Morgen Premiere.
Vor nervösem Gejuffel bewahrt mich die goldene Weisheit des folgenden Witzes:
Vater Stier und Sohn Stier stehen auf einem Hügel. Tief unter ihnen tummelt sich eine riesige Kuhherde. Und weil die Stiere aus Texas kommen, reden sie Englisch.
SOHN STIER: Dad, Dad, you know what we gonna do?
VATER STIER: Yeah?
SOHN STIER: Yeah, ok, yeah! We gonna run down the hill and each of us fucks a cow!
VATER STIER: (verdreht die Augen) No, Son, no. That's not what we gonna do.
SOHN STIER: No?
VATER STIER: No.
Vater Stier kaut gemächlich einige Büschel Gras wieder.
VATER STIER: We'll walk down. And fuck'em all.
31 Oktober 2006
23 Oktober 2006
Über die Schönheit
Die Schönheit würde die Welt retten. F. M. Dostojewkji
Verliebte Menschen können sowas von nerven. Genauso wie frischgebackene Eltern: Sabberkloss hier, Sabberkloss da. Das ist gesundheitsschädigend und langweilig. Frischgebackene Eltern sind die Pest.
Verliebte auch. Ich zum Beispiel. Prompt werden meine Texte irgendwie schwurbelig.
Ich werde mich also nun zurückhalten und nicht mehr dauernd nur von Fräulein N. reden. Zum Beispiel, wie gut sie riecht. Oder, wie sie so ernst guckt und gleich darauf lacht und dann dieses eine Grübchen auf ihrer Backe auftaucht, nur auf einer Seite. Ich werde nicht davon sprechen, wie wir zusammen über das dünne Eis gehen und uns dabei mit grossen Augen ansehen, weil es irgendwie längst egal geworden ist, ob es bricht.
Ich werde von etwas ganz Anderem sprechen.
Ich werde von Schönheit sprechen. Da ist jetzt dummerweise Fräulein N. gerade ein gutes Beispiel. Fräulein N. ist nicht schön, weil sie diese hübsche Nase hat oder die leckeren Ohren oder diese aufmüpfige Haarsträhne, die dauernd vor ihrem Gesicht rumwedelt.
Nein, Fräulein N. ist schön, weil sie aussieht wie Fräulein N. und nicht wie Kate Moss. Nichts gegen Kate, altes Haus. Vielleicht ist Fräulein Moss ja schön. Aber nur, weil sie aussieht wie Kate Moss. Und nicht wie, sagen wir, bah, Fräulein Aguillera.
Mit anderen Worten: Fräulein N. versucht nicht anders auszusehen, als dass sie aussieht. Ich finde das unwiderstehlich. Sie könnte sich ja schminken. Oder ihre Fingernägel anmalen. Tut sie aber nicht. Und ich bin so dankbar dafür, dass ich auf die Knie gehe und Gott dafür ein nettes Blinzeln durch die Wolken schicke.
Auch wenn ich in die Hölle komme. Bei mir hat der alte Mann einen Stein im Brett.
Denn, wisst ihr, hört mal her, Frauen: Ich habe noch nie in meinem Leben. Nie! Habe ich eine Frau kennengelernt, die geschminkt hübscher gewesen wäre als einfach so, ohne was.
Weil Frauen dann am hübschesten sind, wenn sie aussehen, wie sie aussehen.
So, jetzt ist es raus.
Verliebte Menschen können sowas von nerven. Genauso wie frischgebackene Eltern: Sabberkloss hier, Sabberkloss da. Das ist gesundheitsschädigend und langweilig. Frischgebackene Eltern sind die Pest.
Verliebte auch. Ich zum Beispiel. Prompt werden meine Texte irgendwie schwurbelig.
