05 September 2010

When Things Explode

Diesen Song bitte einfach die Kehle runter rinnen lassen:



I saw my fears in your eyes,
You saw your fear in mine.
We watched it burn together.
Watched it burn.

03 September 2010

Goal!

Im Rahmen meiner blogtechnischen Wiederauferstehung werde ich hier von Zeit zu Zeit einen der für Fooligan verfassten Blogtexte nachführen, die nicht mehr online sind. Heute:

GOAL!

"Einige Leute halten Fussball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist."
Bill Shankley, Coach


Die drei Männer waren plötzlich da; wie grosse Tropfen aus schwarzer Tinte hatten sie sich aus dem Schatten der Nacht gelöst und standen jetzt vor ihm. Es hatte geregnet, aber es war immer noch warm, und der Boden dampfte unter ihren Schuhen.

„Hey!“.

Kein Problem



Enger unterirdischer Gang in den den Katakomben eines öffentlichen Gebäudes. Hinter mir:

FRAU A: Geht's dir gut?
FRAU B: Du musst mich das nicht dauernd fragen. Es geht mir…
FRAU A: Tschuldigung. Ich weiss.
FRAU B: Hörst du mir, verdammt! Hörst du mir zu?
FRAU A: Tschuldigung.

Stille.

FRAU B: Mir geht's gut!
FRAU A: Kein Problem.

01 September 2010

Das Ende vom Lied

Du kannst fragen, warum ich nicht geschrieben habe, und wo ich war.

Ich kann sagen, ich hätte das eine verlernt, und das andere vergessen.

Aber ist das wichtig? Willst du so leben: Wo warst du, und warum?

Wer nicht schreibt, vergisst zu leben. So, vielleicht, ist das nun mal, in meiner Welt.

Ding! Hast du's gemerkt?

Das war noch lange nicht das Ende vom Lied.

19 Januar 2009

wieder da

Eines Tages, die Stürme fegen gerade durch die Kanäle und spielen verstecken in der Dunkelheit, da regt es sich zwischen den leeren Petflaschen und tanzenden Papiertüten, und Melville steht auf und ist plötzlich wieder da. Noch beinahe unsichtbar, ein Schatten zwischen Schatten, öffnet er die Augen und sieht die blaue Linie, am Horizont, und den Stern, darüber, den Stern.

Alles in ihm ist Feuer. Die Gegenwart platzt durch sein Herz hindurch wie ein Vulkan.

Er richtet sich auf, wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht und ist endlich wieder bereit, zu sterben.

08 Januar 2009

02 Januar 2009

Pussie

Sie: "Meerschweinchen sind was für Pussies."

War ein lustiger Silvester.

28 Dezember 2008

Modernes Theater

Der Freund meiner Mutter. Serbe und Atomphysiker. Sein Kommentar zu den "Buddenbrooks": "Ist mal nicht wie modernes Theater. Niemand hat weder gewispert, noch geschrien. Noch gespuckt."

21 Dezember 2008

Würfel gefallen

Ich hab sowas wie nen Wettbewerb gewonnen, schätze ich. Kann aber noch nicht drüber reden. Darum gibt's als Ersatz ein Video, in dem einer, naja: extra würfelt, oder so.

20 Dezember 2008

Rammstein!

Bin betrunken, oder sowas. Hab mich mit dem Freund eines Freundes unterhalten, der kennt die Rammsteins persönlich, da hiessen die noch "Division" und waren seine Nachbarn, Ossi-technisch. Nach dem Jahr auf Tournee waren die Millionär, hatten aber keine Ahnung davon, sind statt dessen wieder in ihre 1Zimmer-Wohnung gezogen. Sehr witzich.

19 Dezember 2008

Idiot

Heute war ich ein Idiot, ein bisschen jedenfalls. Grr.

18 Dezember 2008

Nur ohne den Sex II

Ganz vergessen. Am Schluss gibt die Dame dem Veranstalter ihre e-Mail-Adresse:

Sie: (schreit) vreni61@gmx.net!
Er: Vreni61?
Sie: (schreit) Ja! Jetzt weisst du immer, wie alt ich bin!
Ich: (naiv) Wieso, machst du jedes Jahre ne neue Mail-Addi?

Stille.

Sie: (schreit) Das ist nicht mein Alter! Das ist mein Geburtsjahr!

Sie ist dann sehr schnell gegangen.

17 Dezember 2008

Nur ohne den Sex

Als ich rauskam, schneite es. Ich lief an einer Bäckerei vorbei, die um fünf Uhr Morgens schon geöffnet hatte, und deckte mich mit Croissants ein. Die Taxis schlichen ängstlich durch den kalten Matsch wie inkontinente alte Damen. Eins davon nahm ich.

Heute live gepokert, das heisst: unter Leuten. Nicht im Internet. Der Vorteil am Live-Poker ist: Du hast was zu erzählen. Von dieser einen super-lauten Schnapsdrossel, zum Beispiel:

Sie: (schreit)"Mein Sohn spielt auch Poker. Aber Frauen bringt er keine nach Hause."
ich: "Ist er schwul?"
Sie: (schreit)Was? Wieso das denn?
Ich: Oder vielleicht trifft er die Frauen heimlich, ohne dich.
Sie: (schreit) Unmöglich, ich weiss alles. Wir sind eng. Er wohnt auch bei mir. Wir sind wie ein Paar!

Stille.

Sie: (schreit) Nur ohne den Sex, natürlich.
Ich: Man kann nicht alles haben.
Sie: (schreit) Ich bin All-In!

Draussen schneits immer noch, wie wild.

16 Dezember 2008

The Last Lecture

Guckt euch diesen Film an. Ich meine es ernst. Das ist Randy Pauschs letzte Vorlesung. Ein Jahr zuvor war im Krebs diagnostiziert worden, und zum Zeitpunkt dieser Aufnahme hatte er noch knapp ein Jahr zu leben. Diese Vorlesung ist sein Vermächtnis. Und etwas vom Besten, Schönsten und Berührendsten, was es bei Youtube zu sehen gibt.

Guckt euch diesen Film an. Ich meine es ernst.

15 Dezember 2008

Schuhgrösse 10

Endlich. Spät, aber besser als nichts.

Latent schlechtes Wissen

Das ist nicht gut, Mädels, fällt mir gerade auf, dass ich mich so unterschwellig, ja: verantwortlich fühle, wenn…

a) …ich mich in eine Frau verliebe, die sich nicht in mich verliebt. Oder
b) …umgekehrt.

Ich werde älter, aber nicht klüger. Nur attraktiver.

Bald wird der Blog so attraktiv sein wie ich. Wenn ich Pech habe, ist er's schon.

13 Dezember 2008

Die dickköpfige Nita

Ich frage mich, was zu Beispiel stubbornita so treibt und warum? Und ob sie weiss, warum?

11 Dezember 2008

...

!

Syndrom

Ich habe einen eingebauten Blog-Verdrängungs-Mechanismus. Gerade noch über den heutigen Eintrag nachgedacht, und schon liege ich ohne mit der Wimper zu zucken im Bett, lese Julian Barnes und hab nicht das Klitze-Wenigste geschrieben. Ich habe ein Anti-Blog-Syndrom und muss zum Arzt.

09 Dezember 2008

Fliegende Kisten

Irgendwie häuft sich das gerade: rechtsgerichtete "intelligente" Populisten mit Doktortitel und Fitness-Hobby, die mit dem Auto heftig wo gegen fahren.

Aber unser Demagoge lebt noch. Die Österreicher waren da gründlicher.

06 Dezember 2008

Mein Style

Unhöflich findet sie mich. "Macht aber nix", sagt, sie, "ist eben dein Style."

PS:
Die völlige Vernichtung meiner inneren Uhr und ein nicht enden wollen der dummen (blöden/verfickten) Grippe haben dazu geführt, dass ich einige Tage nachführen muss. Mach ich nächste Woche; damit Obama gesund bleibt. Am Wochenende muss ich höllisch viel pokern.

PPS:
Gerade ist ein neues e-book rausgekommen, von einen Pokercrack, für Pokercracks. Kostet 1850$. Das ist kein Witz und es fehlt kein Punkt.

03 Dezember 2008

Hiroshima

Sie kommt grad vom Haartechniker, wir treffen uns auf einen Kaffee, der Typ taucht aus dem Nichts auf und schmeisst sich an sie ran:

Typ: Tschuldigung. Aber ich muss dir was sagen. Dein Haarschnitt. Ist. Toll.
Sie: Danke.
Ich: Der ist neu.
Typ:Grossartig.

Stille. Wir sehen den Typ an. Der Typ sieht sie an.

Ich: Sie hat schon n Freund.
Er: Ich hab auch ne Freundin.
Ich: Ich bin Single.
Er: (zu ihr) Du bist, ich weiss nicht, weisst du, was du bist? Du bist sowas wie das, was die Amerikaner über Hiroshima abgeworfen haben.

01 Dezember 2008

Weisse Weihnachten?

So, Deadline erfüllt, Grippe vorbei, nur der Schnee will einfach nicht fallen.

30 November 2008

Schon wieder Tag

Ich vermauschel das sowas von total, das Tag-Nacht-Dinx.

Ja, ich mach Sport. Ja, ich arbeite viel. Ja, Vitamine und das alles.

Aber mein Körper, der weiss so was von gar nicht mehr wann er einschlafen soll.

Und ihr? Geht's euch gut, da draussen?

28 November 2008

Ähm, ok?

Werbe-Intro des Tages:
"Manchmal läuft im Leben alles schief. Aber bei akutem Durchfall kann man heute etwas machen…"

Warum nicht gleich:
"Tod, Vergewaltigung, Folter: Es gibt viel, worüber wir uns ernste Gedanken machen müssen. Akute Vorhautverengung gehört erfreulicherweise nicht mehr dazu…"

Oder:
"Das Universum. Unendliche Weiten. Aber gegen Sturzbach-artige Monatsblutungen gibt es jetzt ein Mittel!"

27 November 2008

Chicks forevah!

"And how in the world can the words that I said
Send somebody so over the edge
That they’d write me a letter
Sayin’ that I better shut up and sing
Or my life will be over…"


Die Dixie Chicks und ihre Antwort auf die Welle aus Wut und Empörung, die ihnen nach ihrer Bush-Schelte um die Ohren flog. Auch schon eine Weile her, aber das ist Jesus schliesslich auch. Einbetten darf ich den Clip leider nicht, aber verlinken eben schon. Schau-Befehl!

