenne - und dann wird
                                    sie mich fallenlassen. - Hinter
                                    sich werfen. - Wie einen Apfel
                                    aus dem Treibhaus.

                                                  STIMME
                                    Frank?

                                                  FRANK
                                            (sieht auf)
                                    Ja?

                                                  STIMME
                                    Heul doch.

                                                  FRANK
                                    Merci. Sehr hilfreich.

                                                  STIMME
                                    Ich sage zwei Worte: Drei mal.

                                                  FRANK
                                    Drei Mal zwei Worte?

                                                  STIMME
                                    Drei mal… warst du heute auf
                                    dem Betriebsklo, hast dir einen
                                    von der Palme gewedelt und an
                                    die neue Sekretärin gedacht. -
                                    Wie heisst sie nochmal…?

                                                  FRANK
                                    Moment. Was… - Woher weisst
                                    du das?

                                                  STIMME
                                    Mitzi? Moni?

Schweigen. Plötzlich versteht Frank.

                                                  FRANK
                                            (leise)
                                    Du kannst in meinen Kopf sehen. -
                                    Nicht wahr?

Schweigen.

                                                  FRANK
                                            (wird rot)
                                    Das gefällt mir gar nicht.

                                                  STIMME
                                    Keine Sorge. Ist nichts drin, was nicht
                                    reingehört. He, he.

Schweigen. Frank verdreht die Augen.

                                                  FRANK
                                    Mimi. Sie heisst Mimi.


                                                  STIMME
                                    Frank?

                                                  FRANK
                                    Ja?

                                                  STIMME
                                    Was willst du eigentlich?

                                                  FRANK
                                            (wie aus der Pistole
                                             geschossen)
                                    Ich will schreiben. - Ich will eine
                                    Geschichte schreiben. Über eine
                                    Frau. Wenn du’s genau wissen
                                    willst.

                                                  STIMME
                                    Eine Frau?

                                                  FRANK
                                    Eine Frau, die nur versucht,
                                    ehrlich zu sein. Und darum alle
                                    Menschen um sich herum…
                                    zugrunde gehen. - Alle begehren
                                    sie, alle lieben sie, aber sie kann
                                    nicht bleiben; sie muss weiter
                                    und hinterlässt eine Schneise
                                    der Einsamkeit, und…

Stille.

                                                  FRANK
                                    …und niemand kann etwas dafür.
                                    - Es ist einfach so.

                                                  STIMME
                                    Das ist eine Parabel aufs Leben, was?

                                                  FRANK
                                            (überlegt)
                                    Ja, tatsächlich. - Das ist… gut. Danke.

                                                  STIMME
                                    Bitte. Hab ich aus deinem Kopf,
                                    nicht aus meinem.

                                                  FRANK
                                    Was ist denn in deinem Kopf?

                                                  STIMME
                                    Fragen. - Wir sind ein Team.
                                    Ich habe die Fragen, du die
                                    Antworten.

Frank nickt. Er öffnet die Schublade, nimmt das Taschenmesser hervor und klappt es auf. Die Schneide blitzt. Er sieht sie an.

                                                  FRANK
                                    Und jetzt? Findest du mich auch
                                    durchschnittlich?

                                                  STIMME
                                    Wer stellt hier eigentlich die
                                    Fragen, du oder ich?

FADE TO BLACK.


Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2005

19 Dezember 2005

Russische Seele


Also, Freunde, hört mal zu, wenn etwas ein normaler Tag ist, dann kann es gut sein, dass ich bis Mitternacht vor dem Leuchtschirm sitze und so meine Sachen schreibe. Und dann, dann zwinge ich meine Espressomaschine zu einer letzten Heldentat, schnappe mir das Buch, das ich gerade lese und setze mich in die süsse kleine Lounge, die - ist kaum zwei Monate her - ein Schulfreund meinerseits praktischerweise gleich gegenüber aufgemacht hat.

Dort sitze ich dann und lese und seh den Mädels zu, wie sie bei indirekter Beleuchtung die Dinge tun, die Mädels eben so tun, wenn es Abend ist und sie kurz vor Börsenschluss nochmal alles auf eine Karte setzen.

Heute, passt auf, da komme ich nicht zum Lesen. Weil nämlich: Fast leer, und zwei Paare an der Bar, und ich setz mich hin, und die Typen quatschen miteinander, und die Mädels fangen an, mir quer durch den Raum ihre Lieblingssongs zuzurufen, weil sie mich irrtümlicherweise für den DJ halten.

Dann tipselt die Eine mal probeweise rüber zu mir. Russin. Jung. Und ihr müsst wissen, ich kann sie gut leiden, die Russen und dieses Dings, das sie mit der Seele haben, und ihre Schriftsteller und all das. Und diese Russin? Hübsch ist sie, Himmel, und traurige Augen hat sie, und einen Mund aus Marzipan. Und ihre Brüste, lasst mich gar nicht erst von ihren Brüsten reden, die haben mich glatt verstrahlt, da konnten auch die Textilien nichts daran ändern.

Das Gespräch findet auf Englisch mit Euro-Akzent statt.

Sie: Wer bist du denn?
Ich: Mann. Das ist eine komplexe Frage.
Sie: Nee, uff: Dein Name!
Ich: (mein Name)
Sie: Oh, mein Gott, das ist ein russischer Name!