Ich werde mich also nun zurückhalten und nicht mehr dauernd nur von Fräulein N. reden. Zum Beispiel, wie gut sie riecht. Oder, wie sie so ernst guckt und gleich darauf lacht und dann dieses eine Grübchen auf ihrer Backe auftaucht, nur auf einer Seite. Ich werde nicht davon sprechen, wie wir zusammen über das dünne Eis gehen und uns dabei mit grossen Augen ansehen, weil es irgendwie längst egal geworden ist, ob es bricht.
Ich werde von etwas ganz Anderem sprechen.
Ich werde von Schönheit sprechen. Da ist jetzt dummerweise Fräulein N. gerade ein gutes Beispiel. Fräulein N. ist nicht schön, weil sie diese hübsche Nase hat oder die leckeren Ohren oder diese aufmüpfige Haarsträhne, die dauernd vor ihrem Gesicht rumwedelt.
Nein, Fräulein N. ist schön, weil sie aussieht wie Fräulein N. und nicht wie Kate Moss. Nichts gegen Kate, altes Haus. Vielleicht ist Fräulein Moss ja schön. Aber nur, weil sie aussieht wie Kate Moss. Und nicht wie, sagen wir, bah, Fräulein Aguillera.
Mit anderen Worten: Fräulein N. versucht nicht anders auszusehen, als dass sie aussieht. Ich finde das unwiderstehlich. Sie könnte sich ja schminken. Oder ihre Fingernägel anmalen. Tut sie aber nicht. Und ich bin so dankbar dafür, dass ich auf die Knie gehe und Gott dafür ein nettes Blinzeln durch die Wolken schicke.
Auch wenn ich in die Hölle komme. Bei mir hat der alte Mann einen Stein im Brett.
Denn, wisst ihr, hört mal her, Frauen: Ich habe noch nie in meinem Leben. Nie! Habe ich eine Frau kennengelernt, die geschminkt hübscher gewesen wäre als einfach so, ohne was.
Weil Frauen dann am hübschesten sind, wenn sie aussehen, wie sie aussehen.
So, jetzt ist es raus.
22 Oktober 2006
Die Hölle
Du wirst in die Hölle kommen.
Wieso hört man diesen Satz ausgerechnet dann, wenn man sich verliebt?
Wenn man liebt, ist man verloren. So ist das. Weil man sein Herz verschenkt. Man kann nicht wissen, was damit geschieht. Vielleicht landet es im Dreck. Vielleicht bricht es. So ist das.
Wer ein Schiff hat, der fahre heute noch hinaus. Wer Flügel hat, der springe. Wer einen Stern hat, der folge ihm, bis seine Beine brechen.
Ich glaube nicht an die Hölle.
Wieso hört man diesen Satz ausgerechnet dann, wenn man sich verliebt?
Wenn man liebt, ist man verloren. So ist das. Weil man sein Herz verschenkt. Man kann nicht wissen, was damit geschieht. Vielleicht landet es im Dreck. Vielleicht bricht es. So ist das.
Wer ein Schiff hat, der fahre heute noch hinaus. Wer Flügel hat, der springe. Wer einen Stern hat, der folge ihm, bis seine Beine brechen.
Ich glaube nicht an die Hölle.
15 Oktober 2006
Schneeflocke
Wir haben uns geküsst, auf Gleis 18, bevor sie fuhr.Nichts daran war erfahren oder entschlossen oder routiniert. Es war wie eine Schneeflocke, die man mit den Lippen fängt, im Winter. Vorsichtig, damit sie nicht gleich schmilzt. Ich glaube, wir haben uns kaum berührt.
Als ich zurücklief, dem abfahrenden Zug entlang, explodierte der Bahnhof zu einer Welle aus Licht. Es wurde so hell, dass meine Netzhaut verdampfte und die Zugfenster Funken sprühten.
Dann teilte sich die Welt und streute glitzerndes Konfetti.
Bleicht die Taschentücher. Stellt die Kerzen ans Fenster. Vergebt Euren Feinden.
Denn Melville ist verliebt.
05 Oktober 2006
Von Astronauten
Seltsam: Gerade tut sich so viel, in meinem Melville-Universum, und trotzdem habe ich das Gefühl, ich hätte nichts zu erzählen.Mal testen?