25 November 2008

Eintrag 2bv.X.3

Das ist ein Pflichteintrag. Er wird hier aus rein formal-rechtlichen Gründen veröffentlicht und entbehrt jeglichen Inhalts. Die Worte "Bumsen, Ficken, Blasen" wurden lediglich zugefügt, um bessere Suchmaschinen-Ergebnisse zu erzielen. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen viel Glück für die Sex Gewalt kostenlose Drogen!

24 November 2008

Cash-Game, Baby!

Gerade noch krank, und schon wieder die ganze Nacht Cash-Poker gespielt. Live und höchst illegal: Hinterzimmer, Albaner, Libanesen, Zuhälter, Drogendealer, Hausbesetzerszene.

Zwischendurch Unruhe: ein zweiter Tisch wird aufgestellt, ein Typ hat angerufen, bringt ein paar andereTypen mit. High Stakes wollen die spielen, mit richtig fett Kohle kleistern. Türken, heisst es.

Aber die kommen auch gleich schon zur Tür rein, klopfen den Schnee aus den Mänteln, sehen sich um und scannen uns durch. Übelgelaunte, sonnenbebrillte Männer um die fünfzig, düstere Typen, und haben auch gleich schon jede Menge auszusetzen an allem, der Rake sei zu hoch, die Stühle zu schlecht, kurz wird es laut, der grösste und ältetste der Männer verwirft die Hände und geht, seine Wachhunde folgen ihm.

Der letzte spuckt doch tatsächlich noch auf den Boden, worüber wir dann alle sehr gerne und sehr lange lachen.

Und schon schiebt ein netter Albaner alles in die Mitte mit seiner miserablen Hand und verliert, aber er grinst nur, zieht fünf Hunderter aus der Tasche und sagt:

"Wos willst du, ey? It's Cash-Game, Baby!"

23 November 2008

Schwebe-Silo

Ich frage mich, ob es noch geht. Das mit den Buchstaben. Ich meine, die so zu ordnen, dass die Muster beginnen, zu leuchten. Also zum Beispiel…

…es ist dunkel, und ich mittendrin. Das ist wie: Es gibt Salzwasser-Silos an der Universität, da kann man sich reinlegen bei Körpertemperatur und absoluter Stille. Und schweben auf dem Salz.

Ihr hört es vielleicht nicht gern. Aber so ist das. Ich habe einfach irgendwann das Licht ausgeknipst und mich fallen lassen.

                          Guten Morgen.

22 November 2008

SpiderMan!

In Zeiten der Not muss man sich eben was besonderes einfallen lassen, Yessir. Dieser Mann hat versucht, seine Rechnungen mit einer Spinne zu bezahlen. Lesebefehl.

21 November 2008

Verbalerotik

Sie: Gib mir deinen Samen!
Er: Jah! Und du, gib mir dein Ei!
Sie: Was?

Stille.

Er: Dein Ei? Du sagst Samen, und ich Ei, ich dachte, das ist, ist das nicht?
Sie: Nein.
Er: Gut. Kein Problem. Sagen wir einfach, ich geb dir meinen Samen, und du gibts mir, was? Dein Knie!
Sie: (zynisch)Geil.
Er: (erfreut)Gell?
Sie: Mach mal Kaffee.
Er: Warte. Falsch. Nicht Knie. Kopf. Gib mir deinen Kopf. Warte. Zopf! Gib mir deinen…

Stille.

Er: Mit Zucker und Milch?

20 November 2008

Phi-bah

noch ein Traum: ich liege im Bett, und der Verwalter von meiner Wohnung kommt rein und sagt: "Haben Sie Phie-bah? Ha, ha. Phie-bah! Ha!" Und lacht sich krumm.

Gott. Meine Psyche ist ein Schrottauto.

19 November 2008

die blaue oder die rote?

ein herbal-ecstasy könne sie mir vorbeibringen. rote kapseln. ihr bruder hatte die dinger in der küche und sie hat aus langeweile eins eingeworfen.

dann hat sie gutgelaunt bis sieben uhr morgens durchgearbeitet.

17 November 2008

Wirres Zeux

Fieberträume. Ein Freund, den ich lange nicht gesehen habe, kommt mit offenen Armen auf mich zu, umarmt dann aber die Birke, neben der ich stehe.

16 November 2008

gar keine gripp3

hat sich jetzt rausgestellt, dass ich gar nicht die grippe habe. nach neuesten erkenntnissen war ich mittelpunkt eines verdeckten biowaffen-experiments.

15 November 2008

GriPP3 II

mann mann mann, als hätte mich jemand in nen sack gestopft und die ganze nacht lang draufgeprügelt. aber sonst gehts mir gut.

14 November 2008

GriPP3

Die Grippe hat mich im Griff. Das Leben sieht aus wie ein Wattebausch. Ich gleite von Koma zu Koma. Dazwischen: Schamlos Fernsehserien glotzen und Pokern. Ha!

13 November 2008

Monologue for Thee

Was tue ich? Ich generiere Schleim. So lange, guckt die, die sind fantastisch.

12 November 2008

Sex & Gewalt III

So, ich werd grad so richtig hübsch krank, deshalb hier einfach noch nachgereicht:

Matt Damon bei Jimmy Kimmel live zu Gast.

10 November 2008

Regeln

Da ich versprochen habe, ein Jahr lang täglich zu bloggen, gibt's ein paar Regeln:

1) Ich blogge jeden Tag.
2) Ausnahmen:
- Ich habe keinen Zugang zum Internet (z. B. Reise, Stromausfall, Weltkrieg ect.)
- Ich bin plötzlich krank, bewusstlos oder tot.
- Jemand, der mir nahe steht, ist plötzlich krank, bewusstlos oder tot.
3) ein "Tag" ist nicht um 0 Uhr zu Ende, sondern wenn ich einschlafe.
4) Die Qualität des gebloggten ist irrelevant und nicht einklagbar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

09 November 2008

Couch-Blogging

Sie: Ich poppe dich nur, damit ich in deinem Blog komme.

Kannst du haben, Süsse.

08 November 2008

Sex & Gewalt II

Keine Sorge. Ich werde jetzt nicht ein Jahr lang Belanglosigkeiten bloggen. Bin grad noch was im Schuss und unter Druck und all das. Nehmt das Ganze als eine Art, naja, wie im Kino, die Werbung, bevor der Film losgeht.

Hier erst mal Jimmy Kimmels Rache. Viel Spass.

07 November 2008

Bruder

Das ist mein Bruder. Wir sind extra schnell zu mir, damit ich mein Blogversprechen für Obama halten kann.

Wir haben etwa 20 Fotos gemacht, und alle waren schlecht. Das ist auch schlecht, aber wenigstens steht er weiter weg.

06 November 2008

364: Sex & Gewalt

Ihr wollt Substanz? Sex? Tränen?

Kommt schon, Mädels. Ihr glaubt doch nicht, dass ich es euch so einfach mache. Ich hab ein ganzes Jahr Zeit, vergesst das nicht.

Stattdessen erst mal folgender Clip:

Sie ist a) Sarah Silverman und b) die Freundin von Jimmy Kimmel. Der wiederum ist so ein a) amerikanischer Harald Schmidt inklusive Late Night Show und hat b) einen Running Gag am Schluss jeder Sendung: "Apologies to Matt Damon, but we're running out of time."

Heute ist Sarah Silverman in der Sendung ihres Freunds Jimmy Kimmel zu Gast und nutzt die Gelegenheit, ihm etwas mitzuteilen, was ihr schon lange auf dem Herzen liegt. Have fun. Fortsetzung folgt.

05 November 2008

365: Paten-Klops

Obama did it. Ich werde also ein Jahr lang täglich bloggen. Mehr dazu später.

In der Zwischenzeit: Ich bin frischgebackener Patenonkel und wurde mit der Geburtsanzeige beauftragt. Mein Paten-Klops ist sachgemäss süss und sieht etwa so aus:

04 November 2008

Obama!

Wenn Obama heute amerikanischer Präsident wird, gibt's aus Dankbarkeit ein Jahr lang täglich einen Blogeintrag. Mein Wort darauf.


30 Juni 2008

Wie die Dinge sind

Ich könnte euch erzählen, dass die Dinge besser werden. Oder schlechter. Oder zuerst schlechter, und dann besser.

Aber das wäre wohl gelogen.

Die Wahrheit ist: Die Dinge werden weder besser, noch schlechter. Sie verschwinden. Zuerst werden sie kleiner, und dann heller, und dann durchsichtiger. Irgendwann sind sie weg. Und wir kneifen die Augen zusammen und schütteln den Kopf, weil wir uns nicht mehr an ihren Namen erinnern.

So ist das einfach mal mit den Dingen: Sie sterben. Also verliert keine Zeit. Schliesst die Augen und drückt sie ans Herz.

Ihr wisst schon. Drückt sie ans Herz.

22 August 2007

Von Söhnen und Eseln

ICH: Esel? Was für Esel?
ER:  Meine Eltern. Sie hatten zwei.
ICH: Clooney hatte ein Hausschwein. Es ist gestorben.
ER:  Die Esel leben noch. Aber sie werden eben langsam älter.
ICH: Die Esel.
ER:  Meine Eltern. Jetzt mussten sie die Esel weggeben. In ein
       Altersheim.
ICH: Da werden sich die alten Leute freuen.
ER:  Himmel. Für Esel. Ein Altersheim für Esel.

Stille.

ER:  Kein Scheiss. Für Esel. Pferde und Esel.
ICH: Klar.
ER:  Jetzt können sie nachts nicht schlafen, weil sie die Viecher so
       vermissen. Jedes dritte Wochenende fahren sie drei Stunden
       hin und drei Stunden zurück.
ICH: Um die Esel zu besuchen.
ER:  Um die Scheiss-Esel zu besuchen.

Stille.

ER:  Ich wohne seit 15 Jahren in Berlin. Und jetzt frag mich
       mal, wie oft meine Eltern mich schon besucht haben.

Das erklärt, warum der Mann so Schmutzfinksachen träumt.