Das ist eigentlich nur bedingt korrekt, aber weil ich ihr in Gedanken schon längst das Höschen über die Wolga-Knie schiebe, nicke ich nur und grinse, als hätte ich mir den Namen eigenhändig gegeben.

Sie: Ich komme aus (gedehnt) Moskau…
Ich: Ich habe in Moskau studiert. Theater.
Sie (reisst die Augen auf): In Moskau! (flüstert) Ich hole meinen Drink!

Sie geht, kehrt aber nochmal um.

Sie (verschwörerisch): Er darf nicht eifersüchtig werden, Achtung!

Ich sehe mir ihn an. Mann Mitte fünfzig, mit blauem Pullover über der Schulter, wie ein Serien-Arzt.

Sie: Er ist Chirurg (Bingo). Berühmt. Er heisst (Brabbelbrabbel)! - Wie heisst Du?

Hm.

Ich wiederhole meinen Namen, und wir spielen die ganze Sache mit der russischen Begeisterung ein zweites Mal durch. Dann geht sie ihren Drink holen und tappelt ein paar Anstandsminuten um ihren Mann herum.

***
Licht an: Kurze Pause. Erdnüsse! Schokolade! Zigaretten! Licht wieder aus.
***

Sie kommt zurück.

Sie: Du warst in Moskau. Warum?

Ich erkläre es noch Mal. Wir sprechen über Dostojewskji (leidenschaftlich, zerrissen, anders als Chechov), dann sagt sie:

Sie: Ich bin so einsam hier. - Er ist ein Star. Aber ich? Ein Haustier.
Ich: Tut mir leid, das zu hören.
Sie (flüstert): Gib mir deine Karte.
Ich: Ich habe keine Karte.

Sie zieht eine Schnute und sieht mich böse an. Trotzdem legt sie ihre Hand auf mein Bein.

Sie (lasziv): Wo finde ich dich?
Ich: Hier. Oft. Spät.

Reflexartig schiele ich zu ihrem Mann rüber. Habe ich mich gerade mit seiner Frau zu ausserehelichem Sex verabredet?

Als würde er es spüren, schlendert Pullover-Mann jetzt zu uns herüber. Sein Gesicht ist aufgeschwemmt, und er wirkt wie jemand, der nicht lange wünscht, sondern gleich kauft. Fräulein Moskau legt sofort eine andere Platte auf und hängt sich an ihn, als hätte sie keine eigenen Beine, auf denen sie stehen könnte.

Sie (euphorisch): Das ist mein Mann. Ich liebe ihn! Oh, wie ich ihn liebe, usw.!

Der Pullover-Mann und ich sehen uns ihre Vorstellung artig bis zu Ende an.

Ich (vorsichtig): Hallo.
Er (misstrauisch): Hallo. (zu ihr) Komm, wir gehen.
Sie: Das ist… (zu mir) Wie heisst du?

Namen sind wie Kaugummis: Wenn man zu lange auf ihnen herumkaut, verlieren sie den Geschmack. Ich werde nervös. Denn ich frage Euch: Was nützt mir die ganze Verschwörung, wenn sie zu betrunken ist, um sich morgen daran zu erinnern?

Also nochmal: russischer Name, Begeisterung, ect.

Er: Schön. Komm, wir gehen.

Er schlendert zurück zu dem zweiten Paar, das ihn so stürmisch empfängt, als wäre er jahrelang in der sibirischen Tundra verschollen gewesen und gerade erst zurückgekehrt.

Ich: Liebst du ihn?
Sie (verzieht das Gesicht): Njäh! - Aber weisst du: Manchmal muss man sich entscheiden. Zwischen Liebe… und Karriere.

Ich sehe sie an. Die junge Russin, die den alten Sack mit der fetten Kohle geheiratet hat.

Ich: Ich gehe jetzt.
Sie: Du lässt mich einfach hier stehen?
Ich: Heute, ja.
Sie: Aber das nächste Mal nicht?
Ich: Nein. Das nächste Mal nicht.

Ich gehe.

Wetten werden angenommen.

12 Dezember 2005

Bin Gleich Zurück

Oh, ich weiss es, Brüder, jetzt hab ich schon wieder tagelang nichts in den Blog gebrettert. Keine böse Absicht, im Ernst. Hab mich nur grade wieder mal von meiner Arbeit hinreissen lassen. Aber heute oder Morgen, ich versprechs, schlage ich wieder zu.
Ganz ehrlich.

02 Dezember 2005

Apokalypse Deluxe

Irgendwann sind wir alle tot. Das wurde mir gestern Abend bewusst, als ich meinen Duschvorhang zuzog.

Irgendwann sind wir alle tot. Dann explodiert auch noch die Sonne, und *wusch* ist auch all das Andere weg: Mozartsymphonien, Van Gogh-Bilder, Pyramiden, Dostojewskji, Cassavetes.

Basta.


Keine Erinnerung. Kein Bedauern. Tabula rasa.

Wir sind flüchtig und durchsichtig. Wir hinterlassen keine Spur.

Wir fliegen.

Seit gestern Abend geht's mir richtig gut. Zum Glück habe ich einen Duschvorhang.