1. Angst: Manchmal habe ich die Hose sowas von gestrichen voll. Ich habe dann Angst davor, die Menschen mit dem, was ich bin, nicht mehr zu erreichen. Dass das, was mich bewegt und erfreut, die Menschen plötzlich nur noch befremdet. Dann wäre ich ein Astronaut, der den Funkkontakt zur Erde verloren hat. Ich wäre immer noch - davon bin ich überzeugt - ein guter Astronaut. Aber was ist ein guter Astronaut ohne Welt?
2. Sex: Seit eingen Wochen stelle ich ein interessantes Phänomen an mir fest. Wenn ich die Wahl habe zwischen wildem Sex und einsamem Schreiben, entscheide ich mich für Letzteres. Meine Affaire mit Bazooka-Girl habe ich bewusst einschlafen lassen. Fräulein N. ist ein anderer Fall. Das ist die Entdeckung der Langsamkeit beim Flirten. Eiskunstlauf in Zeitlupe. Inzwischen hat sie mir ihr Geheimnis erzählt. Jede Frau hat so eins. Ich kenne ihres. Meines kennt sie nicht. Meines kennt niemand. Nicht mal ich selbst.
3. Jetzt: Gerade fällt die Sonne durch's Fenster, an meinem Labtop vorbei, und wärmt meinen linken Arm. Links qualmt die Zigarette, rechts steht die Kaffeetasse und schafft es irgendwie, vorwurfsvoll leer zu gucken. Draussen, vor dem Bullauge, schwebt Welt vorbei. Jetzt ist gut.
4. Glück: Glück ist, den eigenen Weg zu gehen. Ende der Diskussion. Alles andere ist Mumpitz. Vergesst es nicht.
Ich mein's ernst. Vergesst es nicht. Und was ist ein guter Astronaut ohne Angst?
24 September 2006
Von orangen Katzen
Da ist zum Beispiel das junge Fräulein N., mit der ich gerade häufig zu tun habe, und die so schrecklich viel über sich nachdenkt. Über sich und den Rest der Welt.Alles ist schwierig. Jeder Schritt führt auf dünnes Eis. Jeder Ast kann brechen. - So ist das Herz von Fräulein N. stets in Aufruhr, ihre Stirn stets in Falten, ihre Neugier stets durchzogen.
Und sie erinnert mich an eine Katze, die ich in Griechenland kennengelernt habe. Die Katze, müsst ihr wissen, war orange und wild. Einmal am Tag zeigte sie sich auf der Terasse und wurde von mir gefüttert. Danach schnurrte sie und wollte gestreichelt werden. Wenn ich aber die Hand nach ihr austreckte, sprang sie panisch auf eine Mauer und sah mich entsetzt an.
"Die orange Katze ist doof", dachte ich zuerst. Und es verletzte mich, dass sie mir nicht vertraute.
Denn, Kollegen, ich kenne andere Katzen, und ihr auch. Solche, die's voll drauf haben. Auch dort, auf der Terasse, gab's die. Katzen, mit denen der reibungslose Umgang voll gewährleistet ist.
Aber jetzt, wisst ihr was: Von allen Katzen war mir am Ende die orange am nächsten. Weil, ja: Warum eigentlich? Alles war schwierig. Jeder Schritt führte auf dünnes Eis.
Womit wir jetzt wieder bei Fräulein N. wären.
21 September 2006
Potemkins süssestes Versprechen
Als ich ein kleiner Junge war, stand ich oft in meinem orangen Pyjama am Fenster, und mein Herz platzte vor Sehnsucht und Abenteuerlust. Ich sah über das Dorf hinweg zum Wald und fragte mich, was wohl dahinter sein könnte.In Frage kam Folgendes:
1. der Wilde Westen
2. Ein Königreich mit Rittern, Drachen und Blumenwiesen.
3. Ein verschlungenes, tiefes Höhlensystem, das von gefährlichen, aber auch interessanten Wesen bewohnt wurde.
4. der Weltraum (inklusive Ufos, Astraunauten und Sternenkrieg)
5. die Bevölkerungsexplosion, von der ich damals schon gehört hatte und die ich mir als eine riesige Welle aus Menschen vorstellte, die auf mich zurollt.