20 August 2007

Cindy's Diner


Hier ein Auszug aus dem kürzlich uraufgeführten Stück, das Fräulein Löwenherz und ich geschrieben haben. Held des Abends ist MEDWED, ein Streifenpolizist, der den Unfalltod seiner Frau MAYA nicht überwinden kann. Deshalb nimmt er die Dienste einer Firma in Anspruch, die seinen Erinnerungen virtuell zu neuem Leben verhelfen kann. Natürlich geht alles schief, und Medwed verstrickt sich immer tiefer in einem undurchsichtigen und gefährlichen Netz aus Realität und Phantasie.

Im Zuge seiner fruchtlosen Bemühungen, der Lage wieder Herr zu werden, trifft er in einem Autobahnrestaurant auf COCO, die seiner Frau zum Verwechseln ähnlich sieht…

FADE IN:

INT. CINDY'S DINER - NACHT

MEDWED geht zögernd auf COCO zu, die an der Bar lehnt und etwas in ihr Notitzbuch schreibt.

MEDWED: Maya?
COCO:     Sie haben sich aber Zeit gelassen.
MEDWED: Kennen wir uns?
COCO:     Witzig, dass Sie das fragen.
MEDWED: Mir ist auch schon ganz übel vor lauter Humor.
COCO:     Sie erinnern sich nicht an mich?

Medwed sieht sich um.

COCO:     Suchen Sie etwas?
MEDWED: Ich dachte, Sie wären jemand anderes.
COCO:     Und wie Sie sehen: Sie haben sich nicht geirrt.
MEDWED: Ah. Intellektuelle, was?
COCO:     So ist das Leben. Man sucht etwas, und findet etwas ganz
               anderes. Und dann hat das eine eben doch plötzlich
               irgendwie mit dem Anderen zu tun, und alles hängt
               zusammen und verstrickt sich und dann gibt es ein
               riesengrosses Knäuel, und am Ende bedeutet dieses eben
               auch jenes, und alle sind plötzlich trotzdem irgendwie
               glücklich, und die Geschichte ist aus.
MEDWED: Sie sind ja was ganz Abgefeimtes. - Was schreiben Sie da?
COCO:     Meine Telefonnummer.

Sie reisst ein Stück Papier aus ihrem Notitzblock und gibt es Medwed.

COCO:     Hier.
MEDWED: Die haben Sie aber schön geschrieben.
COCO:     Habe auch lange genug geübt.
MEDWED: Und was mache ich jetzt damit?
COCO:     Wieso? Gefalle ich Ihnen nicht?
MEDWED: Keine Ahnung. Ihre Bluse versperrt mir die Sicht.
COCO:     Hey. Sie kriegen ja einen Ständer.
MEDWED: Moment mal. Ich dachte, Sie seien Intellektuelle?
COCO:     Schlagen Sie mich ruhig, es macht mir nichts aus.
MEDWED: Sie sind Intellektuelle.
COCO:     Sie werden mich schlagen.
MEDWED: Und was macht Sie da so sicher?
COCO:     Sie haben ein Motiv. Das einzige wirkliche Motiv für einen
               Mann, eine Frau zu schlagen.

Stille.
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MEDWED: Also meintetwegen, was ist das einzige wirkliche Motiv für
               einen Mann, eine Frau zu…
COCO:     Schuld.
MEDWED: Ich fühle mich nicht schuldig.
COCO:     Das denken Sie.
MEDWED: Beweisen Sie mir das Gegenteil.

Coco packt Medwed am Kragen und küsst ihn lange.

MEDWED: Sie haben recht. Ich fühle mich schuldig.
COCO:     Ich hab grad ein Deja Vu.
MEDWED: Nur damit ich das recht verstehe: Sie sitzen hier die ganze
               Zeit so rum.
COCO:     Die ganze Zeit.
MEDWED: Schreiben ihre Telefonnummer und köcheln ihr Gehirn auf
               kleiner Flamme, bis dann vorne diese Sachen rauspurzeln.
COCO:     Richtig. Ab und zu kommt so ein übermotivierter Bulle
               vorbei und versucht, mich auf den Ernst des Lebens
               einzuschwören.
MEDWED: Ja. So einen kenne ich auch. - Wahrscheinlich sind Sie
               einfach nicht ganz dicht, nicht wahr? Schlagen Sie mich
               ruhig, es--

Coco gibt Medwed eine schallende Ohrfeige. Medwed muss sich setzen.

MEDWED: Warum rede ich eigentlich mit Ihnen?
COCO:     Weil ich Ihnen helfen kann, das zu finden, was Sie suchen.
               Päpä! Da staunen Sie, was? - Aber eins gleich vorneweg:
               Es ist etwas anderes. Soll ich weiterreden?
MEDWED: Sie haben meine volle Aufmerksamkeit.
COCO:      Zunächst ist es unter allen Umständen erforderlich, dass
               Sie sich mit mir betrinken.
MEDWED: Und wenn ich mich weigere?
COCO:     Dann werden Sie sterben.
MEDWED: Jetzt werden Sie banal. Sterben werde ich so oder so.
COCO:     Da haben Sie auch wieder recht.

© 2007
PS: Ebenfalls eingebaut in das Drama wurde dieser Zuckertext.

14 August 2007

Melville war Zigaretten holen

Ich war mal eben weg. Um es kurz zu machen, ich habe meinen "ich bin nur Gemüse"-Bonus der letzten fünf Jahre eingezogen, mit dem Tabak Schluss gemacht, keinen einzigen mickrigen Dialog geschrieben und auch sonst nichts für die Unsterblichkeit getan.

Die Leute, die ich kenne und mit denen ich verwandt bin, klopfen mir auf die Schulter und sagen, das sei normal. Sie laden mich ins Kino ein, bringen Früchte vorbei und plaudern mit mir über die Folgen der Klima-Erwärmung.

Langam fehlt mir die Arbeit. Und die unfreundlichen Frauen, die fehlen mir auch. Da hat jetzt das eine nicht unbedingt was mit dem anderen zu tun, aber…

…aber eben doch. Ihr wisst schon. Die unfreundlichen Frauen, die kann man schon vermissen.

26 Mai 2007

Nachtschicht

ER: Ich habe geträumt. Zuerst war ich mit meiner Mutter im Bett. Dann mit meiner Schwester.
ICH: Oh. Und? Wie war's?
ER: Anstrengend! Als hätte ich die ganze Nacht den Augias-Stall ausgemistet!

28 April 2007

Schnittchen Gottes

Ich seh ja immer mal wieder Sachen. Zum Beispiel vorhin, diese Gruppe Mädels. Sie singen. Sie lächeln. Sie sind jung. Sie verteilen Prospekte.

Und sie tragen alle das gleiche T-Shirt. Blau. Vorne das Heilsarmee-Logo. Hintendrauf, in fetten Buchstaben:

"WIR KOMMEN IN DEN HIMMEL. - DU AUCH?"

Zunächst freu ich mich für die Schnittchen, klar. Schon toll, dass es wenigstens jemand von uns schafft. Dann frage ich mich, ob ich eine von ihnen vögeln würde. Ergebnis: Ja. Am besten natürlich mehrere gleichzeitig.

Jetzt werdet ihr vielleicht sagen: Die singen Halleluja, und du denkst ans Ficken. Ist mir auch aufgefallen. Andererseits: So ein Heilsarmee-Mädel, immer nur singen und lächeln, ist nicht euer Ernst, oder? Wenn die sich's mal so richtig besorgen lässt, Himmel, dann hat sie wenigstens endlich einen Grund, Gott zu danken. Und Gott wird's zurückdanken.

Schliesslich durfte er zusehen.

14 April 2007

Der süsse Charme der Katastrophe

Herzlich willkommen und guten Morgen direkt aus dem Halbschatten eines schnieken kleinen sonnenbeschienen Kaffeedinx.

Vor zwei Tagen war Premiere. Wir haben geschuftet wie die Schweine, wochenlang flogen uns die Knüppel nur so zwischen die Beine. Ein Schauspieler im Krankenhaus, eine Schauspielerin, die in der Mitte der Produktion umbesetzt werden musste, Technik, die einfach nicht funktionieren wollte: keiner von uns hat es ohne gravierende gesundheitliche Schäden geschafft.

Das zweite Stück, dass Fräulein Löwenherz und Melville auf die Bühne gepfeffert haben. Ihr hättet sie sehen sollen, Freunde, euch wäre das Herz stehen geblieben und der Atem gestockt; was die Frau gestemmt hat, wie sie den sich jagenden Katastrophen ihre unerschrockenen blonden Locken entgegengestreckt hat, sowas sieht man nicht alle Tage.

Aussen klein und süss, innen der grosse Hulk.

Gerade habe ich die Kritiken gelesen. Und ich muss gestehen, nach der ganzen Plackerei sind sie wie ein Bad in warmem Honig.

16 März 2007

Haustier

Immer, wenn ich viel zu tun habe, leidet das Blog zuerst. Wie früher das Meerschweinchen. Jetzt gerade versinke ich in Arbeit. Ich erzähl auch gleich was drüber. Jetzt geht das nicht. Muss arbeiten. :)

08 Februar 2007

Knutschen vs. Küssen: Platons vergessener Dialog

Folgender Text von Platon wurde 1832 von einem Weinbauern in einer antiken Urne auf Sizilien gefunden. Aus Gründen, die auszuführen den Rahmen dieser Rubrik sprengen würde, wurde er von den Kapazitäten bis heute totgeschwiegen. Ein Auszug.