Aber auf die Idee, dass hinter dem Wald das Nachbardorf liegen könnte, kam ich nicht.
Und soll ich euch mal was sagen, Matrosen? Ich hab mich nicht geändert.
14 September 2006
Hitler & der Leasingvertrag
Ich erblasse vor Neid. Via Kollege Gräte. Guckst du!
11 September 2006
Faszination und Erleichterung: Nine Eleven
9. 11. 2001Zürich, Theater, Probebühne 1
Stand der Dinge: Francis Fukuyamas Ende der Geschichte beherrscht die Bestsellerlisten und beschreibt das globale Lebensgefühl des Stillstands. Kaum im neuen Jahrtausend, ist es bereits unerträglich stickig geworden.
Plötzlich steht eine Frau mit tellergrossen Augen in der Tür und stottert.
Dann werde auch ich - wie der Rest der Welt - Zeuge des digitalen Loops: Flugzeuge, Feuer, Türme, fallende Menschen. Und nocheinmal. Für alle, die es immer noch nicht fassen wollen.
Aber, in mir - neben den handelsüblichen Gefühlen - auch noch das: Faszination. Für die unwiderstehliche Macht eines Vorgangs, der mit einem Mal, innerhalb weniger Minuten, alles für immer ändert.
Und ja, Erleichterung. Jene seltsame Art der Erleichterung, die mit dem Untergang des Grossen und Unzerstörbaren immer einhergeht und die zu leugnen reine Heuchelei wäre.
Endlich hat jemand das Fenster aufgemacht, denke ich.
Von Francis Fukuyama spricht heute niemand mehr.
08 September 2006
Dein Kitzler in meinem Mund
Also was, sagst du, Melville, du Fotze, wo bleiben die Texte?Wo bleiben die Texte, die sind wie grosse, geheimnissvolle Landschaften; die Texte, die sind wie Pfeile aus Gift und Sperma, die die Mitte meines Herzens zielsicherer treffen als amerikanische Lenkwaffen eine Schar unschuldiger Kinder?
Tja, sage ich, küss dich selbst, Bruderherz, ich schreibe ja, ich arbeite ja! Nur, Pech gehabt, Sweetheart, zuviel, um es gerade dir auch noch so galaktisch besorgen zu können, wie du's verdienst.
Denn wenn ich deinen Kitzler schon in den Mund nehme, dann verdammt: Tu ich's auch richtig. N'est-ce pas?
30 August 2006
Blutrache
Ein Typ in der Bar: klein, weisshaarig, besorgte Augen, Werbetexter. Wir sprechen zuerst über Bücher, dann über Frauen.ER: Meine längste Beziehung habe ich zu meiner Ex-Frau. (lacht) Wir sind seit 32 Jahren geschieden.
ICH: Siehst du sie noch ab und zu?
ER: Wir wohnen zusammen.
ICH: Aha? Und… wie ist das so?
ER: Etwa so wie mit Palästina und Israel. Aber Haifa steht noch.
28 August 2006
Zapp!
Zappen: Dem Tod reibungslos ein Stück näher rücken.
25 August 2006
365 Tage Melville
Seit heute vor einem Jahr gibt's Melville auf diesem Kanal. Zur Feier des Tages hier das offizielle Fisch-Im-Ohr-Wallpaper als Bravo-Schnitt zum runterladen. Cheers.
22 August 2006
Wünsch mir Glück, Hurensohn!
ELENI lernte ich im Rahmen des Theatetreffens in Berlin kennen. Sie war jung, humorvoll, hatte eine Vorliebe für Converse und sprach mit dem gleichen Akzent Englisch wie Joe Pesci in Good Fellas:Aez, Maelville, where da fuck da za tink za going?
Ich amüsierte mich grossartig mit ihr. Sie war Regisseurin in Athen, und wir beschlossen, im Rahmen eines internationalen Theaterprojekts zusammenzuarbeiten.
20 August 2006
Günther GraSS: Hängt ihn auf!
Grass ist mir schon immer auf die Nerven gegangen.Hellmuth Karasek
Er war also kein Luftwaffen-Nazi, der niemanden erschossen hat, er war ein SS-Nazi, der niemanden erschossen hat. Kapiert.
Aber wenden wir doch unseren Blick für einen Moment ab von ihm und hin zu all den Fassungslosen, die sich gerade so prägnant und zahlreich zu Wort melden. "Schockiert" sind sie, "bestürzt" und (naja) "sprachlos" - mit einem Wort: "empört".
Nun ist es wichtig zu verstehen, welche Mühlen hinter dem Vorgang der Empörung mahlen.
lies mich…
12 August 2006
FRANK & FEE - Die Soap! (IV)
"Manchmal muss man schweigen, um hinter dem Geräusch des Regens die Musik zu hören." Marcello MastroianniUnd hier ist sie wieder, die Soap über das gesunde Zusammenspiel von Sex und Gewalt.
EPISODE VIER
GERÄUSCH DES REGENS
FADE IN:
EXT. BUSHALTESTELLE - NACHTEs regnet stark. FRANK und FEE stehen klitschnass an einer Bushaltestelle und warten. Frank legt den Kopf schief und sieht Fee merkwürdig an.
FEE: Was?
lies mich…
Frank nimmt sie in den Arm und drückt seinen Mund auf ihren. Sie küssen sich lange. Der Regen PLADDERT auf sie hinab.
FEE: Ich glaube, jetzt ist gerade sehr viel Zeit vegangen.
FRANK: Ja. Wenn wir Kinder hätten, wären sie jetzt sicher schon gross.
FEE: Sie würden studieren, und wir würden uns Sorgen machen, ob sie safen Sex haben.
FRANK: Du hättest schon graue Haare.
FEE: Und du eine junge Geliebte, die Renée heisst und Filmwissenschaft studiert.
FRANK: Sie würde darauf bestehen, dass ich mich scheiden lasse. Ich würde sie dann jeweils auf die nahe Zukunft vertrösten.
FEE: Und ich würde mich mit Piet aus den Fitness-Studio rächen. Er würde lächeln und keine Fragen stellen.
FRANK: Und ich würde dahinter kommen und ihn verprügeln.
FEE: Aber er wäre stärker als du und würde dich verprügeln.
FRANK: Aber ich hätte eine Pistole dabei und würde keinen Moment zögern, sie zu benutzen.
FEE: Aber du würdest danebenschiessen, und Piet würde dich fürchterlich zurichten. Mit einer Hantel.
FRANK: Und ich läge halbtot im Krankenhaus, und dir würde es jetzt leid tun, aber es wäre zu spät. Sogar unsere Kinder hätten nur noch Verachtung für dich übrig.
FEE: Und ich würde Alkoholikerin, und obdachlos.
FRANK: Und ich läge jahrelang im Koma. Aber eines Tages, nach meiner Heilung, würde ich mich auf die Suche nach dir machen. Weil ich dich immer noch liebte.
FEE: Und du würdest mich finden, wie ich draussen an der Bushaltestation schliefe, nur mit ein paar Zeitungen. Es wäre Winter, und der Schnee würde mir ins Gesicht wehen.
FRANK: Und ich würde vor dich hinknien und sagen: „Komm, wir gehen nach Hause.“
FEE: Und ich würde weinen.
FRANK: Und ich auch.
FEE: Und der Busfahrer, der alles beobachtet hätte, auch.
FRANK: Genau.
FEE: Genau.
Sie sehen sich an und schweigen.