CLAVIGO

SOKRATES: Sag mir, Clavigo, welches hältst du für besser: Küssen oder Knutschen?
CLAVIGO: Nun, mir scheint, es ist ganz und gar dasselbe.
SOKRATES: Dann lass uns eben dies untersuchen und festlegen, ob uns der Schein trügt oder ob er - gleich einem Spiegel - das Wahre auch wahr zu zeigen vermag.
CLAVIGO: Das würde ich gern tun, oh Sokrates. Doch ass ich eben noch ein Brot, belegt mit einer Zwiebel.
SOKRATES: Dies, Clavigo, soll unserer Untersuchung nicht im Wege stehen, da wir uns vorerst nur mit der Idee des Knutschens und selbiger des Küssens befassen werden, und wie diese beschaffen sind.
CLAVIGO: So soll es sein.
SOKRATES: Dann sage mir: Habe ich dich nicht gestern auf dem Markt gesehen, mit Makkos, dem Sohn des Herakles?
CLAVIGO: Ich leugne es nicht, Sokrates.
SOKRATES: Und habt ihr euch nicht inniglich umarmt und eure Lippen in jener nämlichen Art aufeinandergerieben und gedrückt, so dass man sagen kann, ihr hättet euch geküsst?
CLAVIGO: Ganz genau so.
SOKRATES: Aber könnte man nicht auch sagen, ihr hättet geknutscht?
CLAVIGO: Mit Fug und Recht, Sokrates.
SOKRATES: So scheinst du also recht zu behalten, dass beide Worte die selbige Idee wiedergeben.
CLAVIGO: Wie ich es sagte.
SOKRATES: Nun küsst du sicher, Clavigo, nicht nur den Sohn des Herakles?
CLAVIGO: Deine Frage wartet nicht auf eine Antwort.
SOKRATES: So küsst du also nicht nur Einen, sondern Viele?
CLAVIGO: Wie es den Göttern gefällt.
SOKRATES: Nun küsst du aber sicherlich auch deine Mutter, wie es sich geziemt?
CLAVIGO: Natürlich, Sokrates, denn ich halte sie in Ehren.
SOKRATES: Wenn wir also sagen, dass Küssen und und Knutschen das eben Gleiche ist, so folgt nicht also daraus, du hältst deine Mutter in Ehren, wenn du mit ihr knutscht?

Stille.

CLAVIGO: Aus dem Gesagten ergibt sich eben dieses. Doch kann es nicht die Wahrheit sein.
SOKRATES: So gibst du also zu, dass du den Sohn des Herakles wohl knutschen als auch küssen kannst, nicht jedoch das erstere mit deiner Mutter?
CLAVIGO: Ich gebe es zu.
SOKRATES: Wenn also alle Menschen sich wohl küssen, der Vater seine Tochter, der Bruder die Schwester, der Händler sein Geld, aber nur wenige sich knutschen - nämlich nur selbige, die sich auf des Eros' Flügel betten - ist dann also knutschen nicht seltener als küssen?
CLAVIGO: Viel seltener.SOKRATES: Und so es seltener ist, ist es dann nicht auch wertvoller?
CLAVIGO: Es ist wertvoller.
SOKRATES: Und ist nicht, was wertvoller ist, auch besser?
CLAVIGO: Ganz genau so.
SOKRATES: Da wir also bewiesen haben, dass Knutschen besser ist als Küssen, so wollen wir nun das eine tun und das andere lassen.

Qed.: Knutschen ist besser als küssen.

Und ihr werdet es nicht glauben: Von genau diesem entzückenden Wort bin ich offizieller, lebenslanger Pate. Mit Urkunde. Was glaubt ihr, wie stolz ich bin.

06 Februar 2007

Von Wölfen

Runde, immer geputzte Scheiben. Ihr sitzt mitten drin, auf einem der belebtesten Plätze der Stadt, und könnt euch beim Kaffeetrinken die Menschen ansehen, die draussen ihr Leben durch die Kälte tragen.

Mein eigenes Leben habe ich auf den Stuhl unter meinem Hintern gesetzt und denke darüber nach. Ich war unglücklich, in letzter Zeit, und habe versucht, mich wegzuwerfen wie ein benutztes Taschentuch. Mit wachsender Faszination habe ich dabei zugesehen, wie ich mich in den Dreck drücke; ihr wisst ja: Das entwickelt so einen Sog. Hat man einmal damit angefangen, will man gar nicht mehr aufhören.

Dann hab ich lange geduscht.

Jetzt sitze ich hier und rappel mich auf. Und ich sehe eine Frau. Nein, nicht hübsch. Sie hat sich eingepackt wie eine Pellwurst, steigt aus einer Strassenbahn und sucht zügig das Weite. Zu zügig, denn sie stolpert über ihre eigenen Beine, fällt hin und purzelt über den Teer; quer durch die auseinanderstiebenden Passanten. Kaum geschehen, steht sie sofort wieder auf und geht weiter, ohne eine Miene zu verziehen. Als wäre nichts geschehen.

Das sehe ich immer wieder mal, und ihr auch. Jemand fällt, weil es glatt ist oder er gerade nicht aufpasst oder weil er von einem Fahrrad angebumst wird. Und immer stehen die Beteiligten sofort - reflexartig - wieder auf. Manchmal lächeln sie. So oder so vermitteln sie den Eindruck, eben: Als wäre nichts geschehen.

In Tierrudeln, beispielsweise bei Wölfen, kann man Folgendes beobachten: Langer Marsch, klirrende Kälte, alle Tiere sind müde und schleppen sich mühsam durch die Schneewehen. Plötzlich tritt ein Wolf auf einen Dorn und fängt an, zu hinken. Wölfe sind sehr soziale Tiere, sie unterstützen ihren verletzten Kollegen also mit aufmunterndem Heulen, Lecken etcetera. So geht das eine Weile, tage- oder auch wochenlang, bis der verletzte Wolf stehenbleibt und nicht mehr weiter kann.

Alle Wölfe sehen ihn an. Er sieht zurück. Sein Atem ist eine lange, weisse Fahne, geschwenkt in Minustemperatur. Dann knickt er ein.

Sofort fallen seine Kameraden über ihn her und fressen ihn auf.

Deshalb, glaube ich, ist die eingepackte Frau auf dem Platz sofort wieder aufgestanden.

16 Januar 2007

Flaches Wasser

Heute im Café um die Ecke:

FRAU NEBEN MIR: Ein flaches Wasser.
KELLNER: Was?
FRAU NEBEN MIR: Ein flaches Wasser.

Der Kellner und ich sehen uns an.

KELLNER: (zur Frau neben mir) Mit oder ohne Kohlensäure?
FRAU NEBEN MIR: Ein flaches Wasser!

Fand ich irgendwie amüsant genug, um folgenden schlechten Dialog zu rechtfertigen:

FADE IN:

INT. - KÜHLREGAL - TAG

STEHENDES WASSER, FLACHES WASSER, HARTES WASSER und STILLES WASSER unterhalten sich.

FLACHES WASSER: …da hab ich zu ihr gesagt, naja, so oder so: Es ist, wie es ist. - Oder etwa nicht, stilles Wasser?

Stilles Wasser schweigt.

HARTES WASSER: Warum hast du sie nicht einfach an den Stuhl gefesselt und durchgevögelt?
FLACHES WASSER: Durchgevögelt, hi, hi, der ist gut, das ist gut, das ist umgangssprachlich!
STEHENDES WASSER: Ich hätte sie durchgevögelt.
HARTES WASSER: Yeah, nomen est omen, stehendes Wasser.
STEHENDES WASSER: Aber wozu der Stuhl?
FLACHES WASSER: Hihi, stehendes Wasser fragt: Wozu der Stuhl? Versteht ihr? Stehendes Wasser - Stuhl? Hihi!
STEHENDES WASSER: Was ist daran komisch?
HARTES WASSER: Nichts, stehendes Wasser. Setz dich.

Alle LACHEN. Die COCA-COLA kommt.

COCA-COLA: Heil, Hitler!

Stille.

FLACHES WASSER: Ups, ein Engel geht durch den Raum! Hihi!

Stille.

STEHENDES WASSER: Was ist denn mit der Limo los?
HARTES WASSER: Ignoriert ihn. War schon immer ein Brauner.
STEHENDES WASSER: Und wie gings dann weiter mit der Kleinen, flaches Wasser?
FLACHES WASSER: Naja. Wir haben lange geredet. Also, ich.
HARTES WASSER: Kann ich mir vorstellen.
FLACHES WASSER: Aber, hihi: Offensichtlich war ich nicht ihr Typ.
HARTES WASSER: Wer hätte das gedacht?
FLACHES WASSER: Dann kam stilles Wasser und hat sie durchgevögelt, bis sie verdunstet ist.

Alle sehen stilles Wasser an.

HARTES WASSER: Und ich frag mich noch die ganze Zeit, seit wann sie PERRIER ohne Kohlensäure herstellen.

FADE OUT.

03 Januar 2007

Der Soldat

Macht das Licht aus. Schliesst die Augen. Denn im Dunkeln beginnen die Gedanken sanft zu schimmern und gehen ihren eigenen Gang.

Seht ihr den Soldaten? Es ist Nacht, und er schleicht durch den Wald. Er hat den Anschluss an seinen Haufen verloren, und jetzt brennt sich das Weisse seiner Augen ängstlich durch die Dunkelheit, denn die Welt um ihn ist ein einziger gefährlicher Schatten: Raschelnd, flüsternd, wartend. Oft verharrt er minutenlang bewegungslos und lauscht, bevor er weitergeht.

So schiebt sich der Soldat durch das raunende Nichts und verschmilzt mit der Nacht. Manchmal, wenn er mit äusserster Vorsicht einen Zweig beiseite drückt, erreicht ihn ein Geruch von Blatt und altem Holz. Oder ein flüchtiger Gedanke streift ihn und verschwindet geräuschlos in der Dunkelheit. Wie lange er schon so geht, weiss er nicht. Und als er es plötzlich sieht, direkt vor ihm, durch die Zweige schimmernd wie ein entfernter Stern, wischt er sich ungläubig die Augen. Denn Hoffnung ist ein Gift, das er sich jetzt nicht leisten kann. Aber das Licht ist da, und mit ihm die Gewissheit, dass er es geschafft hat.

Die Schwere der Nacht fällt vom Soldaten ab, und sein nächster Schritt ist entschlossen und schnell.

Unter seinem Fuss macht etwas: KLICK.

Dann ist es wieder still und nur der Wald, der sich im Nachtwind räkelt, und nur das trockene Laub, das knistert. Irgendwo nagt ein Waldtier an einer Rinde, und die Wolken kreuzen still das Mondlicht, als wäre nichts geschehen.

Aber den Soldaten verwandelt das leise Geräusch in ein Meer aus Bewegungslosigkeit. Alles in ihm bleibt stehen und wird still, so still wie die Bombe, die unter seinem Fuss schläft, und die er nicht wecken darf. Er rührt sich nicht. Er atmet nicht. Er blinzelt nicht. Wozu auch? Nichts bleibt ihm mehr zu tun. Nichts, als zu stehen, und stehen zu bleiben.

So streicht die Zeit durch den Wald und über das Gesicht des Soldaten. Aber in ihm ist auch sie stehen geblieben, wie er selbst, und hat ihr Ende erreicht. Das kleine Geräusch hat eine Lücke aufgetan, eine kleine Lücke zwischen Leben und Tod, und ihn hineingesetzt wie einen Zinnsoldaten. Hier steht er, und hier wird er immer stehen. Wie die Bäume und die Schatten um ihn herum.

Und so wird der Soldat ein Teil des Waldes, des Flüsterns und des Raschelns. Er blickt in das Licht, das durch die Zweige funkelt. Für ihn genauso fern wie jeder andere Stern am Himmel auch.

Der Soldat schliesst die Augen. Im Dunkeln beginnen seine Gedanken sanft zu schimmern und gehen ihren eigenen Gang.

31 Dezember 2006

Slip

Alles Angebrachte zu Neuen Jahr.

Ich werde mehr posten, ein besserer Mensch werden und meine Kakerlake nicht mehr schlagen. Oder nur, wenn sie's wirklich verdient hat.

Cheers!
Mel

26 Dezember 2006

Wider den Schöngeist

Was nun diese Premiere betrifft.

Stellt euch vor, ein Schriftsteller. Er ist tot, aber gerade schon lange genug, um sein Ableben mit Jubiläen zu begehen. Und weil die meisten der Texte, um die es hier geht, zum ersten Mal auf der Bühne zu sehen sind, wedeln alle schon ganz aufgeregt mit dem Schwanz, inklusive Feuilleton und Öffentlichkeit.

Und dann ist da dieser Regisseur. Stellt euch was Freundliches, Intelligentes, Sechzigjähriges vor. Die weissen, langen Haare gepflegt in den Nacken gelegt. Zwei Seidentücher: Eines um den Nacken, das zweite wie zufällig über die Schultern geworfen.

Kultiviert. Lässig. Grosszügig. So müsst ihr euch das vorstellen. Nur leider ist er ein Schöngeist. Das ist bedauerlich. Bedauerlich und brandgefährlich.

Denn ein Schöngeist tut zwar niemandem weh, aber er macht sich die Hände auch sonst nicht schmutzig: Er meidet die klare Haltung, den Konflikt und den Gestank der Gosse; also all das, was ein Drama zu einem guten Drama macht. Ein Schöngeist veredelt seine Zeit damit, sich zu verneigen: Vor der Schönheit, vor den "wunderbaren" Schauspielern, vor dem "wunderbaren" Text des "wunderbaren" toten Schriftstellers.

Wir, im Schützengraben, nennen diese Arbeitshaltung normalerweise: Schwurbel. Oder, etwas präziser: Selbstmord. Im Gegenzug nennt er uns "ihr Lieben", "ihr Guten" oder ganz einfach "Kinder".

Und wenn ich Euch jetzt noch sage, dass der Mann eigentlich Filmregisseur ist und wenig Theatererfahrung hat, dann mag euch langsam dämmern, wie tief die Projektile in den letzten Wochen um unsere wunderbaren Ohren flogen.

Insgesamt ein äusserst merkwürdiges Erlebnis. Die Kritiken sind übrigens überwiegend positiv. Von "schönen Bildern" ist die Rede, von "Trouvaillen" und vom "behutsamen Umgang mit dem Text".

Schwurbel ist offensichtlich ansteckend.

21 Dezember 2006

Schleichwerbung: Scrivener

Zunächst mal was ganz anderes.

Was das Entwickeln von Stories betrifft, bieten dem entnervten Schreiber dutzende von Software-Lösungen ihre zittrige digitale Hand, um ein Minimum an Organisation und Übersicht in diesen blutigen Amoklauf zu bringen.

Nichts davon hat mich überzeugt. Bis jetzt.

Obwohl noch in der Beta-Phase, ist Scrivener so sorgfältig durchdacht und ausgeführt, dass man spontan auf die Knie geht und den Boden küsst.

Die Beta-Version B5 könnt ihr hier runterladen. Arbeitet euch durch das Tutorial, das geht schnell und macht Spass.

Könnte eine Freundschaft für's Leben werden.

PS: OS X only.

17 Dezember 2006

Huhu

Gestern Premiere.

Ich denke, ja, ich komm mal wieder zurück. Jetzt gleich Vorstellung, deshalb: Alles andere später.

Kuss!
Mel

17 November 2006

Melancholie: Setzen, Sechs!

Nichts gegen Melancholiker. Im Gegenteil.

Aber ihre Blogs?

Die Gedichte über treibende Gedanken und faule Äste, die Fotos von leeren Strassen und gepiercten Lippen, die assoziativ verknotete Prosa voll feuchter Landschaften, verwaisten Spielplätzen, dräuender Selbstverstümmelung und nekrophiler Wortsymbolik? Fluss, Schlaf, Erde, Blut?

Vielleicht ist Melancholie nicht die ideale Schreibunterlage. Zu schwer zieht die Scholle an der blutleeren Hand.

Denn, jetzt mal ehrlich: Wozu schreiben, wenn man auch sterben könnte?

So hat sich der Melville das gedacht, bis er heute Abend unvermittelt selbst von akuter Melancholie ergriffen wird. Hey, einfach so. Ihm geht's gut. Und, vor allem: Fräulein N. auch.

Trotzdem ist er traurig. Schwer wie ein Bordeaux, den Robespierre selbst noch eigenhändig im lehmigen Keller versteckt hat, bevor man ihm den Kopf vom blutenden… - Aber, ich schweife ab.

Also, denkt sich der Melville, ein Selbstversuch könnte nicht schaden. Mal den ganzen professionellen Heulsusen zeigen, wie man auf Schwermut so richtig die Tasten zum Singen bringt.

Was dabei herauskommt, ist:

Ich kann nicht zaubern. Ich kann nur gehen, bis meine Knie brechen. - Ich kann nicht gut sein. Aber ich kann meine Arme ausbreiten, bis sie zu Staub zerfallen.

Das unterbietet wirklich alles. Eine Katastrophe. Jetzt weiss ich, warum die Melancholiker andauernd an Selbstmord denken.

Ich dachte einfach, ich legs mal auf den Tisch. Was für einen Quatsch der Melville manchmal fabriziert. Unredigiert. Um mich zu bestrafen.

Ich geh mich mal in die Ecke stellen. Vielleicht auch sterben. Jedenfalls, wenn der gütige dunkle Fluss aus Blut ein Einsehen hat und mir den erlösenden Schlaf schenkt, den ich nach so einem Text mit Sicherheit verdiene.

Schalom!

Bye, bye, Ferenc Puskás

Er war ein grosser Fussballer, jetzt hat er die letzte rote Karte gesehen und das Spielfeld für immer verlassen. Ihm zu Ehren hier ein Text, der ursprünglich im Rahmen der WM bei Fooligan erschien.

Cheers, Mister Puskás!


Der Galoppierende Major
"Kleines Geld, kleiner Fußball, großes Geld, großer Fußball."   Ferenc Puskás

Das ist, ich sag’s euch gleich, kein gewöhnlicher Fussballspieler. Untertrainiert und übergewichtig. Das ist er. Und jetzt, 1961, nachdem er den Zenit seiner Karriere bereits überschritten hat, ist das mit dem übergewichtig eigentlich noch untertrieben.

Jedenfalls, was sollen wir noch lange um den heissen Brei herumreden, wie eine Presswurst, so sieht er aus im Real Madrid-Leibchen, schön ist das nicht, sowas zu sagen, aber wahr ist es trotzdem. Und was tut er gerade? Er tritt einen Freistoss im eigenen Stadion gegen Atletico, das sind die, die Anfang der Sechziger gerade ganz oben auf schwimmen, in Spanien.

Er also mit dem linken Fuss, wie immer, und der Ball segelt über die Mauer, und dort die Atletico-Spieler natürlich hochgesprungen, aber nix war, denn der Ferenc, der kann diese Bananen so sauber ballern wie auf dem Reissbrett gezogen. Und in die lange Ecke, und der Torhüter springt und streckt sich wie wenn er aus Gummi wär, aber er kommt nicht mal mit den Fingern dran, nicht mal mit den Fingerspitzen, und drin ist der Ball und im Netz und da kann keiner mehr was machen.

Und die Menge tobt. Und der Ferenc, so kurz seine Arme auch sind, er reisst sie hoch. Und alle anderen ihre Arme auch.

Aber der Schiedsrichter schüttelt den Kopf.

Fast peinlich ist es ihm, fast rot wird der Mann im schwarzen Trikot, und er geht zum Ferenc und entschuldigt sich und sagt, tut mir leid, aber ich habe noch nicht gepfiffen, und pfeifen muss ich schliesslich, denn wo kämen wir sonst hin?

Und das versteht der Ferenc. Denn jetzt mal Frage: Habt ihr das gewusst? Dass wir hier vom gleichen Ferenc sprechen, der Kapitän von der ungarischen Mannschaft gewesen war, der goldenen Manschaft, die vier Jahre lang – und das sagt sich so leicht, aber denkt doch mal: vier Jahre - einfach niemand schlagen konnte, und die erst die Deutschen in Bern mit einem Wunder zur Strecke geackert haben?

Und weil er so dick war und trotzdem so schnell, haben sie ihn den galoppierenden Major genannt.

Genau dieser Ferenc ist das nämlich, und kein anderer. Sieht aus wie Presswurst, ist aber Fussballgott. Und spielt immer mit linkem Fuss. Jetzt, passt auf, wollt ihr die Legende hören, warum immer mit linkem? Weil eigentlich der rechte Fuss der starke ist. Aber zu stark. Mit dem hat er mal so hart geschossen, dass dann der Torhüter mit gebrochenen Rippen direkt ab auf den OP-Tisch. Dann haben die da oben vom Fifa-Zimmer ihm den rechten Fuss verboten. So die Legende. Stimmt sie? Wer weiss. Aber in jeder Legende ist ein kleiner Grashalm Wahrheit.

Also, dieser Ferenc, der steht jetzt auf dem Rasen, und muss den Freistoss nochmal schiessen, und diesmal wartet er, bis der Schiedsrichter pfeift, denn nur weil er dick ist, ist er noch lange nicht doof.