Der BUS schiebt sich vor Frank und Fee und entzieht sie unserem Blick. Das PAFFEN von sich öffnenden- und wieder schliessenden Bustüren. Der Bus fährt weg.
Frank und Fee stehen immer noch da und sehen sich an.
FEE: Küss mich noch mal!
Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006
FEE: Ich glaube, jetzt ist gerade sehr viel Zeit vegangen.
FRANK: Ja. Wenn wir Kinder hätten, wären sie jetzt sicher schon gross.
FEE: Sie würden studieren, und wir würden uns Sorgen machen, ob sie safen Sex haben.
FRANK: Du hättest schon graue Haare.
FEE: Und du eine junge Geliebte, die Renée heisst und Filmwissenschaft studiert.
FRANK: Sie würde darauf bestehen, dass ich mich scheiden lasse. Ich würde sie dann jeweils auf die nahe Zukunft vertrösten.
FEE: Und ich würde mich mit Piet aus den Fitness-Studio rächen. Er würde lächeln und keine Fragen stellen.
FRANK: Und ich würde dahinter kommen und ihn verprügeln.
FEE: Aber er wäre stärker als du und würde dich verprügeln.
FRANK: Aber ich hätte eine Pistole dabei und würde keinen Moment zögern, sie zu benutzen.
FEE: Aber du würdest danebenschiessen, und Piet würde dich fürchterlich zurichten. Mit einer Hantel.
FRANK: Und ich läge halbtot im Krankenhaus, und dir würde es jetzt leid tun, aber es wäre zu spät. Sogar unsere Kinder hätten nur noch Verachtung für dich übrig.
FEE: Und ich würde Alkoholikerin, und obdachlos.
FRANK: Und ich läge jahrelang im Koma. Aber eines Tages, nach meiner Heilung, würde ich mich auf die Suche nach dir machen. Weil ich dich immer noch liebte.
FEE: Und du würdest mich finden, wie ich draussen an der Bushaltestation schliefe, nur mit ein paar Zeitungen. Es wäre Winter, und der Schnee würde mir ins Gesicht wehen.
FRANK: Und ich würde vor dich hinknien und sagen: „Komm, wir gehen nach Hause.“
FEE: Und ich würde weinen.
FRANK: Und ich auch.
FEE: Und der Busfahrer, der alles beobachtet hätte, auch.
FRANK: Genau.
FEE: Genau.
Sie sehen sich an und schweigen.
Der BUS schiebt sich vor Frank und Fee und entzieht sie unserem Blick. Das PAFFEN von sich öffnenden- und wieder schliessenden Bustüren. Der Bus fährt weg.
Frank und Fee stehen immer noch da und sehen sich an.
FEE: Küss mich noch mal!
FADE TO BLACK.
Anregungen für zukünftige Episoden werden gerne entgegengenommen.
© 2006
11 August 2006
Mission: Mettwurst
Umpf. Auf den Wecker geht es mir, dieses Wetter. Und die vielen kleinen Erledigungen, die ich morgen machen muss. Wie fieselige schwarze Insekten zischen die durch den Samstag. Dann könnt ihr den Melville sehen, wie er sich durch die Raver-Massen in Zürich-City zwängt und von Laden zu Laden tingelt.Warum? Schon besser. Weil ich am Montag auf die Insel fliege. Jawoll. Zu meinem Vater. Und der will so lauter kleinen Schnickschnack, den er dort nicht kriegt. Gekauft. Bekommt er. Ist schliesslich mein Lieblings-Vanille-Sahneschnittchen-Vater. Wenn der ne Mettwurst will, soll er sie haben, und wer was dagegen hat, kriegt eins auf die Nase.
Der lebt da nämlich, auf der Insel. Dort malt er und hat auch sonst viel zu tun. Aber Ihr könntet den Mann auch in eine Keksschachtel sperren. Der hätte immer noch viel zu tun. Irgendwie würde er das schon hinkriegen.