Er also mit dem linken Fuss, wie vorher, und der Ball segelt über die Mauer, wie vorher, und dort die Atletico-Spieler natürlich hochgesprungen, wie vorher, aber nix war, denn der Ferenc, der kann diese Bananen so sauber ballern wie auf dem Reissbrett gezogen. Und in die lange Ecke, wie vorher, und der Torhüter springt und streckt sich wie wenn er aus Gummi wär, wie vorher, aber er kommt nicht mal mit den Fingern dran, nicht mal mit den Fingerspitzen, und drin ist der Ball und im Netz und da kann keiner mehr was machen, wie vorher.

Und da hat der Ferenc das Tor genau noch mal ganz gleich geschossen. Nur diesmal mit Pfiff. Und wenn die Menge vorher getobt hat, dann ist es jetzt ein Glück, dass kein Dezibel-Messer im Stadion, weil der würde nämlich zerspringen in lauter kleine Messerchen, so laut haben jetzt alle gebrüllt. Und das - nur damit ihr jetzt nichts Falsches denkt - das ist keine Legende, weil direkt in die Annalen von Real Madrid eingegangen, natürlich zu recht.

Und das alles gegen Atletico, das sind die, die Anfang der Sechziger gerade ganz oben auf schwimmen, in Spanien. Bis sie den Ferenc nach Madrid geholt haben.

Dann war’s erst mal aus mit Atletico.

10 November 2006

Gott ist ein DJ

Gott ist ein DJ, davon haben wir's hier ja schon mal gehabt.

Dieses Dings ist allerdings auch nicht übel:



Budget: 500 Dollar.

08 November 2006

FRANK & FEE - Die Soap! (V)

"Ich liebe dich!"   Redewendung

Und hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt.

EPISODE FÜNF
SPRING!

FADE IN:

EXT. BAHNÜBERFÜHRUNG - ABEND
FRANK und FEE stehen im Abendlicht auf einer Bahn-Überführung, halten sich an der Hand und blicken hinunter auf die Gleise.

FRANK: Gleich kommt der Güterzug.
FEE: Jep.
FRANK: Und du bist dir wirklich sicher?
FEE: Ja! Wenn er langsamer wird, springen wir auf den Zug!
FRANK: Und dann fahren wir, wohin auch immer er uns bringt.
FEE: Wohin auch immer! Das ist nicht wichtig. Wir haben ja uns!
FRANK: Ich liebe dich!
FEE: Da kommt der Zug!

In der Ferne erscheint tatsächlich, PFEIFEND und PUFFEND, der Zug. Frank und Fee setzen sich auf das Geländer. Der Zug fährt unter ihnen durch und wird langsamer.

FRANK: Jetzt!
FEE: Ja!

Frank springt. Er landet auf dem Dach eines Güterwaggons und rollt ab. Er LACHT und sieht sich um. Fee ist nicht gesprungen. Sie sitzt immer noch auf auf dem Geländer der Überführung.

FRANK: Fee! Was tust du? Spring!

Fee winkt und wirft ihm eine Kusshand zu.

FEE: Geh schon mal vor. Ich komm dann nach.
FRANK: Was?!
FEE: (ruft) Ich muss noch Freunde treffen. E-Mails schreiben und all das.
FRANK: (ruft) Was?!
FEE: (ruft) Ich vermiss dich jetzt schon. Ich liebe dich!

Sie verschwindet in der Ferne. Frank steht perplex auf dem Dach des Waggons.

FRANK: Was?

Der Zug wird immer schneller.

FADE TO BLACK.


Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006

06 November 2006

B-Shit & Pop Corn

Mhm. Viel los in Melvilles Leben dieser Tage. Das sieht man daran, dass sein Blog langweilig wird und verkümmert wie ein Blutegel auf einem Käsekuchen.

Umgekehrt ist es vermutlich auch richtig, dass, wenn das Blog rockt, Melvilles Leben gerade verkümmert und so langweilig ist wie, jetzt wollen wir mal mit Vergleichen nicht geizen, Thomas Gottschalk auf einem Käsekuchen. Die Eckpfeiler meines Lebens sind somit gesteckt.

Habe die schauspielerische Pflichtrunde mit der angemessenen Konzentration absolviert. Die Kür folgt jetzt, im nächsten Stück. Das macht richtig Freude, weil: kann alle Register ziehen. Gleichzeitig habe ich heimlich (Produzenten und Regisseure sind sowas von eifersüchtig) einen Kurzfilm und 70 Seiten eines Kinofilms geschrieben.

Ich kann meine Rechnungen zahlen und mit gutem Gewissen meinen enormen Kaffee- und Nikotinkonsum kultivieren.

Fantasie habe ich im Moment keine, weil sich immer noch vollständig drehend um Fräulein N.. Die übrigens genauso beziehungsgestört ist wie ich. Was sich einerseits gut trifft, andererseits meine Geduld auf eine harte Probe stellt: Sie legt Grillen an den Tag, die bisher eigentlich immer für mich reserviert waren. Ich werde sie auf mein Copyright verweisen und nötigenfalls verklagen.

Sie zergeht mir auf der Zunge. Ich war doch immer der Lonely Wulf von nebenan. Plötzlich fühle ich mich einsam, wenn sie nicht da ist. Als hätte mir jemand mein Herz aus der Brust gerissen und davongetragen.

Wenn ich sie dagegen sehe, scheint mir, als wäre der Endzweck meines Daseins erreicht. Als wäre mein Leben über Nacht von einem getrockneten Mais-Samen zu einem federleichten Popcorn geflufft. - Ist das nicht schön? Und auch doof? Aber eben schön doof?

Ich bin glücklich. Ich leide. Ich bin glücklich.

31 Oktober 2006

Goldene Weisheit

Morgen Premiere.

Vor nervösem Gejuffel bewahrt mich die goldene Weisheit des folgenden Witzes:

Vater Stier und Sohn Stier stehen auf einem Hügel. Tief unter ihnen tummelt sich eine riesige Kuhherde. Und weil die Stiere aus Texas kommen, reden sie Englisch.

SOHN STIER: Dad, Dad, you know what we gonna do?
VATER STIER: Yeah?
SOHN STIER: Yeah, ok, yeah! We gonna run down the hill and each of us fucks a cow!
VATER STIER: (verdreht die Augen) No, Son, no. That's not what we gonna do.
SOHN STIER: No?
VATER STIER: No.

Vater Stier kaut gemächlich einige Büschel Gras wieder.

VATER STIER: We'll walk down. And fuck'em all.

23 Oktober 2006

Über die Schönheit

Die Schönheit würde die Welt retten. F. M. Dostojewkji

Verliebte Menschen können sowas von nerven. Genauso wie frischgebackene Eltern: Sabberkloss hier, Sabberkloss da. Das ist gesundheitsschädigend und langweilig. Frischgebackene Eltern sind die Pest.

Verliebte auch. Ich zum Beispiel. Prompt werden meine Texte irgendwie schwurbelig.

Ich werde mich also nun zurückhalten und nicht mehr dauernd nur von Fräulein N. reden. Zum Beispiel, wie gut sie riecht. Oder, wie sie so ernst guckt und gleich darauf lacht und dann dieses eine Grübchen auf ihrer Backe auftaucht, nur auf einer Seite. Ich werde nicht davon sprechen, wie wir zusammen über das dünne Eis gehen und uns dabei mit grossen Augen ansehen, weil es irgendwie längst egal geworden ist, ob es bricht.

Ich werde von etwas ganz Anderem sprechen.

Ich werde von Schönheit sprechen. Da ist jetzt dummerweise Fräulein N. gerade ein gutes Beispiel. Fräulein N. ist nicht schön, weil sie diese hübsche Nase hat oder die leckeren Ohren oder diese aufmüpfige Haarsträhne, die dauernd vor ihrem Gesicht rumwedelt.

Nein, Fräulein N. ist schön, weil sie aussieht wie Fräulein N. und nicht wie Kate Moss. Nichts gegen Kate, altes Haus. Vielleicht ist Fräulein Moss ja schön. Aber nur, weil sie aussieht wie Kate Moss. Und nicht wie, sagen wir, bah, Fräulein Aguillera.

Mit anderen Worten: Fräulein N. versucht nicht anders auszusehen, als dass sie aussieht. Ich finde das unwiderstehlich. Sie könnte sich ja schminken. Oder ihre Fingernägel anmalen. Tut sie aber nicht. Und ich bin so dankbar dafür, dass ich auf die Knie gehe und Gott dafür ein nettes Blinzeln durch die Wolken schicke.

Auch wenn ich in die Hölle komme. Bei mir hat der alte Mann einen Stein im Brett.

Denn, wisst ihr, hört mal her, Frauen: Ich habe noch nie in meinem Leben. Nie! Habe ich eine Frau kennengelernt, die geschminkt hübscher gewesen wäre als einfach so, ohne was.

Weil Frauen dann am hübschesten sind, wenn sie aussehen, wie sie aussehen.

So, jetzt ist es raus.

22 Oktober 2006

Die Hölle

Du wirst in die Hölle kommen.

Wieso hört man diesen Satz ausgerechnet dann, wenn man sich verliebt?

Wenn man liebt, ist man verloren. So ist das. Weil man sein Herz verschenkt. Man kann nicht wissen, was damit geschieht. Vielleicht landet es im Dreck. Vielleicht bricht es. So ist das.

Wer ein Schiff hat, der fahre heute noch hinaus. Wer Flügel hat, der springe. Wer einen Stern hat, der folge ihm, bis seine Beine brechen.

Ich glaube nicht an die Hölle.

15 Oktober 2006

Schneeflocke

Wir haben uns geküsst, auf Gleis 18, bevor sie fuhr.

Nichts daran war erfahren oder entschlossen oder routiniert. Es war wie eine Schneeflocke, die man mit den Lippen fängt, im Winter. Vorsichtig, damit sie nicht gleich schmilzt. Ich glaube, wir haben uns kaum berührt.

Als ich zurücklief, dem abfahrenden Zug entlang, explodierte der Bahnhof zu einer Welle aus Licht. Es wurde so hell, dass meine Netzhaut verdampfte und die Zugfenster Funken sprühten.

Dann teilte sich die Welt und streute glitzerndes Konfetti.

Bleicht die Taschentücher. Stellt die Kerzen ans Fenster. Vergebt Euren Feinden.

Denn Melville ist verliebt.

05 Oktober 2006

Von Astronauten

Seltsam: Gerade tut sich so viel, in meinem Melville-Universum, und trotzdem habe ich das Gefühl, ich hätte nichts zu erzählen.

Mal testen?

1. Angst: Manchmal habe ich die Hose sowas von gestrichen voll. Ich habe dann Angst davor, die Menschen mit dem, was ich bin, nicht mehr zu erreichen. Dass das, was mich bewegt und erfreut, die Menschen plötzlich nur noch befremdet. Dann wäre ich ein Astronaut, der den Funkkontakt zur Erde verloren hat. Ich wäre immer noch - davon bin ich überzeugt - ein guter Astronaut. Aber was ist ein guter Astronaut ohne Welt?

2. Sex: Seit eingen Wochen stelle ich ein interessantes Phänomen an mir fest. Wenn ich die Wahl habe zwischen wildem Sex und einsamem Schreiben, entscheide ich mich für Letzteres. Meine Affaire mit Bazooka-Girl habe ich bewusst einschlafen lassen. Fräulein N. ist ein anderer Fall. Das ist die Entdeckung der Langsamkeit beim Flirten. Eiskunstlauf in Zeitlupe. Inzwischen hat sie mir ihr Geheimnis erzählt. Jede Frau hat so eins. Ich kenne ihres. Meines kennt sie nicht. Meines kennt niemand. Nicht mal ich selbst.

3. Jetzt: Gerade fällt die Sonne durch's Fenster, an meinem Labtop vorbei, und wärmt meinen linken Arm. Links qualmt die Zigarette, rechts steht die Kaffeetasse und schafft es irgendwie, vorwurfsvoll leer zu gucken. Draussen, vor dem Bullauge, schwebt Welt vorbei. Jetzt ist gut.

4. Glück: Glück ist, den eigenen Weg zu gehen. Ende der Diskussion. Alles andere ist Mumpitz. Vergesst es nicht.

Ich mein's ernst. Vergesst es nicht. Und was ist ein guter Astronaut ohne Angst?

24 September 2006

Von orangen Katzen

Da ist zum Beispiel das junge Fräulein N., mit der ich gerade häufig zu tun habe, und die so schrecklich viel über sich nachdenkt. Über sich und den Rest der Welt.

Alles ist schwierig. Jeder Schritt führt auf dünnes Eis. Jeder Ast kann brechen. - So ist das Herz von Fräulein N. stets in Aufruhr, ihre Stirn stets in Falten, ihre Neugier stets durchzogen.

Und sie erinnert mich an eine Katze, die ich in Griechenland kennengelernt habe. Die Katze, müsst ihr wissen, war orange und wild. Einmal am Tag zeigte sie sich auf der Terasse und wurde von mir gefüttert. Danach schnurrte sie und wollte gestreichelt werden. Wenn ich aber die Hand nach ihr austreckte, sprang sie panisch auf eine Mauer und sah mich entsetzt an.

"Die orange Katze ist doof", dachte ich zuerst. Und es verletzte mich, dass sie mir nicht vertraute.

Denn, Kollegen, ich kenne andere Katzen, und ihr auch. Solche, die's voll drauf haben. Auch dort, auf der Terasse, gab's die. Katzen, mit denen der reibungslose Umgang voll gewährleistet ist.

Aber jetzt, wisst ihr was: Von allen Katzen war mir am Ende die orange am nächsten. Weil, ja: Warum eigentlich? Alles war schwierig. Jeder Schritt führte auf dünnes Eis.

Womit wir jetzt wieder bei Fräulein N. wären.

21 September 2006

Potemkins süssestes Versprechen

Als ich ein kleiner Junge war, stand ich oft in meinem orangen Pyjama am Fenster, und mein Herz platzte vor Sehnsucht und Abenteuerlust. Ich sah über das Dorf hinweg zum Wald und fragte mich, was wohl dahinter sein könnte.

In Frage kam Folgendes:

1. der Wilde Westen
2. Ein Königreich mit Rittern, Drachen und Blumenwiesen.
3. Ein verschlungenes, tiefes Höhlensystem, das von gefährlichen, aber auch interessanten Wesen bewohnt wurde.
4. der Weltraum (inklusive Ufos, Astraunauten und Sternenkrieg)
5. die Bevölkerungsexplosion, von der ich damals schon gehört hatte und die ich mir als eine riesige Welle aus Menschen vorstellte, die auf mich zurollt.

Aber auf die Idee, dass hinter dem Wald das Nachbardorf liegen könnte, kam ich nicht.

Und soll ich euch mal was sagen, Matrosen? Ich hab mich nicht geändert.

11 September 2006

Faszination und Erleichterung: Nine Eleven

9. 11. 2001

Zürich, Theater, Probebühne 1

Stand der Dinge: Francis Fukuyamas Ende der Geschichte beherrscht die Bestsellerlisten und beschreibt das globale Lebensgefühl des Stillstands. Kaum im neuen Jahrtausend, ist es bereits unerträglich stickig geworden.

Plötzlich steht eine Frau mit tellergrossen Augen in der Tür und stottert.

Dann werde auch ich - wie der Rest der Welt - Zeuge des digitalen Loops: Flugzeuge, Feuer, Türme, fallende Menschen. Und nocheinmal. Für alle, die es immer noch nicht fassen wollen.

Aber, in mir - neben den handelsüblichen Gefühlen - auch noch das: Faszination. Für die unwiderstehliche Macht eines Vorgangs, der mit einem Mal, innerhalb weniger Minuten, alles für immer ändert.

Und ja, Erleichterung. Jene seltsame Art der Erleichterung, die mit dem Untergang des Grossen und Unzerstörbaren immer einhergeht und die zu leugnen reine Heuchelei wäre.

Endlich hat jemand das Fenster aufgemacht, denke ich.

Von Francis Fukuyama spricht heute niemand mehr.

08 September 2006

Dein Kitzler in meinem Mund

Also was, sagst du, Melville, du Fotze, wo bleiben die Texte?

Wo bleiben die Texte, die sind wie grosse, geheimnissvolle Landschaften; die Texte, die sind wie Pfeile aus Gift und Sperma, die die Mitte meines Herzens zielsicherer treffen als amerikanische Lenkwaffen eine Schar unschuldiger Kinder?


Tja, sage ich, küss dich selbst, Bruderherz, ich schreibe ja, ich arbeite ja! Nur, Pech gehabt, Sweetheart, zuviel, um es gerade dir auch noch so galaktisch besorgen zu können, wie du's verdienst.

Denn wenn ich deinen Kitzler schon in den Mund nehme, dann verdammt: Tu ich's auch richtig. N'est-ce pas?

30 August 2006

Blutrache

Ein Typ in der Bar: klein, weisshaarig, besorgte Augen, Werbetexter. Wir sprechen zuerst über Bücher, dann über Frauen.

ER: Meine längste Beziehung habe ich zu meiner Ex-Frau. (lacht) Wir sind seit 32 Jahren geschieden.
ICH: Siehst du sie noch ab und zu?
ER: Wir wohnen zusammen.
ICH: Aha? Und… wie ist das so?
ER: Etwa so wie mit Palästina und Israel. Aber Haifa steht noch.

28 August 2006

Zapp!

Zappen: Dem Tod reibungslos ein Stück näher rücken.

25 August 2006

365 Tage Melville

Seit heute vor einem Jahr gibt's Melville auf diesem Kanal. Zur Feier des Tages hier das offizielle Fisch-Im-Ohr-Wallpaper als Bravo-Schnitt zum runterladen. Cheers.

22 August 2006

Wünsch mir Glück, Hurensohn!

ELENI lernte ich im Rahmen des Theatetreffens in Berlin kennen. Sie war jung, humorvoll, hatte eine Vorliebe für Converse und sprach mit dem gleichen Akzent Englisch wie Joe Pesci in Good Fellas:

Aez, Maelville, where da fuck da za tink za going?

Ich amüsierte mich grossartig mit ihr. Sie war Regisseurin in Athen, und wir beschlossen, im Rahmen eines internationalen Theaterprojekts zusammenzuarbeiten.

20 August 2006

Günther GraSS: Hängt ihn auf!

Grass ist mir schon immer auf die Nerven gegangen.
Hellmuth Karasek


Er war also kein Luftwaffen-Nazi, der niemanden erschossen hat, er war ein SS-Nazi, der niemanden erschossen hat. Kapiert.

Aber wenden wir doch unseren Blick für einen Moment ab von ihm und hin zu all den Fassungslosen, die sich gerade so prägnant und zahlreich zu Wort melden. "Schockiert" sind sie, "bestürzt" und (naja) "sprachlos" - mit einem Wort: "empört".

Nun ist es wichtig zu verstehen, welche Mühlen hinter dem Vorgang der Empörung mahlen.
lies mich…

Die Empörung ist seit jeher das Werkzeug des Heuchlers. Sie ermöglicht ihm, opportune Moralvorstellungen zu instrumentalisieren, um sein persönliches Streben nach Macht und Bedeutung zu verwirklichen - und im gleichen Atemzug zu verschleiern, indem er seine mörderische Aggression als Aufruhr des Herzens tarnt. Vordergründig auf Seiten des Richtigen, ist der Empörte seinem Wesen nach nichts anderes als ein Volksverhetzer, der im Namen der Menschlichkeit und guten Sitten zur Lynchjustitz aufruft.

Der Heuchler erfährt im Moment der Empörung ein Gefühl der Reinheit, die ihm die Illusion von Überlegenheit und Stärke vermittelt und so ermöglicht, die Verachtung zu verdrängen, die er insgeheim für sich und seine Bedeutungslosigkeit empfindet. Da die Moral das Werkzeug der Macht ist und der Heuchler auf die Moral - als Basis seiner Entrüstung - unbedingt angewiesen ist, ist er ein ergebener Diener der Repression und ihren Gesetzmässigkeiten vollkommen unterworfen.

Er ist ein Sklave der Macht. Er denunziert, um sich unter dem Tisch seiner Herrin einen besseren Platz zu ergattern.