Ausserdem riecht er gut. Fand ich schon immer. Was soll ich lange reden: Die Lieben meines Lebens kann ich an fünf Fingern abzählen.
Mit ihm fange ich an.
10 August 2006
Krieg ist schön
Libanon-Konflikt: Erstaunlich. Der alte WILLIAM TURNER hätte seine helle Freude daran gehabt.
guck mich…
guck mich…
09 August 2006
Was ist ein Haiku?
Zuerst fünf Silben
dann sieben Silben, gefolgt
von nocheinmal fünf.
lies mich
Zwischen den Zahlen
lässt du die Kammern flimmern
und Bilder zimmern.
Einen Augenblick.
Nur einen. Nur diesen. Jetzt.
Dein Herz schlägt: Bumm - Bahh!
Wie ich sie küsste,
am Eingang, wie ich sie nahm,
als sie ging, heut früh.
dann sieben Silben, gefolgt
von nocheinmal fünf.
lies mich
Zwischen den Zahlen
lässt du die Kammern flimmern
und Bilder zimmern.
Einen Augenblick.
Nur einen. Nur diesen. Jetzt.
Dein Herz schlägt: Bumm - Bahh!
Wie ich sie küsste,
am Eingang, wie ich sie nahm,
als sie ging, heut früh.
06 August 2006
Böse Ahnung

FADE IN:
Sie: Ich hab ihm gesagt, da ist ein Anderer. Dann habe ich gelacht.Ich: Wie bitte?
Sie: Irgendwie war's halt komisch. Sein Gesicht.
Ich: Manchmal sprichst du von ihm wie von einer Laborratte.
Sie: Ist mir auch schon aufgefallen.
Ich: Tauschen will ich jedenfalls nicht mit ihm.
Stille.
Sie: Tust du doch gerade.
FADE OUT.
Die besten Gespräche sind die, über die man noch lange nachdenkt.
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Die Empörung ist seit jeher das Werkzeug des Heuchlers. Sie ermöglicht ihm, opportune Moralvorstellungen zu instrumentalisieren, um sein persönliches Streben nach Macht und Bedeutung zu verwirklichen - und im gleichen Atemzug zu verschleiern, indem er seine mörderische Aggression als Aufruhr des Herzens tarnt. Vordergründig auf Seiten des Richtigen, ist der Empörte seinem Wesen nach nichts anderes als ein Volksverhetzer, der im Namen der Menschlichkeit und guten Sitten zur Lynchjustitz aufruft.
Der Heuchler erfährt im Moment der Empörung ein Gefühl der Reinheit, die ihm die Illusion von Überlegenheit und Stärke vermittelt und so ermöglicht, die Verachtung zu verdrängen, die er insgeheim für sich und seine Bedeutungslosigkeit empfindet. Da die Moral das Werkzeug der Macht ist und der Heuchler auf die Moral - als Basis seiner Entrüstung - unbedingt angewiesen ist, ist er ein ergebener Diener der Repression und ihren Gesetzmässigkeiten vollkommen unterworfen.
Er ist ein Sklave der Macht. Er denunziert, um sich unter dem Tisch seiner Herrin einen besseren Platz zu ergattern.
Wir brauchen also nur einen Blick unter den Tisch zu werfen: Journalisten, Chef-Redakteure, Feuilletonisten, Literatur-Kritiker, Künstler und Autoren. Allesamt Humanisten, alle per Definiton dem freien Geist, der unabhängigen Meinungsbildung und somit der Methode des schwebenden Urteils verpflichtet, die, immerhin laut Bertrand Russel, die grösste Entdeckung des 20. Jahrhunderts war. Seht genau hin. Ihren Eifer. Ihr Kopfschütteln. Ihr erschüttertes moralisches Grundempfinden.
Das wirklich Erhellende an der Affaire ist nicht, dass Grass in der SS war. Das wirklich Erhellende an der Affaire balgt sich jetzt gerade unter dem Tisch um den grössten Happen.