Wir brauchen also nur einen Blick unter den Tisch zu werfen: Journalisten, Chef-Redakteure, Feuilletonisten, Literatur-Kritiker, Künstler und Autoren. Allesamt Humanisten, alle per Definiton dem freien Geist, der unabhängigen Meinungsbildung und somit der Methode des schwebenden Urteils verpflichtet, die, immerhin laut Bertrand Russel, die grösste Entdeckung des 20. Jahrhunderts war. Seht genau hin. Ihren Eifer. Ihr Kopfschütteln. Ihr erschüttertes moralisches Grundempfinden.

Das wirklich Erhellende an der Affaire ist nicht, dass Grass in der SS war. Das wirklich Erhellende an der Affaire balgt sich jetzt gerade unter dem Tisch um den grössten Happen.

12 August 2006

FRANK & FEE - Die Soap! (IV)

"Manchmal muss man schweigen, um hinter dem Geräusch des Regens die Musik zu hören."  Marcello Mastroianni

Und hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt.

EPISODE VIER
GERÄUSCH DES REGENS

FADE IN:

EXT. BUSHALTESTELLE - NACHT

Es regnet stark. FRANK und FEE stehen klitschnass an einer Bushaltestelle und warten. Frank legt den Kopf schief und sieht Fee merkwürdig an.

FEE: Was?
lies mich…
Frank nimmt sie in den Arm und drückt seinen Mund auf ihren. Sie küssen sich lange. Der Regen PLADDERT auf sie hinab.

FEE: Ich glaube, jetzt ist gerade sehr viel Zeit vegangen.

FRANK: Ja. Wenn wir Kinder hätten, wären sie jetzt sicher schon gross.

FEE: Sie würden studieren, und wir würden uns Sorgen machen, ob sie safen Sex haben.

FRANK: Du hättest schon graue Haare.

FEE: Und du eine junge Geliebte, die Renée heisst und Filmwissenschaft studiert.

FRANK: Sie würde darauf bestehen, dass ich mich scheiden lasse. Ich würde sie dann jeweils auf die nahe Zukunft vertrösten.

FEE: Und ich würde mich mit Piet aus den Fitness-Studio rächen. Er würde lächeln und keine Fragen stellen.

FRANK: Und ich würde dahinter kommen und ihn verprügeln.

FEE: Aber er wäre stärker als du und würde dich verprügeln.

FRANK: Aber ich hätte eine Pistole dabei und würde keinen Moment zögern, sie zu benutzen.

FEE: Aber du würdest danebenschiessen, und Piet würde dich fürchterlich zurichten. Mit einer Hantel.

FRANK: Und ich läge halbtot im Krankenhaus, und dir würde es jetzt leid tun, aber es wäre zu spät. Sogar unsere Kinder hätten nur noch Verachtung für dich übrig.

FEE: Und ich würde Alkoholikerin, und obdachlos.

FRANK: Und ich läge jahrelang im Koma. Aber eines Tages, nach meiner Heilung, würde ich mich auf die Suche nach dir machen. Weil ich dich immer noch liebte.

FEE: Und du würdest mich finden, wie ich draussen an der Bushaltestation schliefe, nur mit ein paar Zeitungen. Es wäre Winter, und der Schnee würde mir ins Gesicht wehen.

FRANK: Und ich würde vor dich hinknien und sagen: „Komm, wir gehen nach Hause.“

FEE: Und ich würde weinen.

FRANK: Und ich auch.

FEE: Und der Busfahrer, der alles beobachtet hätte, auch.

FRANK: Genau.

FEE: Genau.

Sie sehen sich an und schweigen.

Der BUS schiebt sich vor Frank und Fee und entzieht sie unserem Blick. Das PAFFEN von sich öffnenden- und wieder schliessenden Bustüren. Der Bus fährt weg.

Frank und Fee stehen immer noch da und sehen sich an.

FEE: Küss mich noch mal!

FADE TO BLACK.


Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006

11 August 2006

Mission: Mettwurst

Umpf. Auf den Wecker geht es mir, dieses Wetter. Und die vielen kleinen Erledigungen, die ich morgen machen muss. Wie fieselige schwarze Insekten zischen die durch den Samstag. Dann könnt ihr den Melville sehen, wie er sich durch die Raver-Massen in Zürich-City zwängt und von Laden zu Laden tingelt.

Warum? Schon besser. Weil ich am Montag auf die Insel fliege. Jawoll. Zu meinem Vater. Und der will so lauter kleinen Schnickschnack, den er dort nicht kriegt. Gekauft. Bekommt er. Ist schliesslich mein Lieblings-Vanille-Sahneschnittchen-Vater. Wenn der ne Mettwurst will, soll er sie haben, und wer was dagegen hat, kriegt eins auf die Nase.

Der lebt da nämlich, auf der Insel. Dort malt er und hat auch sonst viel zu tun. Aber Ihr könntet den Mann auch in eine Keksschachtel sperren. Der hätte immer noch viel zu tun. Irgendwie würde er das schon hinkriegen.

Ausserdem riecht er gut. Fand ich schon immer. Was soll ich lange reden: Die Lieben meines Lebens kann ich an fünf Fingern abzählen.

Mit ihm fange ich an.

10 August 2006

Krieg ist schön

Libanon-Konflikt: Erstaunlich. Der alte WILLIAM TURNER hätte seine helle Freude daran gehabt.
guck mich…

Von oben: Fischer auf See (Turner), Panzer auf Vormarsch (dpa), Llanberris (Turner), Kiryat Schmona (ap)

09 August 2006

Was ist ein Haiku?

Zuerst fünf Silben
dann sieben Silben, gefolgt
von nocheinmal fünf.
lies mich

Zwischen den Zahlen
lässt du die Kammern flimmern
und Bilder zimmern.

Einen Augenblick.
Nur einen. Nur diesen. Jetzt.
Dein Herz schlägt: Bumm - Bahh!

Wie ich sie küsste,
am Eingang, wie ich sie nahm,
als sie ging, heut früh.

06 August 2006

Böse Ahnung

FADE IN:

Sie: Ich hab ihm gesagt, da ist ein Anderer. Dann habe ich gelacht.
Ich: Wie bitte?
Sie: Irgendwie war's halt komisch. Sein Gesicht.
Ich: Manchmal sprichst du von ihm wie von einer Laborratte.
Sie: Ist mir auch schon aufgefallen.
Ich: Tauschen will ich jedenfalls nicht mit ihm.

Stille.

Sie: Tust du doch gerade.

FADE OUT.


Die besten Gespräche sind die, über die man noch lange nachdenkt.

05 August 2006

Fuckin' Friedman

Der hier bereits mehrfach erwähnte Josh Friedman hat wieder zugeschlagen. Diesmal für Brian De Palma. Den Trailer zu BLACK DAHLIA gibt's hier.

02 August 2006

Sie hat was




Sie hat Witz.
Sie hat blonde Haare.
Sie hat Cowboystiefel.
Sie hat eine Piloten-Sonnenbrille.
Sie hat ein Buch mit Hentai-Lolitas.
Sie hat's mit Waffen (Glock 26).
Sie hat einen Sado-Maso-Spleen.
Sie hat einen Freund.
Sie hat mich geküsst.

Sie hat was.

31 Juli 2006

Fett & Cool

ANDY MILONAKIS: Hier vorbeischauen.

Ich erstarre vor Ehrfurcht.

29 Juli 2006

Fang an zu schreiben!

Sie sah mich an und lachte.

"Wie heisst du eigentlich?", fragte ich.

Sie riss mein Hemd auf und krallte ihre Hand in meine Brust. Als sie das Klebeband bemerkte, zog sie eine Augenbraue in die Höhe. Nur eine.
lies mich…

"Zeichnet meinen Herzschlag auf. 24 Stunden", sagte ich.
"Kunst?"
"Medizin."

Sie presste ihre Hand fester auf die Elektroden über meinem Herz.

"Bumm, bumm, ups, bummbumm, bumm, upsbumm" flüsterte sie.
"Ich muss Tagebuch führen."
"Du musst aufschreiben, was du tust?"
"Und wann. Auf die Minute. Einen Tag lang."

Sie überlegte. Dann kriegte sie diesen Blick.

"Wieviel Uhr ist jetzt?"
"18 Uhr 32."

Ihre Hand glitt tiefer.

"O-kay", sagte sie. "Fang an zu schreiben."

Mini-Drama: Weniger Ist Mehr

SIE: Hörst du mir zu?
ER: Jaja.
SIE: Sag nicht 'jaja'. Sag einfach 'ja'.

19 Juli 2006

Zugeständnisse an den schönen Klang

"Zugeständnisse an den schönen Klang dürfen nicht auf Kosten der Verständlichkeit gehen. Man darf alles, nur nicht unklar schreiben. Nichts spricht gegen Klarheit, und gegen Einfachheit nur, dass sie eventuell trocken wirkt. Dieses Risiko kann man aber getrost eingehen, wenn man bedenkt, wieviel besser es ist, glatzköpfig als mit einer Lockenperücke herumzulaufen."

W. Somerset Maugham in Die halbe Wahrheit

17 Juli 2006

Schlaf gut!



Nacht. Das Zimmer ist dunkel. MELVILLE starrt müde in den Bildschirm. Er zögert, dann zieht er sich einen kleinen Fisch aus dem Ohr und lässt ihn vorsichtig in ein Wasserglas gleiten. Er lehnt sich zurück, zündet sich eine Zigarette an und…


…zuckt zusammen: In der Ecke, auf dem Stuhl, sitzt JEMAND!

Melvilles Blut flockt auf und zischt wie kochende Säure durch seinen Körper. Die Person auf dem Stuhl ist ziemlich klein. Das Gesicht kann Melville nicht erkennen, wohl aber ein Augenpaar, dass sich weiss in die Dunkelheit brennt.

16 Juli 2006

Katastrophen-Tourismus

Gespräch mit meiner Mutter. Thema: Bruder, der nach zwei Monaten Südamerika am Dienstag wieder zurückkommt.

SIE: Ich bin froh, wenn er wieder da ist. Irgendwie mache ich mir Sorgen. Ich meine: Südamerika.
ICH: Naja. Hier kann ihm genauso gut ein Ziegelstein auf den Kopf fallen.
SIE: Ja. Aber dann sind wir wenigstens dabei.